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Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann, präsentiert Klinikums-Geschäftsführer Bernward Schröter. 

Pandemie führte zu Einnahmeausfällen

Wegen Corona: Klinikum befürchtet Millionenverlust

  • Peter Reinbold
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Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen hat 2019 zum wiederholten Mal schwarze Zahlen geschrieben und ein Plus von 2,73 Millionen Euro erzielt. Die Aussichten für 2020 sind allerdings eher schlecht. Einnahmeausfälle wegen der Corona-Pandemie könnten für ein Defizit von bis zu fünf Millionen Euro führen.

Garmisch-Partenkirchen – Die Gesundheit ist ein Mega-Geschäft. Ein Geschäft, das in Garmisch-Partenkirchen 2019 besonders gut gelaufen ist. Noch besser als in den zurückliegen Jahren. Das Klinikum hatte in der jüngeren Vergangenheit, ganz besonders unter der nun fast fünf Jahre dauernden Geschäftsführung von Bernward Schröter, stets einen Gewinn von rund zwei Millionen Euro eingefahren. Im vergangenen Bilanzjahr hat das kommunale Krankenhaus ein Plus von 2,73 Millionen gemacht. „Darüber haben wir uns sehr gefreut“, sagt Schröter, der zum 31. Oktober seinen Chefsessel räumt, weil er in Ruhestand geht. Das meiste Geld zu diesem positiven Ertrag kommt von endogap, der Fachklinik für Gelenkersatz von Chefarzt Dr. Christian Fulghum. „Endogap ist unsere Cashcow, aber die anderen Abteilungen haben ihren Beitrag geleistet“, erklärt Schröter. Der Kreisausschuss, dem er am Dienstag die positiven Zahlen präsentierte, reagierte, so ist aus der Sitzung überliefert, eher gelassen. Gewinnmeldungen aus dem Klinikum – für die Kreisräte kein Grund mehr, in Jubelarien auszubrechen. Sie sind’s gewohnt.

Der Überschuss hätte sogar 3,5 Millionen Euro betragen, allerdings entschloss sich Schröter im Laufe des Jahres 2019, rund 800 000 Euro in Personal zu investieren und 23,5 neue Vollzeitstellen zu schaffen. Zwei Drittel davon entfallen auf Pflegekräfte, der Rest auf Mediziner. Für Schröter sind’s Investitionen in die Zukunft. „Es ist wichtig, eine gute Fachquote und Qualität zu haben.“ Mitarbeiter zu rekrutieren und an den südlichen Rand der Bundesrepublik zu locken, wird zunehmend schwieriger. Vor allem, weil Wohnen rund um Garmisch-Partenkirchen teuer ist und Schröter diesen Nachteil nicht mit einem höheren Gehalt ausgleichen kann. „Wir sind an den Tarifvertrag gebunden.“ Er muss mit einem anderen Pfund wuchern. „Der Landschaft, den Bergen“, sagt er. Auch das reicht häufig nicht. Ein Weg, der Erfolg verspricht: Das Klinikum hat begonnen, Wohnungen zu kaufen – auf dem Bahnhofsgelände in Garmisch-Partenkirchen – und durch den Umbau eines Hotels in Ohlstadt zu schaffen, um sie zu erschwinglichen Mieten den Mitarbeitern anzubieten.

Einen Millionengewinn wird die Klinikum-Bilanz für 2020 nicht ausweisen – die Schuld von Corona und Covid-19. Schröter rechnet mit einem Defizit. Fünf Millionen Euro Minus hält er möglich, „aber ich denke nicht, dass es ganz so schlimm kommt“. Aber er sieht es als seine Pflicht an, „die Politik zu sensibilisieren und ihr reinen Wein einzuschenken“. Wegen Corona war der Betrieb am Klinikum – von den Covid-19-Patienten abgesehen – ab März auf das Notwendigste reduziert. Viele geplante Operationen wurden abgesagt, der Betrieb in den OP-Sälen lief auf Sparflamme. Den hat man jetzt wieder hochgefahren, da der Nachholbedarf groß ist. „Wir haben die OP-Zeiten verlängert. Wir müssen 1500 ausgefallene Eingriffe abarbeiten und Speck ansetzen“, sagt Schröter. Im Klartext: Sollte eine zweite Corona-Welle im Herbst oder Winter anrollen, will er in der Bilanz ein finanzielles Polster aufgebaut haben.

Zwar hat die Bundesregierung in Person von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versprochen – es existiert ein Schreiben – , die Krankenhäuser nicht im Regen stehen zu lassen und die Defizite auszugleichen. Die Botschaft ist bei Schröter angekommen, allein ihm fehlt der Glaube, dass dieses Versprechen eingehalten werden kann. Diesen Eindruck gewann er durch einen Anruf im Ministerium in Berlin als er im Rahmen des Gesprächs darum ersuchte, den Zuschuss von 560 Euro aufzustocken, den das Klinikum bis 30. September pro Bett erhält, das wegen der Corona-Pandemie nicht belegt werden kann. Der Beamte am Telefon beschied ihm, dass die Kliniken nicht mehr oberste Priorität genießen. Schröter zufolge sagte er, jetzt sei erst einmal die Wirtschaft dran. Wenn die Hilfe ausbleibt, sieht er nur eine Möglichkeit. „Alle Krankenhäuser müssen ihre Hausaufgaben machen. Auch das Klinikum Garmisch-Partenkirchen. „Selbst wenn wir alles ersetzt bekommen, bleibt ein Delta von 2,4 Millionen Euro“, meint Schröter.

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