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Eine Weltneuheit verbirgt sich hinter dem Gerät: Professor Jeroen Buters (l.) erklärt Staatsministerin Melanie Huml (2. v. r.), Projektleiterin Prof. Dr. Caroline Herr und Dr. Andreas Zapf (r.) den Pollenmonitor.

Ein grauer Schrank bringt große Hilfe

Weltweit einzigartiges Projekt für Pollen-Geplagte

Alle Pollen-Geplagten blicken nach Garmisch-Partenkirchen. Dort steht nun ein Gerät, der ihnen das Leben erleichtert. Es ist Basis für ein weltweit einzigartiges Projekt: ein elektronisches Polleninformations-Netzwerk.

Garmisch-Partenkirchen – Ein grauer Stahlschrank, mannsgroß. Aufgebaut hat man ihn auf dem Dach des Instituts für Atmosphärische Umweltforschung an der Kreuzeckbahnstraße in Garmisch-Partenkirchen. Er trägt einen Namen: „BAA 500“. Dieses unscheinbare Gerät bringt Segen für zwei Millionen Erwachsene und 300 000 Kinder in Bayern: BAA 500 ist der weltweit erste vollautomatische Pollenmonitor, der all jenen, die an Allergien, Heuschnupfen oder Asthma leiden, sofort und in Echtzeit eine Voraussage gibt, welche Pollen wann und wo fliegen. Eine enorme Erleichterung. Bislang erreichten die Betroffenen Berichte des Wetterdienstes, die mindestens schon zwei Tage alt waren. Nun errichtet Bayern als erster Standort der Welt ein elektronisches Polleninformations-Netzwerk, um den 30 Prozent aller Erwachsenen und 26 Prozent aller Kinder, die mindestens einmal im Leben unter dem Pollenflug leiden, zu helfen. Sie können damit sehr viel schneller Vorsorge-Maßnahmen ergreifen und Medikamente zielgenau einnehmen.

Kosten: 600.000 Euro jährlich

Das unterstrich auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), die eigens nach Garmisch-Partenkirchen gekommen war, um das erste von acht Geräten, aus denen das neue Info-System bestehen wird, auf dem „Campus Alpin“ in Betrieb zu nehmen. Zwei Millionen Euro nimmt der Freistaat in die Hand, um dieses weltweit einmalige Projekt aufzubauen. Derzeit läuft die Station in der Garmisch-Partenkirchner Umwelt-Einrichtung, die zum Karlsruher Institut für Technologie gehört, im Probebetrieb. Doch bis zum kommenden Jahr, kündigte Huml an, geht die Anlage für die Allgemeinheit in Betrieb. Dann stehen auch an diesen Orten die komplexen Messgeräte: Altötting, Feucht, Hof, Marktheidenfeld, Mindelheim, München und Viechtach. „Diese Auswahl“, erläuterte die approbierte Ärztin Huml, „basiert auf einer mehrjährigen Machbarkeitsstudie des Zentrums für Allergie und Umwelt der Technischen Universität München.“ Dieses arbeitete dabei mit internationalen Experten zusammen, „um den Pollenflug in Bayern möglichst repräsentativ abzudecken“. Ab der Pollensaison 2019 könne jeder Bürger die aktuelle Belastung standort- und pollenspezifisch online über dies Seite des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) abrufen. Alle drei Stunden werden die Daten aktualisiert. Die Kosten für den Regelbetrieb des Netzwerks bezifferte die Ministerin auf 600 000 Euro jährlich. Eine Investition, die sich lohnt.

LGL-Präsident Dr. Andreas Zapf präsentierte beeindruckende Zahlen. Den Berechnungen des Landesamts zufolge beliefen sich die Gesamtkosten in Bezug auf Pollenallergien in Bayern bereits im Jahr 2013 auf 609 Millionen Euro, wovon 323 Millionen allein auf die direkten Behandlungskosten entfielen, weitere 286 Millionen auf die indirekten Kosten. Dazu zählen Ausfall oder Verminderung der Arbeitsleistung. „Unser Ziel aber ist es, diese Ausgaben durch bessere Informationen und Echtzeitdaten zum Pollenflug in Bayern signifikant zu senken.“ Der Freistaat investiere mit dem Netzwerk also nicht nur in die Gesundheit der Bürger, sondern auch in das Gesundheitssystem.

Handy-App für unterwegs

Eine Handy-App soll es ermöglichen, die Situation in Bayern über das Smartphone jederzeit und überall abzurufen, kündigte Professor Dr. Jeroen Buters vom Zentrum Allergie und Umwelt der Münchner Technischen Universität an. Ihm zufolge unterscheidet der automatische Monitor mehr als 30 verschiedene Pollenarten. Ohne menschliche Eingriffe extrahiert das Gerät Pollen aus angesaugter Umgebungsluft, deponiert sie auf speziellen Probenträgern und führt dann eine Analyse unter einem automatischen Mikroskop mit angeschlossener Bildverarbeitung durch. „Und das mit einer Genauigkeit von mehr als 85 Prozent.“

Wolfgang Kaiser

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