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Gähnende Leere herrscht im Zugspitz-Ausstellungsraum. Hausmeister Herbert Fuchs muss sich noch gedulden, bis das alte Münchner-Haus-Schild und all die anderen Exponate wieder präsentiert werden können.

Werdenfels Museum: Eröffnung wird verschoben

Innenausbau verzögert sich: Schreiner hat Konkurs angemeldet

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Die Einweihung des um- und ausgebauten Werdenfels Museums verzögert sich – auf unbestimmte Zeit. Der Schreiner, der den Innenausbau erledigen sollte, hat Konkurs angemeldet. Die Brücke im neuen Ausstellungsraum wird trotzdem zum 6. Juli geöffnet.

Garmisch-Partenkirchen – Stichtag war der 6. Juli. Der Tag, an dem das erweiterte und sanierte Werdenfels Museum in Garmisch-Partenkirchen eröffnet werden sollte. Daraus wird nichts. Der offizielle Festakt wurde längst abgeblasen. Die Einladungen gar nicht erst verschickt. Noch immer sind die Arbeiten, die seit Juni 2016 laufen, nicht abgeschlossen. Betroffen ist insbesondere die Innenausstattung. Die Zugspitz-Ausstellung, die Museumspädagogik, das Depot und die Büros – alles noch nicht eingerichtet. Schuld an dem Dilemma ist der Schreiner. Von sieben, acht Betrieben, die im Rahmen der Ausschreibung kontaktiert worden waren, „haben wir nur eine Rückmeldung bekommen“, sagt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts. Mit der Folge: Er erhielt den Zuschlag. Dass er zwischenzeitlich Konkurs anmeldet, damit rechnete niemand.

Genau dieses Szenario – ein Horror für jeden Bauherren – ist eingetreten. Nachdem Handwerker überall händeringend gesucht werden, ihre Auftragsbücher entsprechend voll sind, „haben wir keinen Ersatz gefunden“, bedauert Scharf. „Andere Firmen sind derzeit so ausgelastet, dass sie keine zusätzlichen Arbeiten übernehmen können.“ Mit der insolventen Firma wollte das Landratsamt, unter dessen Trägerschaft das Museum steht, aber trotzdem nicht loslegen. Zu groß ist die Gefahr, dass sich die Fachkräfte in dieser Situation neue Jobs suchen und das Ganze letztlich nicht abgeschlossen wird.

Brücke im neuen Ausstellungsraum ist ab 6. Juli zugänglich

Somit müssen sich Museumsleiter Josef Kümmerle und seine Mitarbeiter in Geduld üben. „Wir nehmen’s, wie’s kommt“, sagt Kümmerle. Es klingt resigniert, zumindest ein bisschen. Ein kleiner Trost für ihn: Wenigstens ein Termin wird gehalten. Die Brücke, die im neuen Ausstellungsraum einen ganz neuen Blick auf die Exponate ermöglicht, ist trotz der Verzögerungen ab Freitag, 6. Juli, öffentlich zugänglich. Dann können die Besucher, die sich die großformatigen Bilder von Professor Carl Reiser im Rahmen der Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ anschauen wollen, vom großen Panoramafenster aus das Motiv mit dem Gemälde vergleichen. Und den perfekten Blick aufs Wetterstein- und Zugspitzmassiv genießen.

Ansonsten müssen sich Kümmerle und sein Team weiterhin abwarten – und auch die Besucher darum bitten. Zwar können diese einen Großteil der Dauerausstellung ungehindert besichtigen, den Bereich, der sich mit der Zugspitze und ihrer Erschließung beschäftigt, jedoch nicht. „Auch das Dachgeschoss ist noch gesperrt“, bedauert der Museumsleiter. „Da wird gerade die Lüftungsanlage eingebaut.“

Neue Ausschreibung noch im Sommer

Wann es mit dem Innenausbau weitergeht, steht noch nicht fest. „Noch in diesem Sommer soll neu ausgeschrieben werden“, sagt Scharf. „In der Hoffnung, dass sich diesmal mehrere Firmen daran beteiligen“ – und ein Angebot abgeben. Läuft alles nach Plan, erfolgt der Einbau der Dauerausstellung Ende Herbst. Noch laufen kleinere Arbeiten an den Außenanlagen, „die liegen aber nach wie vor im Zeitrahmen“. Die Flucht- und Rettungstreppe beispielsweise konnte wie vorgesehen im Juni abgebaut werden. „Derzeit werden noch die Außenanlagen mit den Pflasterarbeiten sowie den Mülltonnenhäuschen fertig gestellt“, erklärt der Behördensprecher.

Inwieweit sich die Verzögerung auf die Kosten auswirkt, ist noch völlig unklar. „Da die Ausschreibung leider wiederholt werden muss, kann eine etwaige Steigerung nicht ausgeschlossen werden“, unterstreicht Scharf. Das hänge von der Auftragslage der Firmen sowie der Entwicklung der Baupreise ab. Der Um- und Ausbau des Museums war zunächst mit 2,1 Millionen Euro angesetzt worden, aktuell beläuft sich das Vorhaben auf 3,2 Millionen Euro – allerdings ohne den Betrag, der noch für die Innenausstattung aussteht. Diese Summe schultert aber nicht allein der Landkreis. 560.000 Euro fließen aus dem Kommunalinvestitionsprogramm, 124.500 Euro von der Bayerischen Landesstiftung und etwa 30.000 Euro von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen..

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