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Bereits fertiggestellt ist der neue Ausstellungsraum samt Brücke. Von dort oben erscheinen die Bilder von Carl Reise in einem ganz besonderen Licht.

Wie geht‘s weiter mit dem Umbau?

Tag der Entscheidung fürs Werdenfels Museum 

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Die Ausschreibung für den Innenausbau am Werdenfels Museum läuft am Dienstag ab. Dann wird sich zeigen, ob die Kosten zu halten sind. Und ob sich überhaupt ein Schreiner findet, der spontan einspringt, um das Gesamtprojekt nach über zwei Jahren Bauzeit zu vollenden.

Garmisch-Partenkirchen – An der Wand läuft ein Film über die Fahrt mit der Zahnradbahn auf die Zugspitze. Davor steht eine hölzerne Doppelbank. Wer sich draufsetzt – Josef Kümmerle geht in die Knie und dreht den Kopf nach rechts –, schaut aus einem Original-Fenster der früheren Zugspitzbahn. Dahinter hängt ein Streckentelefon. Für den Notfall. Weiter durch die Ausstellung im Werdenfels Museum. Leiter Kümmerle macht sechs große Schritte und eine Vierteldrehung. Dort, für jeden Besucher sofort zu sehen, steht das vergoldete Gipfelkreuz von Deutschlands höchstem Berg, da Original aus dem Jahr 1851. An der Wand hängt ein Plan vom früheren Erz-Bergwerk in Hammersbach. Wieder dreht sich Kümmerle um seine Achse, deutet auf die Medienstation für Kinder. Bergsteigerhefterl zum Ausfüllen liegen bereit, eine Landkarte ebenfalls. Weiter, ein paar Schritte Richtung Ausgang. Kümmerleblickt auf das Werk des Bergmalers und Wahl-Garmisch-Partenkirchners Oskar Schultz. Der Titel „Abkühlung“, riesig sieht Josef Kümmerle das Bild vor sich. In seiner Fantasie.

Der etwa 100 Quadratmeter große Raum im Werdenfels Museum ist leer. Irgendwann soll er einmal die Geschichte rund um die Zugspitze behandeln, soll ein Besuchermagnet werden. Irgendwann. Noch aber hat der Schreiner gar nicht mit dem Einbau begonnen. Noch gibt es gar keinen Schreiner. Noch laufen die Ausschreibungen. Von ihrem Ergebnis hängt für das Museum viel ab.

Wie viele Firmen geben ein Angebot ab?

Zurück auf Anfang hieß es im Juni. Der Auftrag für den Innenausbau hatte der Landkreis als Träger der Einrichtung bereits vergeben. Der Schreiner allerdings meldete, wie berichtet, Konkurs an. Der Festakt am 6. Juli, an dem das erweiterte und sanierte Museum offiziell eingeweiht werden sollte, wurde abgesagt. Stattdessen startete das Landratsamt die zweite Ausschreibungsrunde. Mitte Juli schickte die Behörde Sprecherin Franziska Klein zufolge Unterlagen an die interessierten Firmen. Elf an der Zahl. Die bange Frage lautet nun: Wie viele geben ein Angebot ab? Bei der aktuellen Top-Auftragslage für Handwerker dürfte keine Firma auf die Anfrage des Museums gewartet haben.

Daran schließt sich die nächste Unsicherheit an: Werden die kalkulierten Kosten zu halten sein? 120.000 Euro sind für die Schreinerarbeiten, also den Einbau der Ausstellung, veranschlagt. Auch der Um- und Ausbau des Museums hat sich deutlich verteuert. Zunächst hatte man ihn mit 2,1 Millionen Euro angesetzt, aktuell beläuft sich das Vorhaben auf 3,2 Millionen Euro – ohne den Betrag für die Innenausstattung der Zugspitz-Ausstellung.

Ab Dienstag sehen die Beteiligten klarer. Dann, dem Tag der Submission, werden die Angebote geöffnet. Denkt man an den ersten Durchgang, könnte man nervös werden: Um die acht Betriebe hatte die Behörde angeschrieben. Nur einer meldete sich, bekam den Zuschlag – und ging bekanntlich pleite. Museumsleiter Kümmerle sieht die Angelegenheit entspannt. Warum sollte er sich aufregen oder Sorgen machen? „Bringt ja nix.“ Eine Hoffnung aber hat er: Dass es beim aktuellen Zeitplan bleibt, den Landratsamtssprecherin Klein nennt: Bis zum Beginn der Wintersaison, vor Weihnachten, sollen alle neuen Ausstellungsbereiche eröffnet werden.

In der Zwischenzeit genießt Kümmerle den Blick von der Brücke im neuen Ausstellungsbereich auf die Werke des heimischen Malers Carl Reiser. Von dort oben erscheinen sie in einem ganz anderen Licht, sagt Kümmerle. „Die Farben, wie sie leuchten.“ Und sie leuchten wirklich, ganz real.

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