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Sucht das Gespräch mit Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner: Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (r.).

Geriatronic? Ja, aber . . . 

Was wird mit den Leifheit-Millionen?

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Der Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat hat sich für ein Forschungs- und Anwenderzentrum, das der Robotik-Professor Sami Haddadin im Markt realisieren will, ausgesprochen. Allerdings mit klaren Vorgaben. Die zehn Millionen Euro für das Projekt sollen nur fließen, wenn es nachhaltig ist.

Garmisch-Partenkirchen – Dr. Sigrid Meierhofer sitzt wie auf Kohlen. Sie wartet auf Nachricht aus dem Bayerischen Sozialministerium. Und das schon lange. Erst wenn Garmisch-Partenkirchens SPD-Bürgermeisterin weiß, was Ministerin Emilia Müller (CSU) und ihre Beamten mit dem Abrams-Gelände vorhaben, kann sie reagieren – und agieren. So lange sind ihr in Sachen Leifheit und dem Projekt Geriatronic die Hände gebunden. „Viele Bürger fragen sich, ob wir nicht in der Lage sind, mit dem vielen Geld etwas Sinnvolles anzufangen.“

Die Lösung des Gordischen Knotens hatte sich Meierhofer von der Sitzung des bayerischen Ministerrats zu Beginn der vergangenen Woche erwartet. Allerdings vergebens. Kein Anruf, keine E-Mail, keine Post aus München. Die Erstaufnahmeeinrichtig und das Forschungs-Vorhaben Geriatronic, das Professor Sami Haddadin in Garmisch-Partenkirchen in der Villa Flora, die zum Abrams-Areal gehört, verwirklichen will, befindet sich im Spannungsfeld von vier Ministerien. Neben dem Sozial- sind auch das Wirtschafts-, das Innen- und das Wissenschaftsministerium beteiligt.

Es soll widerstrebende Interessen geben. Mittendrin Garmisch-Partenkirchen, der Gemeinderat, die Bürgermeisterin, der Leifheit-Aufsichtsrat und Haddadin. Der verspricht, dass durch seine Forschungen „Garmisch-Partenkirchen zu dem nationalen Ausbildungsstandort für Pflegeberufe werden kann“.

Der Mann ist ein Star, was die Robotik angeht. Jeder will etwas von ihm. Erst recht, seitdem fest steht, dass er am 1. Januar 2018 einen Lehrstuhl der Technischen Universität München übernimmt. Als Haddadin eineinhalb Stunden vor Mitternacht den Großen Sitzungssaal des Rathauses betritt, wirkt er gehetzt und müde. Der sonst so dynamische 37-jährige Professor entschuldigt sich für sein spätes Erscheinen. Er komme direkt von der Hochschulratssitzung der TU, an der auch führende Köpfe von Dax-Unternehmen, die ihren Sitz in München haben, teilnahmen.

Der Empfang für Haddadin, der gerne zehn der 57 Millionen Euro, die die Leifheit-Stiftung dem Markt vermacht hat, abhaben möchte, um im Ort ein Forschungs- und Anwenderzentrum für Geriatronic – eine Bezeichnung, auf die Grünen-Gemeinderat Dr. Stephan Thiel das Copyright hat – zu realisieren, fiel warm aus. Grundsätzlich stehen die Kommunalpolitiker den Plänen Haddadins positiv gegenüber. Thiel appellierte an seine Kollgen „ein politisches Signal zu setzen“ – pro Geriatronic. Das tat der Gemeinderat dann auch mit 28:1-Stimmen. Nur Dr. Christoph Elschenbroich (parteifrei) votierte dagegen.

Die Bedenken, die herrschten, – vor allem beim CSB und bei Elschenbroich – versuchte Haddadin in einem Vortrag und anschließend in einem Frage-Antwort-Spiel sowie mit einem Film zu zerstreuen. Der zeigte, wie pflegebedürftige ältere Menschen zu Hause betreut werden können. Durch intelligente Assistenzsysteme „lasse sich die immer größer werdende Lücke schließen, die in der medizinischen Behandlung und in der Pflege entstehen“, sagte er.

Eine repräsentative Umfrage der Porsche Consulting habe ergeben, dass drei von vier Bürgern in Deutschland nichts dagegen hätten, sich im Krankenhaus von einem Roboter operieren zu lassen. Auch bei der Pflege, insbesondere im Alter, würden 56 Prozent der Deutschen akzeptieren, wenn eine Maschine ihr Betreuer wäre – vor allem, wenn sie dadurch weiterhin zu Hause leben könnten.

Dem wollte Ursel Kössel, CSB-Gemeinderätin und Seniorenbeauftragte, nicht zustimmen. „Ich tue mir heute schon leid, sollte ich jemals auf so einen Computer angewiesen sein.“ Auch in ihrem Bekanntenkreis sei „die Skepsis groß“. Die Einwände von Florian Hilleprandt wogen schwerer. Sie waren finanzieller und wirtschaftlicher Art. Der Fraktions-Chef des CSB fand es „sehr verlockend“, was Haddadin erzählte. Doch er sei nicht nur Gemeinderat, sondern auch Aufsichtsrat der LongLeif gGmbH, die das Geld der Stiftung verwaltet. „Und da habe ich eine andere Brille auf.“ Ihm ging es unter anderem um die Gemeinnützigkeit des Haddadin-Projekts und er forderte eine Abgrenzung zur Industrie. Er könne der Absichtserklärung, Geld für den Aufbau eines Forschungs- und Anwenderzentrums zu geben, nur zustimmen, „wenn vor Auszahlung der Mittel ein wirtschaftliches Konzept für die nachhaltige Sicherstellung der konkreten Projekte vorliegt“. Soll heißen: Auch die Ministerien müssen sich finanziell beteiligen. Ein Zusatz, mit dem das Gros der Politiker leben konnte. Insbesondere Meierhofer. „Der ist ganz in meinem Sinne. Nicht, dass die zehn Millionen nach drei Jahren weg sind.“

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