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Harsche Kritik an Revierleiter: Wintergatter für Wild stehe offen, Zäune seien kaputt, Wanderer laufen hinein

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Von: Alexander Kraus

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Heikles Thema: Dieses
Heikles Thema: Dieses © , das der Verein „Wildes Bayern“ vorgelegt hat, soll das offene Wintergatter am Kramer zeigen. Foto: Verein „Wildes Bayern“

Wintergatter sollen dem Rotwild helfen, im Bergwald durch den Winter zu kommen. Der Verein „Wildes Bayern“ übt harsche Kritik am Revierleiter des Areals Almhütte. Die Vorwürfe: Zäune seien kaputt, das Gatter stehe offen, Wanderer würden vom Kramerplateauweg einfach hineinlaufen.

Garmisch-Partenkirchen – Gegensätzlicher könnten die Meinungen nicht sein: In einer Pressemitteilung moniert der Verein „Wildes Bayern“ massiv die Zustände am Wintergatter im Bereich der Almhütte am Kramer. Dort sind nach Informationen des Zusammenschlusses von Tier- und Umweltschützern die Tore tagelang offen gestanden. Es hätten sich Bäume in den Zäunen verfangen – und Wanderer spazierten durchs Gatter.

Markus Achhammer, Leiter des zuständigen Staatsforstbetriebs Oberammergau, dementiert die angeblichen Missstände. Er bittet vielmehr darum, „unnötige Störungen des Wildes zu vermeiden, auf den offiziellen Wanderwegen zu bleiben und die zahlreichen Schilder zum Vertretungsverbot des umzäunten Gatterbereiches zu beachten“.

Rotwild wird bis zum Wintereinbruch ins Gatter gelockt - dann wird es verschlossen

Wintergatter wie im Bereich der Almhütte bei Garmisch-Partenkirchen werden bis zum Wintereinbruch offen gehalten, das Rotwild gezielt mit Futter hineingelockt. „Spätestens ab Weihnachten werden die Tore dann verschlossen, das Wild mit artgerechtem Futter über die kalte Jahreszeit gebracht“, erklärt Dr. Christine Miller. Nach Meinung der Vorsitzenden der Organisation „Wildes Bayern“ sollen die Wintergatter – die Staatsforsten betreiben im Landkreis acht dieser umzäunten Bereiche – dabei helfen, Rotwild im Bergwald artgerecht durch den Winter zu bringen, weil ihm natürliche Lebensräume und Nahrungsreserven fehlen. „Am Kramer gammelt das Wintergatter Almhütte mit offenen Toren und Bäumen im Zaun vor sich hin“, kritisiert Miller, der nach eigenen Angaben Beweisfotos vorliegen. Darauf seien geöffnete Eingänge, kaputte Zäune und Wanderer in dem Schutzgebiet zu sehen. Der Leiter des Forstbetriebs Oberammergau habe offenbar wenig Ahnung, was in seinem Betrieb vor sich gehe, sagt die Vorsitzende.

Achhammer kontert: „Das Gatter ist natürlich jetzt geschlossen. Leider mussten wir pandemiebedingt unsere beiden Rotwild-Schaufütterung Almhütte und Schattenwald schon zwei Jahre in Folge geschlossen halten.“ Der Revierleiter lässt jedoch offen, ob das Gatter zwischenzeitlich geöffnet war, was ihm Miller vorwirft. Das Areal Almhütte sei jedenfalls vor dem weihnachtlichen Wärmeeinbruch geschlossen worden, sagt er. „Zwecks Besucherlenkung, wirksamer Betretungsverbote und somit Schutz von Wildtieren vor unnötigen Störungen sind wir mit unseren örtlichen Ansprechpartnern und Behörden im ständigen Kontakt.“ Jetzt stehen Aufräumarbeiten an: „Nach dem Sturm vom vergangenen Wochenende müssen vier Bäume beseitigt werden, Wild kann und will aktuell nicht aus dem Gatter“, versichert er.

Wintergatter dürfen unter gar keinen Umständen betreten werden

Vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gibt es klare Ansagen: „Wintergatter sollten im Hinblick auf das Ruhebedürfnis von Rotwild von Wanderern nicht betreten werden“, sagt Sprecher Simon Springer. Um Störungen zu vermeiden, könne das Betretungsrecht behördlich eingeschränkt werden. Dem schließt sich Achhammer an: „Der Durchgang ist verboten und so auch an vielen Stellen beschildert.“ Springer konkretisiert die Vorgaben: „Das Jagdrecht sieht lediglich eine Verpflichtung des Revierinhabers vor, in der Notzeit für eine angemessene Wildfütterung zu sorgen und die dazu erforderlichen Fütterungsanlagen zu unterhalten.“ Es stehe ihm frei, ob er so sogenannte „offene Fütterung“ mache oder im Rahmen des Wintergatters Nahrung anbiete, das auch der Notzeitfütterung dient.

Die in der Pressemitteilung angeführten Fotos sind dem Revierleiter nicht bekannt, er weiß nur etwas über einen Blog vom 7. Februar. „Dazu sei erwähnt, dass die Fotos ohne klaren Quellenbezug und zum Teil doppelt eingestellt wurden.“ Bei einzelnen Bildern fehle jegliche räumliche und zeitliche Zuordnung zum Wintergatter Almhütte, argumentiert Achhammer. Ein weiteres Bild zeige eine Person außerhalb des Wintergatters, in Sichtweite zum Kramerplateauweg und somit in Ausübung des freien Betretungsrechts. Die Person sei einer roten Pfeil- oder Punkt-Markierung gefolgt, die Unbekannten angebracht hätten, vermutet der Forstbetriebsleiter.

Ein weiterer Missstand, den „Wildes Bayern“ anprangert, betrifft das im Almhütten-Umgriff erlegte Rotwild. Die Vorsitzende beruft sich auf Zeugenaussagen, die Kirrhaufen in der Nähe der offenen Gattertore gesehen haben. „Hier wurde also versucht, Rotwild anzulocken, um es zu erlegen – vielleicht auch Rotwild, das schon im Gatter drin war?“

Laut Markus Achhammer sind diese Lockfütterungen in dieser Weise gar nicht möglich gewesen: „Rotwild kann jetzt weiter über die Einsprünge ins Gatter, aber nicht mehr raus“, sagt er zur Situation nach Weihnachten. „Jagdrechtliche Aspekte im Kontext mit den in Betrieb befindlichen Wintergattern werden beachtet“, fügt Achhammer hinzu, im Umkreis von 200 Metern zur Fütterung sei die Jagd verboten.

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