+
Partystimmung im Zelt: 1200 Festivalbesucher feiern die Bands und sich selbst.

Wenn sich der Sommer eine Auszeit nimmt....

Glühwein und Bands heizen ein: Wankfestival-Besucher trotzen dem Wetter

  • schließen

Es war wohl der kälteste und verregnetste Tag des bisherigen Sommers. Dennoch war das Bergfestival auf dem Wank auch in diesem Jahr ein voller Erfolg. Vier Bands versetzten die 1200 Besucher im Festzelt in beste Stimmung.

Garmisch-Partenkirchen- Die Aussicht: schlecht bis nicht vorhanden. Dicke Nebelschwaden verdeckten den Blick auf das Wettersteingebirge. Wenig Panorama auf dem Panoramaberg. Penetranter Nieselregen und zapfige sechs Grad erinnerten eher an Spätherbst oder Winter und nicht an ein Sommerfestival. 1200 Musikbegeisterte kamen am Samstag dennoch auf den Wank. In dicken Anoraks und mit Mützen auf den Kopf statt im luftigen Sommerkleidchen. Der Feierlaune tat dies keinen Abbruch. Jung und Alt tanzten, sangen und jubelten den Bands auf der Bühne zu, die ihnen so richtig einheizten. Darunter auch einige zukünftige Bräute und Bräutigame, die auf 1780 Metern ihren Junggesellenabschied feierten.

Zum ersten Mal stand die Bühne im Zelt. Bei den warmen Temperaturen und Sonnenschein der vergangenen Jahre hatten sich die Besucher immer im Freien befunden. Nur als beim Wankfestival-Auftakt im Jahr 2014 der Sommer ebenfalls eine Auszeit nahm, spielten die Bands in der Bergstation. „Alles hat dieses Mal sehr gut funktioniert“, sagt Kommunikationsmanagerin Verena Lothes von der Bayerischen Zugspitzbahn. Auf schlechtes Wetter müsse man sich jedes Jahr einstellen. „Wir rechnen immer damit.“ Immerhin könne man nicht so einfach auf einen anderen Tag umdisponieren. „Die Bands sind fest gebucht.“ Die Planung läuft seit Monaten. „Vor dem Festival ist nach dem Festival“, betont Lothes.

Nur wenige kamen zu Fuß

Deshalb funktionierte auch in diesem Jahr in puncto Organisation alles wie am Schnürchen – obwohl sich der Traumsommer heuer an diesem Tag von seiner allerschlechtesten Seite zeigte. „Bis Mittwoch haben wir ausgeharrt“, sagt Lothes. Als die Schlechtwetterprognosen immer wahrscheinlicher wurden, konnte man schnell reagieren. Glühwein kam neben Bier und Wasser auf die Getränkekarte. „Der wohl früheste im Jahr“, sagt Lothes. 150 Liter wurden verkauft, ebenso wie 900 Liter Helles.

Hilfreich für das Organisations-Team war, dass das Publikum übersichtlicher war als in den vergangenen Jahren. Es kamen nicht bis zu 3000 Besucher, sondern eben nur 1200. Und die waren wie warme Semmeln weggegangen. Die meisten Besucher fuhren dieses Jahr allerdings mit der Wankbahn auf den Gipfel. Nur wenige wagten den Aufstieg zu Fuß und standen in voller Bergmontur im Festzelt.

Bergfestival am Wank 2018: die besten Bilder

Dort machten die Jungs von „Mundhaarmonika“ den Auftakt. Geschmeidiger, gut gelaunter Hip-Hop und lässige Beats ließen den Regen vergessen und die Sonne aufgehen. Frontman Simon Hofelich stand passend dazu mit Sonnenbrille, Melonenhut und weißem Sweater auf der Bühne. Beim Singen und Rappen hatte er ein stets breites Lächeln im Gesicht. Die beiden Tänzerinnen links und rechts von ihm heizten dem Publikum mit ihren Bewegungen zusätzlich ein.

