1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Garmisch-Partenkirchen

Wutbrief der Bürgermeister: Werdenfelsbahn eine „Katastrophe“

Erstellt:

Von: Andreas Seiler

Kommentare

Nach dem Zugunglück in Oberbayern
Auslöser der Debatte: das Zugunglück bei Burgrain – hier ein Archivfoto von den Gleisarbeiten unweit der Unfallstelle. © dpa

In der Diskussion um das Bahn-Chaos im Werdenfelser Land wird der Ton rauer: Nun haben sich Landrat Anton Speer und die 22 Landkreis-Bürgermeister mit einem Brandbrief an die Deutsche Bahn gewandt. Energisch wird darin ein Sanierungs- und Ausbaukonzept gefordert.

Landkreis – Ohlstadts Rathauschef Christian Scheuerer (parteifrei), zugleich Sprecher der Landkreis-Bürgermeister, ist ein Kommunalpolitiker, der eigentlich die Sprache der Diplomatie und der ruhigen Töne pflegt. Doch im aktuellen Fall wird er deutlich: „Das geht nicht. Das kann’s doch nicht sein“, schimpft er. „Man hat das Gefühl, es zwackt an allen Ecken und Enden.“ Was den Ortschef aus dem Blauen Land auf die Palme bringt, ist das Bahnchaos im Werdenfelser Land – und das Unvermögen der Deutschen Bahn, die Probleme in den Griff zu bekommen. Der Eindruck dränge sich auf, so Scheuerer, das Schienennetz in der Tourismusregion befinde sich in einem desolaten Zustand.

Rund zwei Monate nach dem schrecklichen Zugunglück bei Burgrain, das fünf Menschenleben kostete und den gesamten Landkreis schockte, kritisieren Scheuerer und seine Amtskollegen den bundeseigenen Konzern scharf. In einem gesalzenen Brief an dessen Tochterunternehmen DB Netz, das für die Eisenbahninfrastruktur zuständig ist, lassen die Volksvertreter ihrem Ärger freien Lauf – und ziehen eine vernichtende Bilanz.

Schienenersatzverkehr „chaotisch“

Der bauliche und technische Zustand der Werdenfelsbahn sei eine „Katastrophe“, beschweren sie sich in dem offenen Schreiben. Der Schienenersatzverkehr sei „chaotisch“ und aufgrund vieler unnützer Leerfahrten von Taxis und Bussen ein „ökologischer Wahnsinn“. Kundenorientierung und Kommunikation seien nicht vorhanden. Das Fazit: Die Verkehrswende sei auf diese Weise im Landkreis keinesfalls zu erreichen. Es sei nicht nachvollziehbar, heißt es weiter, dass diese Bahnlinie, die als „Lebensader“ für viele Pendler, Schüler und Gäste dient, nicht oder nicht mehr regelmäßig bedient und nur stückweise saniert wird. „Es ist endlich an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen und nicht nur durch Lippenbekenntnisse zu versuchen, die Gemüter zu beruhigen“, lautet die unmissverständliche Forderung an die DB-Chefetage.

Es sind nicht nur die Bürgermeister, die auf die Barrikaden gehen. Im Zuge der Diskussion über die möglichen Ursachen des Zugunglücks rückten die offenkundigen Mängel des Schienennetzes in den Mittelpunkt. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sprach unlängst von zunehmenden Infrastrukturproblemen und forderte einen Investitionsschub. Dem Vernehmen nach hat Bahnchef Richard Lutz eine solche Offensive zugesichert. 80 bis maximal 100 Millionen Euro sollen für Instandhaltung und Modernisierung im Werdenfelsnetz und bei der Oberlandbahn ausgegeben werden (wir berichteten). Bei der Deutschen Bahn bleibt man vage: „Wir arbeiten mit Hochdruck an möglichst zeitnahen und verlässlichen Perspektiven für die Eisenbahnstrecken im Werdenfels und das dort geplante Zugangebot“, sagte eine Sprecherin.

Vorbereitungen auf Halbstundentakt

Das ist Scheuerer zu wenig. Er fordert ein Sanierungs- und Ausbaukonzept – und einen Fahrplan für die Umsetzung. In einem Dialog mit Entscheidungsträgern soll dies besprochen werden. Laut Scheuerer geht es nicht nur darum, die Gleisanlagen auf Vordermann zu bringen. Man müsse sich auch überlegen, wie der Halbstundentakt in Ohlstadt, Eschenlohe, Oberau und Farchant funktionieren soll. Dafür seien bauliche Maßnahmen wie Über- oder Unterführungen notwendig, um bei geschlossenen Schranken zu gewährleisten, dass die Orte erreichbar sind.

Auch interessant

Kommentare