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Vertraute Fans: Thomas Dreßen (M.) inmitten seiner Anhänger seines Heimatvereins, dem Skiclub Mittenwald.

Eine „coole Socke“ ohne Starallüren

Weltcup: Skiclub Mittenwald feiert seinen Thomas Dreßen

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Sie haben gehofft, geschrien und gejubelt: 35 Mitglieder von Thomas Dreßens Heimatverein haben die Abfahrt an der Kandahar live mitverfolgt. Und bekamen als Dank danach Applaus von dem Streif-Sieger. 

Garmisch-Partenkirchen/Mittenwald – Ausgerechnet die 13, die Unglückszahl. Ausgerechnet beim Heimrennen an der Kandahar erwischt Thomas Dreßen diese Startnummer. Darauf gibt Klaus Wurmer am Samstag nichts. „Die 13 bringt Glück.“ Ende der Durchsage. Dem Helden vom Hahnenkamm und vielleicht sogar dem Vorsitzenden des SC Mittenwald selbst. Am Freitag startete der Verein ein Wettspiel mit fünf Euro Einsatz. Wurmers Tipp für die Abfahrt: Platz zwei.

Mit 34 Mitgliedern hat sich der Kranzberg-Liftbetreiber am Wettkampf-Tag in den Zug nach Garmisch-Partenkirchen gesetzt, um Dreßen – er fährt für den Skiclub – zu beflügeln, ins Ziel zu brüllen. Vom SC Garmisch gab’s Freikarten. Die Mittenwalder sind als Stimmungsmacher bekannt. „Man muss ja was hören“, sagt Lisa Nissen, 16, Profi-Einpeitscherin.

Die Gruppe postiert sich im Stehbereich. Ganz vorne. Wo sonst. Ihre sichtbaren Erkennungsmerkmale: Banner mit Grüßen für den Streif-Sieger, Deutschlandfahnen, blaue Skiclub-Pullis und Jacken. Die hörbaren: Tröten, Ratschen und ihre Stimmen. Der kleine Andreas Leitenbauer (8) sagt noch vor Reiseantritt: „Ich nehme alles aus dem Kinderzimmer mit, was Krach macht.“

Der junge Isartaler holt alles aus seiner zarten Stimme raus, als Dreßen als nächster Starter angekündigt wird. Im Chor ruft der SCM-Nachwuchs „Auf geht’s, Thomas, auf geht’s“. Wurmer stöhnt nur kurz auf und murmelt: „Hau di nei, Thomas.“ Anspannung pur.

Die zweite Zwischenzeit erscheint auf der Leinwand – in rot: leichter Rückstand auf den Führenden Beat Feuz. Drittes Zwischenergebnis: Dreßen bleibt an dem Schweizer dran. Die Jubelfaust des SCM-Chefs schnalzt hoch. Er röhrt wie ein Hirsch: „Jaaaa!“

Dreßen-Fanclub in Planung

Sein Tipp zählt in diesem Moment nicht. Ein Top-Ten-Platz – damit wäre Wurmer völlig zufrieden. Schon allein wegen des Rummels, der um den Speed-Fahrer seit seinem Erfolg in Kitzbühel gemacht wurde. Lieber solle er sich die Spitzenergebnisse für die Olympischen Spiele in Pyeongchang aufheben. „Der Druck ist extrem jetzt“, sagt Wurmer. So wie er den 24-Jährigen, die „coole Socke“, kennt, stachelt ihn die Erwartungshaltung aber an.

Der Medienhype ging an dem Liftbetreiber ebenfalls nicht spurlos vorüber. Oft bimmelte bei ihm das Telefon. „Wenn er bei Olympia was reißt“, sagt Wurmer und lacht, „kann ich meinen Job wahrscheinlich aufgeben.“

Schon jetzt gibt’s einiges zu erledigen. Ein Dreßen-Fanclub soll gegründet werden. Die Chef-Rolle, Wurmer will sie nicht übernehmen. Dafür dürften die ersten 35 Mitglieder bereits feststehen.

Sie sind Edelfans. Gut eine Stunde nach dem Rennen verharrt der SC-Tross noch immer an der Kandahar. Er drapiert die Banner im Tribünen-Außenbereich und wartet auf den Ski-Star. Dreßen biegt um die Ecke. „Jetzt mag ich einen Alarm hören“, heizt Wurmer alle an. Sie jubeln dem smarten Mittenwalder zu. Der dreht den Spieß um, applaudiert ihnen, umarmt Wurmer und zieht Autogrammkarten aus der Tasche. „Wer will oane?“, fragt er. Schwups, weg sind die Dinger – als wären es Geldscheine, die er verschenkt. Ebenso schnell bildet sich eine Traube aus Menschen um den Streif-Dominator, Security-Kräfte befreien ihn aus der Menge. Der kleine Empfang nimmt ein abruptes Ende. Gezwungenermaßen. Dreßens Trost für seine Anhänger aus der Heimat: Er will zur Jahresversammlung kommen.

So bodenständig kennt ihn Wurmer, schätzt ihn deshalb ungemein. Persönlich wie sportlich. Und das, obwohl ihm Dreßen mit Rang sieben um seinen Wettgewinn brachte. Vielleicht lag’s an der 13.

Bilder vom Ski-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen

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