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„Wer wie wo war Wackerle?“, hieß 2009 die Sonderschau für den Künstler im Werdenfels Museum. Diese Frage soll nun wissenschaftlich beantwortet werden. Dr. Lorenz und Dr. Gisela Wackerle, hier mit Museumsleiter Josef Kümmerle, fühlen sich vom Landkreis allein gelassen. 

Steht das endgültige Ende der Ausstellung bevor?

Wackerles Wirken im Nationalsozialismus: Ohne historische Aufarbeitung keine Werke im Werdenfels Museum

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Welche Rolle hat Joseph Wackerle im Dritten Reich gespielt? Eine Antwort auf diese Frage fordern offizielle Stellen. Sonst wird es im Werdenfels Museum keine Ausstellung des berühmten Garmisch-Partenkirchner Künstlers mehr geben. Das Aus nach 40 Jahren – überaus realistisch.

Garmisch-Partenkirchen – Alle Werke raus, verpacken, lagern. Den Raum renovieren. Wieder einräumen. So haben sich das viele für die Wackerle-Ausstellung im Erdgeschoss des Werdenfels Museums vorgestellt. Erfüllt hat sich in den vergangenen gut zwei Jahren nur ein Teil: Figuren, Zeichnungen, Bilder des berühmten Garmisch-Partenkirchner Künstlers und Ehrenbürgers Joseph Wackerle verschwanden. Renoviert wurde auch, das Gebäude umgebaut und erweitert. Nur eingeräumt hat man die Werke nicht mehr. Vorher muss Wackerles Wirken im Nationalsozialismus wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Vor dieser Aufgabe stehen Dr. Gisela und Dr. Lorenz Wackerle, Enkel des Bildhauers. Von Landratsamt und Museum fühlen sie sich im Stich gelassen.

Die Ausstellung im Wackerle-Raum gehört zum Museum wie die Einrichtung zur Ludwigstraße. Seit 1978, als der Künstlersohn das Haus an den Landkreis verkaufte, ist sie fester Bestandteil. Im Zuge des Um- und Neubaus, ein Millionen-Projekt, beantragte der Landkreis als Träger Fördergelder. Mit rund 112.000 Euro bezuschusst die Bayerische Landesstelle für nichtstaatliche Museen Konzeption, Planung, Umsetzung von Innenausstattung sowie Einrichtung. Unter Vorbehalt.

Schau und Museum müssen sich, so gibt Landratsamt-Sprecher Stephan Scharf die Auflage wieder, an den musealen Standards orientieren. Das heißt, „historisch korrekt und transparent mit der Geschichte seiner Ausstellungsgegenstände, Künstler und dargebotenen Informationen“ umzugehen – und Wackerles Vergangenheit aufzuarbeiten.

Aufarbeitung – gerne. Aber wer bezahlt sie?

Dagegen hat das Ehepaar nichts einzuwenden. „Das gehört heute einfach dazu“, sagt Gisela Wackerle. Gelassen blickt ihr Mann auf das Ergebnis. Nach allem, was er erlebt – sein Großvater starb, als er 16 Jahre alt war – und geforscht hat, ist er überzeugt: Sein Opa ließ sich nichts zu schulden kommen, bereicherte sich nicht durch das System. Zudem wurde das Entnazifizierungsverfahren nach dem Zweiten Weltkrieg, das ihn als Künstler mit Staatsaufträgen traf, eingestellt. „Das ist ein Freispruch erster Güte.“ Eine unabhängige Untersuchung also – gerne, sagt das Paar. Nur: Wer bezahlt? Mit 20.000 bis 30.000 Euro rechnen die Garmisch-Partenkirchner, genaue Zahlen haben sie nicht. Jedenfalls zu viel, um es privat zu schultern. Landrat Anton Speer und Museumsleiter Josef Kümmerle machen in einem Schreiben aber klar: Sie fühlen sich nicht zuständig.

Man könne die „eindringlichen und mit Nachdruck gegebenen Hinweise“ der Landesstelle nicht ignorieren, heißt es. Weshalb die Werke vorerst nicht gezeigt werden. Nachvollziehbar. Verärgert reagieren die Wackerles auf weitere Zeilen. Der Künstler wird in den höchsten Tönen gelobt. „Bedeutend“ sei er, „herausragend“, von „internationaler Bekanntheit und hervorragendem Ruf“. Man hoffe, dass es dem Enkel „gelingt, eine entsprechende Aufarbeitung durchführen zu lassen“. Die Landesstelle habe hier Unterstützung zugesagt. Sie freuen sich darauf, betonen Speer und Kümmerle, die Ausstellung danach wieder zu zeigen. Für Lorenz und Gisela Wackerle aber lassen die Zeilen nur einen Schluss zu: Dem Landkreis ist die Ausstellung des heimischen Künstlers nicht wichtig genug, sonst würde er nicht die Verantwortung abschieben.

„Entweder Ihr liefert, oder Ihr lasst es sein“

Im August trafen sich alle Beteiligten zum Gespräch. Nach eigener Aussage regte das Ehepaar an, ein Schreiben zu entwickeln. Der Inhalt: Museum und Behörde heben die Bedeutung des Künstlers für den Kreis und die Einrichtung hervor, ebenso die Wichtigkeit der Untersuchung. Ein offizielles Bewerbungsschreiben, mit dem die Wackerles bei Stiftungen, Institutionen, Universitäten für Aufarbeitung und deren Finanzierung werben. Stattdessen aber erhielten sie den Brief aus dem Landratsamt. Quintessenz: „Entweder Ihr liefert, oder Ihr lasst es sein“, sagt Gisela Wackerle. Alleine, als Privatperson, habe man aber keine Chance.

Seine Enttäuschung hat das Paar in einem Antwortbrief formuliert. Einen Tag bastelten die zwei daran, schluckten selbst über „harte Worte“. Eine Eskalation oder Streit wollen sie vermeiden, betonen sie. Den Umgang einfach hinzunehmen, kam jedoch auch nicht in Frage. Mittlerweile haben sie ihren Brief beim Landratsamt eingeworfen.

Ein Ende der Wackerle-Schau mit 31 Leihgaben der Familie – viele Stücke besitzt das Museum selbst – erscheint realistisch. Den Vertrag aufzulösen nennt Gisela Wackerle die „logische Konsequenz“ – irgendwann. „Noch sind wir nicht so weit, dass wir das Depot leer räumen“.

Ebenso wenig wird Lorenz Wackerle sofort seinen Rücktritt als Vorsitzender des Museumsvereins erklären. Auch wenn er darüber nachdacht hatte. „Wir müssen die beiden Dinge trennen“, betont seine Frau. Also Vereinsarbeit und Ausstellung. „Sonst machen wir uns kaputt.“ Was der Verein so erfolgreich und in „sehr guter Zusammenarbeit“ mit Museum und Landratsamt umgesetzt hat, „soll doch in gutem Einvernehmen weitergeführt werden“.

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