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86 Neuzugänge hat die Erstaufnahmeeinrichtung aktuell zu verzeichnen.

Und was passiert künftig mit dem Areal?

Wieder mehr Flüchtlinge im Abrams

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In der Erstaufnahmeeinrichtung in Garmisch-Partenkirchen sind vor Kurzem 86 neue Asylbewerber eingezogen. Ihre Zahl liegt nun wieder über 200. Damit erhält der Markt offenbar so schnell keinen Zugriff auf das Gelände, das er benötigt, um sich zu entwickeln. 

Landkreis/Garmisch-Partenkirchen– Das Abrams bleibt offenbar noch längere Zeit Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. Nichts deutet darauf hin, dass der Markt Garmisch-Partenkirchen die ehemalige US-Liegenschaft, die sich im Besitz des Bundes befindet, über kurz oder lang für seine Belange nutzen kann. Ein Indiz: Im März schickte die Regierung von Oberbayern wieder mehr Flüchtlinge in die Unterkunft an der Lazarettstraße. Im Landratsamt registrierte man einen Zugang von 85 Männern, Frauen und Kindern. Beherbergte das Abrams im Februar nur noch 116 Flüchtlinge, so schnellte die Zahl für März auf 201 hoch. Der Großteil der Bewohner kommt aus Nigeria, weitere Personen stammen nach Auskunft der Pressestelle der Regierung von Oberbayern „beispielsweise aus Afghanistan“. Ausgelegt ist das Abrams auf mehr als 300 Asylbewerber. Den höchsten Stand registrierte die Landkreisbehörde im Februar 2016 – auf dem Scheitelpunkt der Flüchtlingswelle –, als 310 im Abrams lebten.

Abrams-Zukunft weiter ungewiss

Der Anstieg, für die Regierung von Oberbayern nichts Ungewöhnliches. „Die Belegung der Erstaufnahmeeinrichtung Oberbayern weist naturgemäß Schwankungen auf, die insbesondere auf das jeweilige Zugangsgeschehen zurückzuführen sind. Dies gilt, ebenso wie für alle anderen Dependancen, auch für Garmisch-Partenkirchen. Deshalb sind Zahlen zu einem bestimmten Stichtag nur bedingt aussagekräftig“, teilt Dr. Martin Nell, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, mit. Der unerwartete Zustrom ist ungewöhnlich, weil nicht so recht erklärbar. Insgesamt sind Nell zufolge im ersten Quartal 2018 etwa 2750 Personen im Ankunftszentrum München angekommen. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2017 waren es etwa 2700 gewesen. „Im Ankunftszentrum bleiben Asylsuchende grundsätzlich nur sehr kurze Zeit, um anhand bestimmter Verteilungsschlüssel zu entscheiden, ob sie in Oberbayern bleiben oder in andere bayerische Regierungsbezirke oder in andere Bundesländer weitergeleitet werden“, erklärt Nell. Die meisten Bewohner, die derzeit im Abrams leben, waren zuvor im Ankunftszentrum untergebracht. „Verlegungen aus anderen Unterkünften stellen eine Ausnahme dar, die beispielsweise notwendig werden kann, wenn es in einer anderen Unterkunft einen Wasserschaden gibt“, erklärt Nell.

Meierhofer: „Wir hängen völlig in der Luft“

Wie es mit dem Abrams weitergeht, lässt Nell offen. In der Antwort auf die Frage, ob in naher Zukunft mit der Schließung des Abrams zu rechnen ist – als Termine waren schon der 31. Dezember 2017 und der 30. Juni 2018 genannt worden –, verweist er auf die Auskunft, die er dem Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt vor sieben Wochen gegeben hatte. Damals hatte er in der Causa Abrams verlauten lassen. „Über die zukünftige Verwendung ist nach wie vor keine abschließende Entscheidung gefallen. Die beteiligten Behörden stimmen sich derzeit noch miteinander ab. Über die Ergebnisse der Abstimmung wird der Freistaat den Markt Garmisch-Partenkirchen zeitnah informieren.“

Was Sache ist in Sachen Abrams – im Rathaus von Garmisch-Partenkirchen weiß man nichts Genaues. „Wir hängen völlig in der Luft“, sagt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer. Was die ganze Angelegenheit weiter verkompliziert: Mit dem Wechsel im Ministerpräsidentenamt von Horst Seehofer zu Markus Söder haben sich auch die Zuständigkeiten geändert. Das Abrams, zuvor im Sozialministerium angesiedelt, wird nun vom Innenministerium betreut. Als Meierhofer davon Wind bekam, ist sie dort vorstellig geworden und hat per Brief ihre Vorstellungen kundgetan. Der Markt benötigt das Abrams-Areal – für 10 500 Quadratmeter hält die Kommune ein Vorkaufsrecht –, um dort mithilfe der Leifheit-Millionen Hochtechnologie aus dem Bereich Robotik anzusiedeln. Dass dies kein Luftschloss ist, machte Söder in seiner Regierungserklärung am Mittwoch deutlich: „Wir bauen ein Healthcare-Robotik-Zentrum in Garmisch für künstliche Gliedmaßen sowie Assistenten für Pflegebedürftige“, sagte er. Entstehen soll zudem ein Seniorenheim und eine Pflegeschule. Als Standort für Sozialen Wohnungsbau kommt das ehemalige Lazarett ebenfalls infrage. Meierhofer, die häufig nach der Methode „steter Tropfen höhlt den Stein“ verfährt, hat sich zuletzt etwas zurückgenommen. „Die Mitarbeiter im Innenministerium müssen sich erst einmal einarbeiten.“

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