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Almbauern können Anwesenheit des Raubtieres nichts abgewinnen

Der Widerstand gegen den Wolf wächst

Die Ausbreitung des Wolfs bereitet den hiesigen Almbauern nach wie vor großes Magengrimmen. Herdenschutzhunde und Zäune machen aus ihrer Sicht keinen Sinn.

Garmisch-Partenkirchen – Joseph Grasegger hat sich enorm Arbeit gemacht. Der Bio-Bauer aus Garmisch-Partenkirchen trug viele Daten und Fakten zum Thema Wolf zusammen und präsentierte diese im Rahmen der Almbauernversammlung in der Almhütte. Dabei ging der Vorsitzende des Landesverbands Bayerischer Schafhalter auch auf die Vermehrung des Raubtiers ein.

Präsentiert Fakten zum Wolf: Joseph Grasegger (l.) aus Garmisch-Partenkirchen.

Von 750 Tieren in Deutschland im Jahr 2018 würde die Population demnach auf rund 2000 in 2022 anwachsen. „Und das ist niedrig gerechnet. Ich weiß nicht, wo das hinführen soll.“ Herdenschutzhunde seien vielleicht in einigen Betrieben eine Alternative. „In den allermeisten, vor allem in den mittleren und kleinen ist das aber weder finanziell noch arbeitstechnisch zu leisten. Auf Gemeinschaftsweiden und auf unseren Almen ist das für mich undurchführbar.“ Auch Schutzzäune sieht Grasegger ziemlich kritisch. „Es stellt sich die Frage, ob eine Kasernierung unserer Kulturlandschaft sinnvoll ist.“ Aus seiner Sicht ist es das nicht, zumal es Wölfe gebe, die Zäune überspringen. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft legte vor Kurzem eine Berechnung vor, nach der für die Errichtung von Schutzzäunen eine Investitionssumme von rund 327 Millionen Euro nötig wäre. Eine Gesamtstrecke von rund 57 000 Kilometern Weidezaun müsste wolfssicher ausgebaut werden.

Der Anwesenheit des Raubtiers kann auch Landrat Anton Speer (Freie Wähler) nichts abgewinnen. „Wir brauchen einen gescheiten Wolfsmanagementplan und wolfsfreie Zonen. Es hätte fatale Auswirkungen“, wenn der große Beutegreifer käme. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis es so weit ist.

Georg Mair, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayerns (AVO), monierte: „Die Naturschutzverbände beschwichtigen nach wie vor. Ein bissl Wolf geht nicht. Ist der Wolf einmal da, ist es mit der Almwirtschaft schnell gar.“ Bereits vor acht Jahren habe man ein Positionspapier verfasst. „Da brauchen wir überhaupt nichts zurücknehmen. Damals sind wir belächelt und als Illusionisten hingestellt worden.“ Auch Bezirksalmbauer Sepp Glatz äußerte sich contra Raubtier: „Wer sich dem Wolf nicht entgegenstellt, hat schon verloren.“

Sorgen macht sich Nikolaus Stöger, Leiter des Forstbetriebs Oberammergau, weil sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) ausbreitet. In Polen und Tschechien sind mittlerweile Wildschweine von der Viruserkrankung betroffen. „Experten sagen, es ist eine Frage der Zeit, bis sie rüberkommt.“ Tritt der Fall tatsächlich ein, „hätten wir ein gewaltiges Problem“. Die Schäden durch Wildschweine sind laut Stöger im Kreis Garmisch-Partenkirchen nicht so groß wie in umliegenden Gebieten. Doch er staunte darüber, wo die Schwarzkittel mittlerweile anzutreffen sind, nämlich auch in höheren Lagen. „Die besiedeln Lebensräume, das ist unglaublich.“

Auch der Biber ist bekanntlich auf dem Vormarsch, vor allem am Staffelsee. Dort hat er viele Gehölze geschädigt. „Der packt alles an, nicht nur Erlen“, machte Landrat Speer deutlich. Die Kreisbehörde will jetzt einschreiten. „Wir genehmigen die Entnahme des Bibers in bestimmten Bereichen.“ Und zwar auf der Insel Wörth und am Seeufer.

Interessant wird es für die Freunde der Almwirtschaft im Sommer. Denn in Garmisch-Partenkirchen findet von 11. bis 13. Juli eine Internationale Almwirtschaftstagung statt. Veranstalter sind der AVO sowie das Fachzentrum Almwirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen.

Roland Lory

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