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Werbe-Tour in Kuwait: BZB-Marketingleiter Klaus Schanda (3. v. r.) und Tourismus-Experten aus München besuchen das Emirat am Persischen Golf.

Weniger Gäste aus den Emiraten in Garmisch-Partenkirchen

AfD-Erfolg: Araber reagieren besorgt

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Die arabischen Gäste werden weniger. 13 Prozent Rückgang in Garmisch-Partenkirchen stehen für dieses Jahr fest. Ein Grund dafür ist BZB-Marketingleiter Klaus Schanda zufolge der Wahlerfolg der AfD. Die Urlauber weichen auf Länder aus, in denen sie sich willkommen fühlen.

Garmisch-Partenkirchen – Viele Fragen kennt Klaus Schanda schon. Die kann er aus dem Effeff beantworten. Etwa die, wenn’s darum geht, was man auf der Zugspitze alles erleben kann. Wie man hinkommt oder was es rund um Garmisch-Partenkirchen außerdem zu sehen gibt? Womit er während seines viertägigen Aufenthalts in Kuwait konfrontiert wurde, war allerdings absolutes Neuland für den Marketingleiter der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB). Plötzlich musste er sich mit dem Ausgang der Bundestagswahl beschäftigen. Und sich dem Thema stellen, „warum eine islamfeindliche Partei so viel Zuspruch in Deutschland bekommt“. Bei der Promotion-Tour mit Vertretern von Lufthansa, dem Flughafen München, Hotels und München Tourismus wurde Schanda bewusst, wie sehr die Araber das Geschehen in ihrem möglichen Urlaubsland verfolgen. Und wie sensibel sie darauf reagieren. „Sie fühlen sich nicht mehr willkommen.“

Ob seine Antwort, dass der Wahlerfolg der AfD nicht ihnen, sondern vielmehr mit dem Umgang der Flüchtlingskrise in Deutschland geschuldet sei, in Kuwait angekommen ist, vermag Schanda nicht abzuschätzen. Die Präsentation insgesamt sei sehr gut gelaufen. „Es gibt nach wie vor viel Potenzial.“

Trotzdem weichen schon jetzt viele Araber auf andere Destinationen aus. Bosnien-Herzegowina und Kroatien stehen bei den Urlaubern aus den arabischen Emiraten derzeit hoch im Kurs. „Wir spüren erstmals einen Rückgang“, bedauert der Marketing- und Vertriebs-Experte. „Ich hoffe, er bleibt bei uns im einstelligen Prozent-Bereich.“ Gerade diese Ausflügler sind schließlich extrem wichtig für die BZB, da sie bei jedem Wetter das Bergerlebnis suchen. „Für sie ist’s doppelt toll, wenn’s oben schneit“, sagt Schanda. Wenn andere Gäste wegen mangelnder Fernsicht und Sonnenschein ausbleiben, strömen die Araber vergnügt auf knapp 3000 Meter Höhe. Diese Beobachtung hat auch Peter Ries gemacht. „Unsere arabischen Gäste genießen Regentage“, sagt der Garmisch-Partenkirchner Tourismus-Direktor. Ein Phänomen, das sich mit den extrem heißen Temperaturen in ihren Heimatländern erklären lässt.

Während Schanda in Kuwait direkt mit den Befürchtungen von Veranstaltern und Medienvertretern zum Wahlerfolg der AfD konfrontiert wurde, tauchen derartige Fragen bei Ries und seinen Kollegen in der Regel nicht auf. „Diese Gäste buchen meist über Portale.“ Mit dem Zuspruch ist er zufrieden. „Sie stehen nach wie vor an erster Stelle bei den ausländischen Übernachtungen.“ Und das trotz eines Rückgangs von 13 Prozent. Von Januar bis September besuchten 19 000 Araber Garmisch-Partenkirchen und blieben insgesamt 48 200 Nächte – zum Vergleich: 2016 waren es 20 774, die 58 951 Nächte blieben (2015: 18 159 und 52 648). Der Jahresbeginn heuer habe nicht die Erwartungen erfüllt, sagt Ries. „Juli und August waren wieder sehr gut.“ Woran’s lag, kann er nicht sagen. „Ich möchte auch nichts reininterpretieren.“

Auch Schanda weiß noch nicht, inwieweit sich das Phänomen AfD tatsächlich auf die Besucherzahlen auswirkt. 40 000 Gäste aus dem arabischen Raum verzeichnete die BZB im vergangenen Jahr in ihren Bahnen. „Das sind überwiegend Tagesgäste. Und zwar solche, die teilweise sehr spät, erst um 14 oder manchmal sogar erst um 16 Uhr auf den Berg fahren.“ Auf dieses Verhalten reagierte das Unternehmen – mit längeren Betriebszeiten. Andere Gepflogenheiten und Umgangsformen seien bei Besuchen wie jüngst in Kuwait stets ein Thema. „Als internationaler Tourismusort müssen wir uns darauf einstellen, aber auch kommunizieren, was wir wollen und was nicht.“ Entscheidend für ihn ist das Gespräch.

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