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Passt perfekt zum Thema: Die Schüler bei einem Besuch des Imperial War Museums in Gosport/England.

Thema soll der Erste Weltkrieg sein

Drei Nationen, ein Theaterstück

Ein dreisprachiges Theaterstück zu gestalten. Das ist das Ziel des Werdenfels-Gymnasiasums, das mit Schulen in Frankreich und England kooperiert. Aufgeführt werden soll dieses im Münchner Residenztheater.

Garmisch-Partenkirchen – Drei Nationen, die gemeinsam ein Theaterstück gestalten. Thema soll der Erste Weltkrieg sein. Dieses Ziel haben sich 13 Schüler der neunten und zehnten Klasse des Werdenfels-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen gesetzt. In Kooperation mit dem Lycée Ozanam in Lille/Frankreich und der Bayhouse School in Gosport/England arbeiten die Jugendlichen daran, eigene Szenen zu entwickeln und diese zu einem Gesamtwerk zusammenzufügen. Gefördert wird das Ganze im Rahmes des Programms „Erasmus+“ von der Europäischen Union. Im April 2018 soll es im Münchner Residenztheater aufgeführt werden.

Nun ist der nächste Schritt in Richtung Großprojekt getan – die Jugendlichen aus dem Landkreis reisten mit ihren Deutsch- und Geschichtslehrern Christine Riesenhuber und Stefan Bues zu den Partnern nach England, um weiter an ihrem Stück zu feilen. „Es ist bereits das zweite Mal, dass wir uns mit unseren Freunden aus Frankreich und England treffen“, erklärt Bues. Im November 2016 begegneten sich die Gruppen zum ersten Mal bei den französischen Nachbarn. Und wie damals wurden sie von Mitarbeitern des Residenztheaters begleitet, die den Schülern mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Sieben Theater-Experten haben uns maßgeblich unterstützt“, sagt Bues. „Die gehen natürlich ganz anders an die Sache heran. Es war wirklich spannend zu sehen, welchen Wandel unsere Schüler dank der professionellen Hilfestellung gemacht haben.“ Für Bues ist es ein absoluter Glücksfall, dass die Gymnasien die Chance zur Zusammenarbeit haben. „Wir haben viele Theater in der Umgebung angeschrieben“, berichtet der 48-Jährige. „Dass uns das Residenztheater zugesagt hat, ist ein echter Sechser im Lotto.“

Dieses Mal konzentrierten sich die 39 Jugendlichen vor allem auf die Schauspielkunst und das Verfassen des Inhalts. „Der Hauptaugenmerk in Gosport lag auf dem Szenenschreiben“, erzählt die 14-jährige Amelie Kufner. Sie ist eine der „Auserwählten“, die an diesem Projekt teilnehmen. „Wir haben uns immer zu dritt zusammengesetzt – jeweils ein Franzose, ein Engländer und ein Deutscher – und an einem Thema gearbeitet, das uns vorgegeben wurde.“ Dabei sollten sie beispielsweise einen Dialog unter Freunden führen, von denen einer in den Krieg ziehen möchte. In einem anderen Workshop ging es darum, verschiedene Emotionen glaubhaft nachzuspielen. Dass das nicht so leicht ist, mussten die Jugendlichen schnell feststellen. „Es ist schwer, auf Abruf bestimmte Gefühle auszudrücken“, sagt der 16-jährige Alex Raab. „Da macht man sich schon mal zum Affen.“ Bues zeigt sich fasziniert von diesen Übungen: „Egal in welcher Sprache die einzelnen Szenen präsentiert wurden – jedes Mal haben auch die Schüler verstanden, was ihr Gegenüber ausdrücken will.“ Und das trotz der Sprachbarriere.

Eine Woche lang schufteten die Jugendlichen. Jeden Tag wurde ein straffes Programm durchgezogen: „Die Workshops gingen immer von 9 bis 17 Uhr“, erzählt Kufner. „Natürlich mit Mittagspause, aber insgesamt waren wir sehr produktiv.“ Ihre Lehrerin Riesenhuber freut sich, dass alles so gut geklappt hat. „Es ist toll, wie sich nach und nach die einzelnen Ideen und Puzzelteile zusammenfügen“, sagt die 45-Jährige. In den kommenden Wochen und Monaten arbeiten die Teilnehmer der einzelnen Schulen für sich. Schließlich bedarf es einer guten Vorbereitung auf das nächste Treffen, das im November in Garmisch-Partenkirchen stattfindet. Bis dahin kommen die Gymnasiasten einmal in der Woche zusammen. Die Profis des Münchner Theaters stellen den Jugendlichen Aufgaben, die sie in der Zwischenzeit abarbeiten sollen. „Bei so einem großen Projekt muss man dranbleiben“, sagt Bues.

Wie genau die Gestaltung des Theaters schlussendlich aussieht, ist noch offen. „Auf jeden Fall soll es dreisprachig sein“, sagt der Lehrer. „Schließlich wollen wir, dass alle drei Nationen gleichermaßen vertreten sind.“ Alex Raab und Amelie Kufner freuen sich schon auf ein Wiedersehen mit ihren Freunden. „Inzwischen sind wir zu einer richtig starken Gruppe zusammengewachsen“, sagt Kufner. Dieser Meinung ist auch ihr Klassenkamerad. „Wir sind ein gutes Team“, betont der 16-Jährige. Dass sich das nicht nur auf die gemeinsame Arbeit bezieht, ist ihm besonders wichtig. „Die Busfahrten, bei denen laut gesungen und gelacht wird, sind immer ein Highlight.“

Sonja Hößl

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