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Bald seltener zu Gast im Werdenfelser Land: der ICE.

Weniger Züge im Werdenfelser Land

Widerstand gegen ICE-Abbau

Landkreis - Sie sind nicht erfreut: Touristiker und Politiker kritisieren, dass die Deutsche Bahn die ICE-Verbindungen im Werdenfelser Land verringern will. 

Die Pläne der Deutschen Bahn (DB), die ICE-Verbindungen ins Werdenfelser Land zu reduzieren, lösen scharfe Kritik aus. „Wir sind nicht begeistert“, betont Garmisch-Partenkirchens Tourismusdirektor Peter Ries. „Das ist sehr kundenunfreundlich.“

Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) hatte vor ein paar Tagen via Pressemitteilung öffentlich gemacht, was die Bahn vorhat. Der Rathauschef sieht die Veränderung als Rückschlag in der Förderung des Nah- und Fernverkehrs und nur als ersten Schritt eines kontinuierlichen Angebotsabbaus. „Es wird schwierig werden, Gäste zu motivieren, ihre Reise nicht im eigenen Auto anzutreten, sondern mit der Deutschen Bahn.“

Das Unternehmen beabsichtigt, ab Dezember 2017 samstags nur mehr zwei anstelle der bisher drei Züge anzubieten. Die über Garmisch-Partenkirchen hinausgehenden Halte ins Karwendel und nach Tirol werden entfallen. Der Grund? Das Geld. „Da der Fernverkehr eigenwirtschaftlich unterwegs ist, ist er auf eine gute Auslastung angewiesen“, erklärt eine Bahnsprecherin. „Das ist jedoch gerade auf peripheren Strecken nicht immer der Fall.“

Die Sprecherin weist gleichzeitig darauf hin, dass auch Reisende aus dem Werdenfels von den schnellen Zügen profitierten, die ab Dezember unterwegs sind. Dann wird nämlich die Hochgeschwindigkeitsstrecke München-Berlin in Betrieb genommen. „Die täglich etwa stündlich angebotenen Umsteigeverbindungen aus Berlin/Leipzig/Erfurt nach Garmisch-Partenkirchen beziehungsweise retour werden eineinhalb Stunden schneller“, verdeutlicht die Bahnsprecherin. „Auch die Direktverbindung aus/nach Berlin/Hamburg mit Ankunft/Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen am frühen Samstagnachmittag profitiert von der neuen Schnellfahrstrecke.“ Daneben verbleibt die direkte Anbindung (samstags) ins Ruhrgebiet über Köln, Frankfurt/Main und Nürnberg.

Der bisherige ICE via Göttingen und Hannover von/nach Hamburg beziehungsweise Bremen/Oldenburg entfällt hingegen. Dies trifft auch auf das ICE-Zugpaar zu, das bis dato zwischen Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck unterwegs war.

Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) kann das nicht verstehen. In Zeiten des Klimawandels müsste man den Zugverkehr eigentlich ausbauen, findet er. Mit dem geplanten Schritt werde das Werdenfelser Land hingegen „ein Stück weiter abgekoppelt vom Fernverkehr“. Wie der Rathauschef mitteilt, hat der Tourismusausschuss der Zugspitz Region GmbH beschlossen, der DB ein Protestschreiben zu schicken. Der Anteil der Gäste, die mit dem Zug kommen, ist sowohl im Kreisort (15 bis 18 Prozent), als auch in der Alpenwelt Karwendel (20 bis 25 Prozent) beträchtlich.

Beim Fahrgastverband Pro Bahn ist man über die Ankündigung der DB ebenfalls nicht erfreut. „Dass das Angebot an umsteigefreien Verbindungen ins Werdenfels zum Fahrplanwechsel eingeschränkt wird, ist aus Sicht der Bahnkunden bedauerlich“, sagt Sprecher Norbert Moy. Viele Fahrgäste legten Wert auf Verbindungen, bei denen sie möglichst wenig umsteigen müssen.

Dass das Angebot nicht ausreichend wahrgenommen wird, „liegt aus unserer Sicht zum Teil an der Preispolitik der DB, die mit ihrer zum Teil extremen Preisspreizung diesen Vorteil untergräbt“, erklärt Moy und verweist auf Sparangebote. Angesichts der wenigen direkten Zügen sei die Chance, dass andere Verbindungen deutlich günstiger sind, ziemlich groß.

Roland Lory

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