Musterbeispiel: die Rainenbichl-Siedlung in Oberammergau.
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Musterbeispiel: die Rainenbichl-Siedlung in Oberammergau.

Kontroverse Debatte über Projekt in Burgrain

Wohnungsbau – da scheiden sich die Geister

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Der Markt Garmisch-Partenkirchen braucht dringend bezahlbare Wohnungen – und setzt bei einem Projekt im Ortsteil Burgrain auf einen Privatinvestor als Partner. Doch lassen sich auf diese Weise tatsächlich die erhofften Niedrigmieten realisieren? In der Branche gehen die Meinungen auseinander.

Garmisch-Partenkirchen – Wohnen ist in Garmisch-Partenkirchen ein Luxusgut – und damit in vielerlei Hinsicht ein Standortnachteil. Die Gemeinde will (und muss) gegensteuern – mit einem Wohnbau-Vorhaben in Burgrain. Das Besondere: Der Markt baut nicht selbst, sondern holt sich einen Investor mit ins Boot, dem er das Areal an der Steigfeldstraße per Erbpachtregelung langfristig überlässt. Dieser soll die Wohnanlage – im Gespräch sind rund 40 Unterkünfte – errichten und betreiben.

Projektentwickler glaubt nicht an Niedrigmieten

Der Bau- und Umweltausschuss gab erst kürzlich grünes Licht für eine entsprechende Ausschreibung. Die Ziele sind ambitioniert: Denn mithilfe von staatlichen Förderungen sollen Kaltmieten zwischen fünf bis maximal sieben Euro pro Quadratmeter herausspringen – was für Garmisch-Partenkirchner Verhältnisse ausgesprochen günstig wäre.

Die Bestrebungen werden in der Branche sehr genau verfolgt – und kontrovers beurteilt. Zu den Kritikern zählt der Projektentwickler Hubertus Johannes Theissen, der sich mit einem „öffentlichen Brief“ an die Redaktion gewandt hat. Seine Prognose fällt düster aus: „Das funktioniert nicht. Das sind Schäume und Träume“, sagt er auf Nachfrage. Der 68-Jährige kennt sich im Immobiliengeschäft aus. Sein Unternehmen (Dr. Theissen GmbH) mit Hauptsitz in Münster ist in ganz Deutschland aktiv, eine Niederlassung befindet sich im Kreisort. Hier hat Theissen auch seinen Zweitwohnsitz. „Garmisch-Partenkirchen liegt mir sehr am Herzen“, betont er.

Sein Ratschlag an die Gemeinde: Hände weg von dem geplanten Investoren-Modell. „Der Bauträger geht in die Knie“, befürchtet Theissen – und hinterlasse im schlimmsten Fall eine „Wohnruine“. Denn aufgrund der vielen Auflagen und Vorgaben, so sein Argument, sei ein Privatinvestor trotz Unterstützung der öffentlichen Hand gar nicht dazu in der Lage, so zu bauen, dass sich am Ende die gewünschten Niedrigmieten realisieren lassen und obendrein noch eine Rendite erwirtschaftet wird. „Bauen ist unwahrscheinlich teuer geworden“, gibt er zu bedenken. Außerdem verschlinge der Unterhalt solcher Objekte eine Menge Geld.

Dem Unternehmer ist aber bewusst, dass in dem Tourismusort Handlungsbedarf besteht. Sein Vorschlag: Der Markt sollte die Sache doch lieber selbst in die Hand nehmen – eine Idee, die in der Ortspolitik bereits vorgeschlagen wurde, aber keine Mehrheit fand. „Das ist das Beste. Die Gemeinde hat dann ein Auge darauf“, findet Theissen. Das Ganze wäre zwar ein Zuschussgeschäft. Aber im Gegenzug könnte man die Zweitwohnungssteuer erhöhen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren.

Staatliche Förderungen

Doch es gibt auch die entgegengesetzte Position: Florian Graf von Deym, Geschäftsführer der Graf von Deym’schen Immobilien GmbH (Weßling), tritt den Beweis an, dass sich soziale Verantwortung und Profitstreben nicht im Wege stehen müssen. Sein Familienbetrieb hat nämlich ein Geschäftsmodell entwickelt, das staatliche Hilfen wie Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen abschöpft, um Quartiere zu schaffen, die sich auch diejenigen leisten können, die über kein dickes Bankkonto verfügen. Zum Tragen kommt dabei das Programm zur einkommensorientierten Förderung, kurz EOF genannt. Die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Baukosten seien eine „Herausforderung“, räumt von Deym ein, der 2020 zu Gast im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat war. Entscheidend bei dieser Form der Investition sei ein langfristiger Horizont. Wer auf einen schnellen Gewinn spekuliere, sei fehl am Platz. Für das Burgrain-Projekt signalisiert von Deym schon mal Interesse: „Das könnten wir uns gut vorstellen.“

Eine vielbeachtete Mustersiedlung zog seine Firma in Oberammergau hoch: Es handelt sich dabei um die 2012 und 2015 bezogenen Mehrgenerationen-Wohnungen am Rainenbichl. Die Mieter zahlen dort nach Abzug der Finanzspritzen im Schnitt 4,63 Euro pro Quadratmeter (kalt). Wer bei diesen Konditionen Holzklasse erwartet, ist schief gewickelt. „Das ist moderner Neubau-Standard“, berichtet von Deym. Dazu zählen Fußbodenheizungen, Balkone beziehungsweise Terrassen sowie Barrierefreiheit. Und den Bewohnern stehen sogar Extras wie Gemeinschaftsräume zur Verfügung.

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