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Schafft es nicht mehr zu Fuß: Andreas Strodl packt das zwei Tage alte Lamm kurzerhand in seinen Rucksack. Dem gefällt es sichtlich.

Almabtriebe 2018 im Landkreis

Der Weidesommer ist vorbei: Es geht wieder ins Tal

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Dicke Wolle, verschnörkelte Hörner, Kränze auf dem Kopf: Die vierbeinigen Hauptdarsteller beim jährlichen Almabtrieb im Landkreis sind echte Hingucker. Am Samstag starten dieZiegen in Mittenwald.

Landkreis – Der Steig ist wenige Zentimeter breit. Auf der einen Seite geht es 300 Meter in die Tiefe. Senkrecht. Ohne Geländer, das zwischen Abgrund und Weg trennt. Auf der anderen ist nur die Felswand. Langsam tappst ein Lamm dem Helferhirten Franz Strodl hinterher. Es schreit herzerweichend. Der 22-Jährige streut Kleie mit Salz, um es mit den 17 anderen Tieren über den Weg zu locken. „Nicht nach unten schauen“, redet er dem Lamm gut zu. Nicht zuletzt, um die angespannte Stimmung etwas aufzulockern. Nach vier Stunden ist es vollbracht: Die letzten 18 Schafe sind heil von der Hochalm Bärnalpl über den Gjaidsteig zur Rehbergalm bei Mittenwald abgetrieben worden.

Dort wartet Hirte Peppi Hornsteiner (Zegl) bereits auf seine sechs Gehilfen. Sie brachten die letzten Nachzügler, die sich in Sandreißen oder in Felsschluchten versteckten, zur Herde zurück. 500 Bergschafe sind nun an der Rehbergalm. Während die Tiere in aller Ruhe grasen, bereiten die Hirten den traditionellen Almabtrieb vor. Am 8. September werden die Schafe wieder ins Tal und durch den Mittenwalder Ortskern getrieben.

Jetzt nicht nach unten schauen: 300 Meter geht es am Gjaidsteig in die Tiefe. Für die Hirten und Schafe aber kein Problem.

Den ausgesetzten Gjaidsteig gehen die Hirten nicht ohne Grund jedes Jahr. Auf den Bergwiesen des Bärnalpl leisten die Schafe einen wertvollen Dienst. Die Fläche haben die Mittenwalder Bergschafzüchter von Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha gepachtet. Der Adelige geht in diesem Gebiet auf Jagd und weiß die Vierbeiner mit ihrem riesigen Appetit zu schätzen. „Sie halten die Landschaft frei“, sagt Hornsteiner. Ohne Schafe würden die Wiesen „verbuschen“ und artenreiche Feucht- und Magerwiesen verloren gehen.

Jetzt kann Hornsteiner für den Almsommer 2018 ein positives Resümee ziehen, auch wenn drei Schafe verunglückt sind. Doch dem Tod steht auch immer neues Leben gegenüber: So darf der Hirte auch diesmal wieder mehr Schafe ins Tal bringen, als er aufgetrieben hat. Die Muttertiere haben 15 Lämmer geboren. Es werden sogar noch mehr: „Ein Schaf ist gerade trächtig und wird noch vor dem Abtrieb werfen“, erzählt Hornsteiner.

Den Beginn dieser blökenden Tradition machen die Ziegen. Sie werden im ganzen Oberland nur in Mittenwald abgetrieben. Das tierische Spektakel kann man bereits an diesem Samstag, 1. September, hautnah erleben. „Der Sommer ist sehr gut verlaufen für uns“, sagt Christian Neuner, Vorsitzender der Mittenwalder Ziegenzüchter. 190 Stück Vieh wird er mit seinen Vereinsmitgliedern durch den Ort führen. Am Dekan-Karl-Platz prämieren dann eine Jury vor Publikum die schönsten Goaßn. Sie grasten den Sommer über an der Scheibenalm nahe dem Ferchensee. Lediglich eine Ziege ist erkrankt.

Die Zäune werden abgebaut auf dem Bärnalpl. Diese Aufgabe übernimmt Martina Strodl. fotos: Josef Hornsteiner

Der Almabtrieb in Krün hingegen ist mittlerweile ein großes Volksfest. Gleich drei Tage lang begleiten dort nicht nur die Hirten das Vieh ins Tal, sondern musizieren, singen und tanzen gehören auch dazu. Der Abtrieb der über 100 Rinder ist das große Finale der Feierlichkeiten.

In Garmisch werden diesmal rund 420 Schafe ins Tal geholt und durch die Maximiliansstraße gelotst. Ob alle die Zeit auf der Alm überstanden haben, kann Josef Glatz von der Weidegenossenschaft erst beim Verteilen an die Besitzer sagen. „Ich habe aber noch nichts Negatives gehört“, erzählt er auf Tagblatt-Nachfrage. In Partenkirchen werden um die 600 Schafe ins Tal gebracht.

Einzig die Farchanter feiern heuer nicht. „Uns ist ein Tier abgestürzt“, erzählt Andreas Leitenbauer. So gehen die 180 Stück Jungvieh und 15 Rösser traditionell ohne Schmuck und großes Spektakel an ihre Besitzer zurück.

DIE TERMINE 2018:

Die Mittenwalder Ziegen kommen am Samstag, 1. September, ab 11.30 Uhr. Am Samstag, 8. September, kommen dort gegen 12 Uhr die Bergschafe. Am gleichen Tag feiert auch Wallgau den Almabtrieb mit einem Almfest am Stadl an der Finz. Dort werden ab 13 Uhr rund 60 Rinder erwartet, in Garmisch werden rund 420 Bergschafe ab 13 Uhr an der Maximiliansstraße abgetrieben. Am Sonntag, 9. September, treiben Hirten rund 600 Bergschafe am späten Nachmittag durch Partenkirchen. In Mittenwald findet am selben Tag die Schafprämierung am Schafstadl statt. Beginn ist um 13 Uhr. Am Samstag, 15. September, führt ein Rinder-Almabtrieb durch die Straßen Krüns, begleitet von Bauernmarkt und Festzelt. Am Sonntag, 16. September, ab 11 Uhr führen die Mittenwalder ihre geschmückten Rinder durch den Ort.

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