Ein erster Entwurf: So könnte das Wohnbauprojekt in Burgrain aussehen. Die Skizze stammt von einem Münchner Architekturbüro.
+
Ein erster Entwurf: So könnte das Wohnbauprojekt in Burgrain aussehen. Die Skizze stammt von einem Münchner Architekturbüro.

Bezahlbare Mieten in Burgrain

Wohnungsbau: Markt Garmisch-Partenkirchen setzt auf Investor

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
    schließen

Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen geht neue Wege, um im Ortsteil Burgrain bezahlbaren Wohnraum zu schaffen: Sie möchte nicht selbst bauen, sondern sich einen Privatinvestor als Partner suchen. Staatliche Zuschüsse sollen dabei helfen, günstige Mietpreise anbieten zu können. Der Bau- und Umweltausschuss gab jetzt grünes Licht für eine Ausschreibung.

Garmisch-Partenkirchen – Das Dilemma ist bestens bekannt – und beschäftigt seit längerer Zeit die Ortspolitik: Im hochpreisigen Tourismusort Garmisch-Partenkirchen sind bezahlbare Mietwohnungen absolute Mangelware. Der Markt möchte daher ein Wohnbauprojekt in Burgrain umsetzen – auf einem gemeindeeigenen Areal an der Steigfeldstraße. Ein Entwurf eines Architekturbüros, das bei einem Realisierungswettbewerb für kommunalen Wohnungsbau als Sieger hervorging, liegt bereits vor. Nun will der Markt endlich Nägel mit Köpfen machen und das Vorhaben anpacken.

Das Besondere dabei: Die Kommune tritt nicht selbst als Bauherrin auf, sondern holt sich einen Investor mit ins Boot, dem sie das besagte Grundstück per Erbpachtregelung langfristig überlässt. Dieser soll dann die Wohnanlage – im Gespräch sind rund 40 Unterkünfte – errichten und betreiben. Der Bau- und Umweltausschuss stimmte dieser Vorgehensweise mit einer 6:3-Mehrheit zu. Nun soll im Zuge einer Ausschreibung ein geeigneter Finanzier gefunden werden.

Die spannende Frage lautet: Ist dieser überhaupt dazu in der Lage, Wohnungen hochzuziehen, die sich auch Menschen mit einem kleinen Einkommen leisten können? Die Verwaltung meint: Ja. „Das ist das bessere Konzept für alle Beteiligten“, erklärte in der Sitzung der stellvertretende Bauamtsleiter Markus Gehrle-Neff. Dies hätten auch Gespräche mit der Regierung von Oberbayern ergeben.

Bessere Zuschuss-Situation

Der Grund liegt an der offenbar besseren Zuschuss-Situation. Laut einer Gegenüberstellung aus dem Rathaus kann ein privater Betreiber dank der einkommensorientierten Wohnraumförderung (EOF) eine Kaltmiete von fünf bis maximal sieben Euro pro Quadratmeter anbieten – für Garmisch-Partenkirchner Verhältnisse ein Schnäppchen. Würde hingegen die Marktgemeinde das Ganze selbst in die Hand nehmen, käme mit der kommunalen Wohnraumförderung ein etwas höherer Tarif zustande. Die Rede ist von mindestens sieben Euro.

Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) warb eindringlich für das Investorenmodell, denn: „Wir wollen so schnell wie möglich bezahlbaren Wohnraum.“ Die Rathaus-Chefin machte deutlich, dass die Verwaltung mit den laufenden und anstehenden Projekten – dazu zählen etwa die Schulsanierungen – bereits bestens ausgelastet sei. Und der Wohnungsbau sei nicht das „Kerngeschäft“ des Marktes. Dies sieht auch Gehrle-Neff so: „Wir haben andere Schwerpunkte.“

Ein möglicher Interessent, in Burgrain aktiv zu werden, wurde vergangenes Jahr im Gemeinderat vorstellig: Die Graf von Deym’schen Immobilien GmbH hat sich auf die Schaffung von geförderten Mietwohnungen spezialisiert. Ein Geschäftsmodell, das anscheinend gut funktioniert und profitabel ist, wie eine Mustersiedlung in Oberammergau zeigt.

Keine Mehrheit für SPD-Vorstoß

Im Bauausschuss wurden dennoch Stimmen laut, die sich für ein kommunales Eigenprojekt aussprachen: „Ich will, dass der Markt baut“, forderte Michael Simon. Für einen entsprechenden Antrag fand jedoch der SPD-Sprecher keine Mehrheit. Er warnte: „Wir geben das Ganze aus der Hand und können die Wohnungen nicht selbst belegen.“ In der Tat hat die Gemeinde bei der Investoren-Lösung nur ein so genanntes Benennungsrecht. Das heißt: Sie kann lediglich Vorschläge machen, wer in die Quartiere einziehen darf.

Grünen-Gemeinderat Dr. Rainer Steinbrecher machte sich in diesem Zusammenhang für die Gründung einer kommunalen Wohnbaugesellschaft stark, die die Gemeinde-Wohnungen verwaltet, instand hält und bewirtschaftet – eine Idee, für die SPD und Grüne eintreten. In anderen Orten ist das üblich“, argumentierte Steinbrecher. Laut Koch werde die Sache geprüft. Doch: „So einfach ist das nicht.“ Es müssten zuerst viele Fragen geklärt werden. Dabei gehe es etwa um die Bewertung der Immobilien sowie um die passende Betriebsform.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare