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Doppelt gefährlich: Weil die Gewehge zu glatt sind, weicht Philipp Nolden immer wieder auf die Straße aus.

Angst vor Stürzen grassiert

„Wie Eislaufen ohne Schlittschuhe“: Gehwege in Garmisch-Partenkirchen bereiten Fußgängern Probleme

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Die Glätte auf den Gehwegen macht Fußgängern derzeit zu schaffen. Sie beschweren sich über die Situation. Im Rathaus widerspricht man den Vorwürfen.

Garmisch-Partenkirchen – Unsicher setzt sie einen Fuß vor den anderen, immer wieder rutscht Cira Casertano aus, hält sich krampfhaft am Griff des Buggys fest, um nur nicht den Halt zu verlieren. So wie der 30-jährigen Garmisch-Partenkirchnerin ergeht es derzeit einigen, die zu Fuß in der Marktgemeinde unterwegs sind. Zahlreiche Gehwege sind noch immer, nach den Schneefällen der vergangenen Wochen, größtenteils von Eis überzogen, unzureichend geräumt und gestreut. Zudem sind viele Wege sehr eng, weil sich an den Seiten Schneemassen türmen. Casertano ist hochschwanger. Sie erwartet in wenigen Wochen ihr zweites Kind. Deshalb ist ihre Sorge, auf den spiegelglatten Flächen auszurutschen, besonders hoch.

„Es ist wie Eislaufen ohne Schlittschuhe. Ich traue mich schon gar nicht mehr vor die Tür“, sagt sie und zeigt sich entsetzt über den katastrophalen Zustand der Gehwege in der Gemeinde. Ihr Freund arbeite, verrät sie, beim Winterdienst. Da sei man zwar rund um die Uhr damit beschäftigt, die Straßen zu räumen, aber um die Fußwege kümmere sich kaum jemand. Gerade der Partnachuferweg zwischen Schornstraße und Bahnhofstraße, wo sie so gern mit ihrem eineinhalbjährigen Sohn Elias und dem Mischlingshund Mira spazieren geht, ist derzeit extrem glatt und „teilweise noch nicht einmal gestreut“, beklagt sich die junge Mutter. Sie habe zwar Verständnis dafür, dass der Räumdienst zu Beginn, als der Katastrophenfall ausgerufen worden war, mit dem Räumen ins Hintertreffen geriet, aber die Notsituation sei ja längst nicht mehr gegeben. Es ist ihr vollkommen unverständlich, dass die Spazierwege in einem derartig desolaten Zustand seien. „Mütter mit Doppelkinderwagen müssen auf die Straße ausweichen, das ist echt gefährlich.

Versäumnis der Hausbesitzer

Neben ihnen sind es vor allem auch die älteren Menschen, die mit den Verhältnissen auf den Fußgängerwegen nicht mehr zurechtkommen. „Es ist schwer, die Balance zu halten, zum Glück bin ich noch nicht gestürzt, aber ich mag auch nicht auf die Straße“, sagt Irmgard Schwarz. Die 79-Jährige wohnt am Jungfernweg in Partenkirchen und geht zum Einkaufen an der Partnach entlang. „Derzeit herrscht eine Ausnahmesituation, die nur alle 20 Jahre vorkommt“, meint die Rentnerin, die ein grundsätzliches Verständnis zeigt, weil einfach zu viel Schnee in kürzester Zeit gefallen sei und man mit dem Räumen nicht nachkam.

Philipp Nolden (69) sieht vor allem ein Versäumnis von Seiten der Hausbesitzer. „Sie sind in der Pflicht, die Gehwege zu räumen und zu streuen und kommen dem nicht genügend nach“, meint der Rentner aus Mettmann bei Düsseldorf, der seinen zweiwöchigen Winterurlaub in der Marktgemeinde verbringt. Seine Frau traut sich schon gar nicht mehr allein ins Freie, weil sie sich im Sommer einen Arm gebrochen hat und nun fürchtet, wieder zu fallen. Er selbst meidet die Gehwege und muss auf der Straße den Autos immer wieder ausweichen. „Auch das ist nicht ganz ungefährlich.“

Auf sein Fahrrad setzt sich Fritz Frank schon lange nicht mehr. Auf seine Fußmärsche nimmt der rüstige ältere Herr aus Garmisch-Partenkirchen derzeit immer seine blauen Wanderstöcke mit. „Ohne die fühle ich mich total unsicher“, erklärt er und versteht nicht, warum nicht gleich zu Beginn der Schnee weggeräumt worden ist, „als er noch nicht zu Eis gefroren war“. Nun könne man die harten Eisschichten in mühseliger Arbeit nur noch wegfräsen, . Aber selbst dann bleibe eine dünne Eisschicht auf dem Boden zurück. „Das ist wirklich gefährlich.“

Das sagt die Gemeinde

Ihrem Ärger machte Franziska Hollinger aus dem Chiemgau in einem Leserbrief an die Redaktion des Tagblatts Luft: „Nachdem mein Mann und ich nun drei Wochen in Garmisch-Partenkirchen verbracht haben, müssen wir unseren Unmut über die sehr schlecht beziehungsweise nicht geräumten Gehwege kundtun.“ Es sei traurig zu sehen, dass ein Wintersport- und Urlaubsort solche Verhältnisse aufweist.

Den Vorwürfen widerspricht Ute Leitner deutlich. „Unser Bauhof ist sehr bemüht, alle gemeindlichen Straßen, Geh- und Wanderwege sorgfältig zu räumen und zu streuen“, betont die Rathaus-Sprecherin. Aufgrund der extremen Witterungsverhältnisse der vergangenen Wochen mit viel Neuschnee und immer wieder wechselnden Temperaturen sei die Arbeit oft erschwert worden. „Jedoch haben wir auf die – sehr vereinzelt – bei uns eingegangenen Beschwerden sofort reagiert und umgehend nachgebessert.“

Dem Markt Garmisch-Partenkirchen ist es nicht möglich, flächendeckend zu kontrollieren, ob alle Haus- und Grundbesitzer ihrer Räum- und Streupflicht zuverlässig nachkommen. Werde man aber auf Versäumnisse an Privatgrundstücken aufmerksam gemacht, „versuchen wir, auch diesen nachzugehen“, sagt Leitner. Oft sei es ihr zufolge beispielsweise bei Mehrfamilienhäusern mit überwiegend Zweitwohnungen nicht ganz einfach, die von der jeweiligen Eigentümergemeinschaft mit dem Räumdienst beauftragten Dienstleister ausfindig zu machen. Wenn das gelingt oder die Hausbesitzer bekannt sind, werden sie unter Androhung einer Ordnungsstrafe schriftlich angemahnt, ihre Pflichten zu erfüllen.

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