Das neue Team an der Spitze: (v.l.) Irmi Gallmeier, Dr. Christl Scheuber-Maurer, Karina Winkler, Philipp Golka, Florian Weidmann und Carolin Boos.
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Das neue Team an der Spitze: (v.l.) Irmi Gallmeier, Dr. Christl Scheuber-Maurer, Karina Winkler, Philipp Golka, Florian Weidmann und Carolin Boos.

Altes Führungsteam tritt fast vollständig zurück

Grünen-Ortsverband stellt sich neu auf - jetzt mit mehr Frauen

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Der Plan ging auf. Mehr Frauen sollten sich im Vorstand des Garmisch-Partenkirchner Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen engagieren. Jetzt sind die Männer in der Unterzahl.

Garmisch-Partenkirchen – Nur sie blieb übrig. Als einzige. „Ich war damals die Verlegenheitsfrau“, sagt Marina Wolff-Bühring. Alle anderen weiblichen Mitglieder des Garmisch-Partenkirchner Ortsverbandes von Bündnis90/Die Grünen konnten berufsbedingt nicht für einen Führungsposten kandidieren. Sie hatte Luft, wollte aber keinen Posten, bekam ihn trotzdem. Eine „spannende Zeit“, sagt sie heute, zwei Jahre später. Am Mittwochabend legt sie ihr Amt als Beisitzerin dennoch nieder. Wie fast alle ihre Vorstandskollegen. Der Umbruch wird eingeläutet.

Dass die komplette Mannschaft abdankt, kommt für die über 20 Grünen bei der Vollversammlung im Café Adlwärth nicht überraschend. Es gibt gute Gründe für die Neuwahlen. „Wir wollen das Frauenstatut in der Partei vollziehen“, sagt Fraktionschef Dr. Stephan Thiel. Bislang führten mit Dr. Rainer Steinbrecher und Stephen Kossegi zwei Männer den Ortsverband an. Eine Ausnahmesituation und „historisch bedingt“, erklärt Thiel an. Die Situation in den vergangenen Jahren sei nicht vergleichbar mit der aktuellen. Mehr Frauen würden es sich jetzt zumuten, in der Öffentlichkeit zu stehen und sich aktiv in die Politik einzumischen. Er sollte recht behalten. Am Ende der Wahlen zählt der Vorstand vier Frauen und zwei Männer.

Ich bin mehr Aktivistin als Parteimensch.

Karina Winkler

Den Abschied aus dem Vorstandsteam wünschte sich Steinbrecher, der sechs Jahre dazugehörte, ohnehin längst. Getreu der Tradition trennt er lieber Amt und Gemeinderatsmandat. Kossegi macht an dem Abend ebenfalls freiwillig die Bahn frei für „die guten Leute, die Interesse haben“. Das neue Personal ist schnell gefunden.

An der Spitze steht nun Karina Winkler, 30, gebürtig aus Schwabach in Mittelfranken. Vor zwei Jahren verschlug es sie nach Garmisch-Partenkirchen, wo sie derzeit am KIT Campus Alpin ihre Doktorarbeit schreibt. Sie brennt für den Klimaschutz und tritt dafür mit Tat und Stimme ein. Wie bei den Demos „Ausbremst is“, die sie mitinitiierte. „Ich bin mehr Aktivistin als Parteimensch“, sagt sie. Als Sprecher Nummer zwei fungiert Philipp Golka, 37. Der Hamburger lebt seit 2010 in der Marktgemeinde und arbeitet bei der Alpenwelt Karwendel in Mittenwald. Sein Steckenpferd: logisch, der Tourismus. In Verbindung mit dem Verkehr will er den Ort nachhaltig für die Zukunft aufstellen. Er nennt Besucherlenkung, Verkehrswende und Radwegkonzepte als Ziele. „Wir müssen sie umsetzen“, betont er, „nicht nur beschließen.“ Als Beisitzer engagieren sich Irmi Gallmeier, die bereits 1986 für den Landtag kandidierte, Grüne-Jugend-Sprecher Florian Weidmann, Neu-Mitglied Carolin Boos und Gemeinderätin Dr. Christl Scheuber-Maurer.

Mitgliederzahlen sind gestiegen

So leicht ging das Prozedere selten über die Bühne. Steinbrecher erinnert sich noch gut an die Anfänge des Ortsverbands. An überschaubarere Mitgliederzahlen. „Vor sechs Jahren waren wir zehn Leute, heute circa 50.“ Vor allem seit 2018 verspürt er einen großen Aufschwung. Der Zuwachs: von 20 auf 50 Mitglieder. „Die grüne Politik spricht die Wähler im Ort an“, urteilt er. Fünf Gemeinderäte stellt die Fraktion seit den Kommunalwahlen im März. Das Bestreben, mit Thiel als Vize-Bürgermeister von Elisabeth Koch (CSU) mehr mitgestalten zu können, scheiterte jedoch. „Deshalb machen wir jetzt Opposition.“

Der neue Vorstand will sich nun finden, ein erstes Treffen ist vereinbart. Doch schon jetzt steht fest: Das Sextett hat viel vor. Ein Naturpark Zugspitz-Region schwebt den Grünen vor. Nach den Erfahrungen im Sommer 2020 erst recht. „Was da passiert ist“, betont Gallmeier in Bezug auf den Eibsee, „war geisteskrank.“ Auch mit der Zukunft des Kongresshauses wollen sie sich beschäftigen wie auch mehr Aktionen ins Leben rufen. Agieren statt reden: „Wir müssen laut werden“, fordert Scheuber-Maurer, „aufstehen und konkrete Dinge auf den Tisch legen.“

Gewählt:

Sprecher: Karina Winkler, Philipp Golka. Beisitzer: Irmi Gallmeier (57, Pharmazeutin), Florian Weidmann (17, Abiturient), Carolin Boos (29, KIT Campus Alpin) und Dr. Christl Scheuber-Maurer (59, Ärztin).

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