Die Einfahrt zum US-Hotel Edelweiss Lodge & Resort in Garmisch-Partenkirchen
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Welche Regeln gelten hinter den Schranken? Niemand weiß es so genau bei den Einrichtungen der US-Streitkräfte...

Anonymes Schreiben als Warnung: „Stoppt diese Idioten!“

Wirbel um Thanksgiving im US-Hotel: Feier oder nur Kantinen-Essen?

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Vergessen ist der September noch lange nicht: Damals sorgte eine junge US-Amerikanerin für Wirbel, verstieß gegen die Quarantäne-Auflagen und wurde positiv getestet. Nun gibt es neuen Ärger: Ein anonymer Schreiber aus der US-Gemeinschaft warnt vor der Thanksgiving-Feier, die am 24. November im Edelweiss Lodge & Resort stattfinden soll, sieht der Veranstaltung als großes Risiko.

  • Ein anonymer Schreiber warnt vor den Thanksgiving-Feierlichkeiten bei den US-Amerikanern
  • 60 Menschen pro Stunden sind dort in einem Raum zum Essen eingeladen
  • Kantinen-Paragraf in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung macht das Truthahn-Essen wohl möglich

Garmisch-Partenkirchen – Thanksgiving steht hoch im Kurs bei den US-Amerikanern. Erntedank würde man in Bayern sagen. Am vierten Donnerstag im November wird gefeiert – meistens mit einem Truthahn-Essen.

Auch die Angestellten der US-Streitkräfte in Garmisch-Partenkirchen sollen auf diesen staatlichen Feiertag und das traditionelle Mahl nicht verzichten. Also lädt das Edelweiss Lodge & Resort (ELR) für Dienstag, 24. November, zwischen 11 und 15 Uhr zum Essen ein. In die sogenannte Market Station. So heißt das mediterrane Restaurant in dem Hotel auf dem US-Gelände an der Kreuzeckbahnstraße. „Maximal 60 sitzende Mitarbeiter pro Stunde sind aufgrund der Covid-Sicherheitsbestimmungen zugelassen“, steht im Einladungsschreiben zu dieser „Employee Thanksgiving Celebration“, also der Angestellten-Feier.

60 Mitarbeiter in einem Restaurant – eine Vorstellung, die im deutschen Lockdown light auf den ersten Blick geradezu unvorstellbar erscheint. Dieser Gedanke geht offenbar auch einem oder mehreren Angestellten zu weit. Dem Tagblatt liegt ein anonymer Brief in Englisch vor, der auch an das Rathaus ging. „Stoppt diese Idioten!“, heißt es darin. „Jetzt machen sie wieder ein Super-Spreader-Event. Diese jungen Hotel-Leute haben beim letzten Edelweiss-Zwischenfall bewiesen, dass sie die Situation nicht interessiert.“ Markige Worte. „Wie kann es ELR rechtfertigen, dass 60 Personen in einem Raum essen und Alkohol trinken, in engem Kontakt stehen und alle Regeln der USAG und alle deutschen Gesetze brechen?“, fragt der Schreiber. Das sei eine „sehr gefährliche“ Aktion. „Da muss man die Leitung des Hotels und der Garrison infrage stellen.“

Eine Feier? US-Streitkräfte reagieren überrascht auf Tagblatt-Anfrage

Die Verantwortlichen der US-Streitkräfte reagieren überrascht auf die Tagblatt-Anfrage, was es mit der Veranstaltung auf sich habe. „Die Edelweiss Lodge & Resort ist zur Zeit, wie jedes andere Hotel auch, für touristische Zwecke geschlossen und somit auch die Restaurants“, teilt Andrea Griesser mit, die Sprecherin der USAG Garrison in Garmisch-Partenkirchen. Sie betont aber: „Allerdings müssen die verbleibenden Angestellten ja auch versorgt werden.“ Der Hoteldirektor habe ihr im persönlichen Gespräch versichert, dass alle Corona-Regeln wie das Desinfizieren der Hände oder das Tragen von Masken berücksichtigt werden. „Wir bieten unseren Mitarbeitern lediglich ein Thanksgiving-Essen an. Die Tische sind ausreichend voneinander entfernt und wir verfügen über zusätzliches Personal, um sicherzustellen, dass das Personal alle Covid-bezogenen Maßnahmen befolgt“, lässt Hoteldirektor Brian Borda über die Pressesprecherin ausrichten.

Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch reagiert nicht weniger irritiert. „Was soll ich da machen“, sagt sie, „ich habe keine Handhabe in dieser Sache.“ Auch ihr gefällt der Gedanke nicht, dass sich die Angestellten des US-Hotels zu einer internen Feier treffen. Vor allem nicht nach den Vorfällen vom September, als eine junge US-Amerikanerin, Mitarbeiterin im US-Hotel, gegen ihre Quarantäne-Auflagen verstoßen hatte. Damals hatte es mehr als 20 Positiv-Fälle unter den Angestellten gegeben. Koch geht davon aus, „dass unsere US-amerikanischen Freunde ebenso wie wir auf das Penibelste darauf achten, die Covid-Regeln einzuhalten.“

Kantinen-Paragraf als Schlupfloch in der Feier-Frage im US-Hotel

Darauf baut man auch im Gesundheitsamt. Wie genau die rechtliche Lage ist, können die Experten in der Kreisbehörde auch wenige Monate nach dem ersten Zwischenfall mit den US-Streitkräften nicht beantworten. „Ob die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung dort gilt, kann ich nicht mit letzter Sicherheit sagen“, betont Pressemann Stephan Scharf nach Rücksprache mit den beteiligten Stellen. Doch selbst wenn sie Anwendung finden würde, gibt es wohl einen Paragrafen, der das Thanksgiving-Essen ermöglicht. In Paragraf 13 Absatz 3 ist der Betrieb von nicht öffentlich zugänglichen Kantinen mit einem entsprechenden Hygienekonzept erlaubt. „Darauf könnten sich die Amerikaner berufen“, sagt Scharf. Tatsächlich zielt Griessers Antwort auch darauf ab: „Es handelt sich einfach um eine Mahlzeit für die Angestellten, wie sie jeden Tag zu Frühstück, Mittagessen und Abendessen stattfindet.“ Dass in der Edelweiss-Lodge gegen geltendes Recht verstoßen wird, das glauben die Behördenvertreter nicht. „Ich denke, dass die Amerikaner aus der Sache damals gelernt haben.“

Eine Überzeugung, die nicht jeder Angestellte dort so verinnerlicht hat. Der anonyme Schreiber hegt große Bedenken: „Sie werden Covid 19 nach außen und innen tragen in einer Zeit, in der das Hotel geschlossen sein sollte.“

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