Geschmeidig ging es weiter mit den drei Jungs der Band „folkshilfe“. „Wie viele Österreicher sind im Publikum?“ fragte Moderator Marco Wanke, der durchs Programm führte und selbst auflegte. Die Antwort: lauter Jubel. Aber auch die Bayern im Publikum ließen sich von der guten Laune der österreichischen Musiker anstecken, die mit ihrem „Quetschn-Synthi-Pop“ das Zelt zum Toben brachten. Paul Slaviczek, Gabriel Fröhlich und Florian Ritt, feierten in Garmisch-Partenkirchen den Jahrestag ihres zweiten Albums BAHÖ, sangen vom „Karl und der Resi“ oder ihren Hit „Seit a poa Dog“. Die Musiker bezirzten die Fans mit Hipster-Dutt, authentischer Lässigkeit und österreichischem Schmäh.

Premiere: der erste internationale Act beim Wankfestival

Zum Toben brachte das Zelt die Bluegrass-Band Steve N’ Seagulls aus Finnland. „Der erste internationale Act auf dem Wankfestival“, wie Wanke betonte. Mit exzentrischen Outfits betraten sie die Bühne. Akkordeonspieler Wild Till Hiltunen trug eine exotische Fell-Mütze auf dem Kopf, Banjospieler Herman the German glich einem Hillbilly aus den amerikanischen Südstaaten. Samt Latzhose und Schlapphut. Dazu passte, dass die Finnen Wanke zufolge vor dem Auftritt sechs Mal die Wankbahn rauf und runterfuhren – samt Edelstoff-Bier im Gepäck. Eigene und Cover-Songs interpretierten die Skandinavier mit ihren Countryklängen, das Publikum sang und tanzte begeistert mit. Zum Beispiel zu Songs von Rammstein, Metallica oder Lenny Kravitz.

Als die Dunkelheit über den Wank hereinbrach, brachte der Keller Steff mit seiner Band die Stimmung noch einmal richtig zum kochen und die Zuhörer zum Schwitzen. Kondenswasser tröpfelte von der Zeltdecke, der Boden war vom Tanzen und Hüpfen teilweise mehr Matsch als Wiese. Mit aufgerissenen Augen, tief-kantigem Gesang á la Bluesbrothers und seiner unverwechselbar, charmanten Keller-Steff-Art zog der Musiker aus dem Chiemgau das Publikum so richtig in den Bann. Seine Big-Band brillierte mit zwei Saxofonen, einer Trompete, Kontrabass und Gitarre. Immer wieder animierte der Sänger bei Songs wie „Oreidige Zeck“, „Milli von der Kua“ oder „Da Bulldogfahrer“ zum Mitsingen und Mitgrooven. Der Applaus war enorm.

Den sollten die Wankianer vor allem sich selbst widmen, fand der Keller Steff. „Ein Applaus von Euch an Euch.“ Bei schönem Wetter kann schließlich jeder feiern.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wohnbauprojekt auf James-Loeb-Areal: Die Zeit der Rechenspiele
Das Murnauer James-Loeb-Areal gilt als Filetgrundstück und dürfte entsprechend wertvoll sein. In der politischen Debatte über eine Bebauung rückt daher die Frage in den …
Wohnbauprojekt auf James-Loeb-Areal: Die Zeit der Rechenspiele
Segelflugzeug stürzt nach Manöver ab - Flugschülerin (14) erheblich verletzt
In der Nähe von Ohlstadt (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) ist am Samstag ein Segelflugzeug abgestürzt. Zwei Personen befanden sich an Bord.
Segelflugzeug stürzt nach Manöver ab - Flugschülerin (14) erheblich verletzt
Zott sei Dank: Eine Vision für Unterammergau erfüllt sich, ein Mega-Projekt ist umgesetzt
In nur 19 Monaten wurde das Millionenprojekt realisiert. Nun feierten 400 Festgäste die Eröffnung des Ensembles am Weiherfeld in Unterammergau. Eine Vision, die Realität …
Zott sei Dank: Eine Vision für Unterammergau erfüllt sich, ein Mega-Projekt ist umgesetzt
Gedenkkreuz mit Farbspray markiert: Trachtler empört
Anlässlich des Blue Land Trails wurde das Gipfelkreuz am Rauheck bei Ohlstadt mit Farbe markiert. Die Trachtler sind empört. 
Gedenkkreuz mit Farbspray markiert: Trachtler empört

Kommentare