1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Garmisch-Partenkirchen

„Das ist eine große Ehre“: Stück von und über Pierre Brice wird im Kleinen Theater uraufgeführt

Erstellt:

Von: Tanja Brinkmann

Kommentare

Ein Mann hält ein Pferd, auf dem ein anderer Mann sitzt.
Unvergessen: Pierre Brice (l.) als Apachen-Häuptling Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand. © dpa

Pierre Brice erlebt ein Comeback – posthum. Im Kleinen Theater wird das Stück, an dem der legendäre Winnetou-Darsteller bis zu seinem Tod gearbeitet hat, uraufgeführt. Die Junior-Direktoren Tatjana Pokorny und Matthias Weckmann feilen mit seiner Witwe Hella Brice gerade an der Umsetzung.

Garmisch-Partenkirchen – Er war ihr Fünf-Sterne-Mann. Einer, zu dem Tatjana Pokorny eine Herzensverbindung hatte. „Einen guten Freund und wundervollen Menschen“ nennt sie Pierre Brice. Die Nachricht von seinem Tod im Alter von 86 Jahren hat die Garmisch-Partenkirchnerin, die voller Zuneigung von dem charmanten Franzosen spricht, im Juni 2015 tief getroffen. Doch zugleich empfindet sie es „als echtes Geschenk“, ihn kennengelernt zu haben. Posthum wurde ihr jetzt ein weiteres Geschenk zuteil. Hella Brice, die Witwe des Schauspielers, hat sie gebeten, seine „One Man Show“ auf die Bühne zu bringen. „Das ist natürlich eine große Ehre“, betont die Juniordirektorin des Kleinen Theaters.

Kein anderer Darsteller kann Pierre Brice spielen

An dem Stück hatte Brice, der legendäre Winnetou-Darsteller, noch zu Lebzeiten geschrieben. „Drei Szenen sind fertig“, sagt seine Frau. In einer ist er mit Karl May, in der nächsten mit ihr und in der dritten mit einer Journalistin im Gespräch. Daraus und aus zahlreichen Notizbüchern, in denen der Schauspieler seine Ideen festhielt, entwickelt Pokornys Mann Matthias Weckmann jetzt ein abendfüllendes Programm. „Er hat super Ideen“, lobt Hella Brice. Klar ist schon einmal, dass kein anderer Darsteller in die Rolle des Franzosen schlüpft. „Das wäre eigenartig“, meint seine Frau. Stattdessen wird mit einem Schattenspiel gearbeitet, für das eigens eine Maske von Brice als Winnetou angefertigt wird. Nachdem die gebürtige Ambergerin neben den Notizen jede Menge Kassetten, von Pierre Brice persönlich besprochen, fand, erklingen im Kleinen Theater auf alle Fälle seine Worte. „Er hat französisch diktiert, wir lassen also seine Stimme im Hintergrund laufen und vorne auf der Bühne übersetzt jemand.“

Eine Frau hockt vor einem vollen Regal.
Ordnet den Nachlass ihres Mannes: Dabei ist Hella Brice auf die „One Man Show“ gestoßen. © Maria Zsolnay

Das Projekt ist der 71-Jährigen ein Herzensanliegen. Auch, dass es in Garmisch-Partenkirchen zum Leben erweckt wird. In der Marktgemeinde wollten sie und die Liebe ihres Lebens, mit der sie 40 wundervolle Jahre verbracht hat, schließlich ihren Ruhestand genießen. In einem Haus mit ihren Drillingsschwestern und deren Männern. Lange währte dieses Miteinander nicht, viel zu früh starb Pierre Brice, der als Pierre Louis Baron Le Bris das Licht der Welt erblickt hatte. Der Bezug zum Werdenfelser Land besteht seit den 1970er Jahren, als Hella Brices Schwester Huberta „Hummy“ mit ihrem Mann Hubert Wisgickl nach Garmisch-Partenkirchen zog, wo dieser am St.-Irmengard-Gymnasium unterrichtete. „Mein Mann und ich waren hier sehr glücklich“, sagt Hella Brice. Auch die enge Verbindung zu Tatjana Pokorny – „sie gehört zur Familie“ – trug dazu bei.

Ein Mann hält eine Frau im Arm.
Auf der Bühne hat Tatjana Pokorny mehrere Jahre mit ihrem „Fünf-Sterne-Mann“ Pierre Brice gespielt. © privat

Die Juniordirektorin des Kleinen Theaters, die 1999 unter der Regie von Pierre Brice die Hiladini, die weibliche Hauptrolle bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg, verkörperte, hatte mit ihrem berühmten Kollegen schon große Pläne geschmiedet. „Pierre wollte wieder mit mir spielen“, sagt sie. Dass die beiden auf der Bühne perfekt harmonieren, hat sich im „Fünf-Sterne-Mann“ gezeigt. Einem Stück, das über mehrere Jahre in Deutschland. Österreich und der Schweiz zu sehen war. Daraus, wieder gemeinsam Theater zu spielen, wurde nichts. „Es ist aber schön, dass wir seinen Wunsch posthum umsetzen können“, findet Pokorny. „Vor allem, dass wir unseren Zuschauern den Menschen Pierre Brice näher bringen können.“

Winnetou-Filme haben den Franzosen stark geprägt

Daran liegt auch Hella Brice, die gerade alles neu entdeckt, was sie in den 40 gemeinsamen Jahren mit ihrem Mann erlebt hat. Logisch, dass die Winnetou-Filme – von 1962 bis 1968 war Brice in insgesamt elf Karl-May-Streifen zu sehen – dabei einen breiten Raum einnehmen. Dadurch wurde er in Deutschland zum Star. Der Apachen-Häuptling „hat ihn geprägt und war für ihn ein großes Vorbild“, betont Hella Brice. Dessen Werte Gerechtigkeit, Frieden, Gleichberechtigung und vor allem Demut habe ihr Mann gelebt. Das zeigt sich an seinem sozialen Engagement, insbesondere durch seine Tätigkeit als UNICEF-Botschafter. Spektakulär war 1995 sein Hilfskonvoi nach Bosnien, den er persönlich anführte und der ihn durch teilweise noch umkämpftes Gebiet führte. Auch Sri Lanka unterstützte er nach dem katastrophalen Tsunami 2004. „Das war ihm ein tiefstes Bedürfnis“, sagt seine Frau.

Private Einblicke verspricht sie ebenfalls in dem Stück, das im Kleinen Theater auf die Bühne kommt. Brices Anhänger – „er hat eine Riesen-Fangemeinde“ – müssen sich allerdings noch etwas gedulden. Die Premiere setzt Pokorny erst für 2022 an, wenn hoffentlich das kulturelle Leben wieder unter Normalbedingungen stattfinden kann. „Noch stehen wir am Anfang“, sagt Hella Brice, „machen aber schon ein bisschen neugierig.“

Auch interessant

Kommentare