Eine Frau lehnt an einem Pferd.
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Den Ausverkauf der Heimat thematisiert Nicola Förg in ihrem zwölften Alpen-Krimi.

Wohnungssuche kann tödlich sein

„Böse Häuser“: Neuer Alpen-Krimi von Nicola Förg erscheint - Werdenfelser Kommissarin ermittelt im Allgäu

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Den Ausverkauf der Heimat thematisiert Nicola Förg in ihrem zwölften Alpen-Krimi „Böse Häuser“. Das Buch ist ein Crossover zwischen ihren beiden Erfolgsserien.

  • Kommissarin Irmi Mangold findet in Nicola Förgs neuem Alpen-Krimi bei ihrem Maklertermin kein neues Haus, sondern einen Toten.
  • Die Autorin schickt ihre Garmisch-Partenkirchner Ermittlerin mit dem brummigen Allgäuer Gerhard Weinzirl auf Spurensuche.
  • „Total frustrierend“ findet Nicola Förg, dass sie ihr Buch wegen des Corona-Lockdowns nicht öffentlich präsentieren darf.

Garmisch-Partenkirchen – Wer in Garmisch-Partenkirchen und Umgebung eine Wohnung sucht, tut sich schon schwer. Wer gar von einem Eigenheim träumt, am besten einem Haus mit großem Garten, wagt sich an das schier Unmögliche. Zum einen gibt es immer weniger Objekte. Zum anderen werden die, die noch auf den Markt kommen, für Unsummen, fast Fantasiepreise, verkauft. Vor diesem Dilemma steht auch Irmi Mangold.

Eigentlich möchte die Kommissarin gerne im Landkreis bleiben. In einem Haus mit Seele, wie es der Bauernhof in Schwaigen ist, auf dem sie aufgewachsen ist und bis vor Kurzem mit ihrem Bruder gelebt hat. Nachdem der aber geheiratet und Irmi mit Kriminaltechniker Fridtjof Hase ihr privates Glück gefunden hat, macht sie sich mit ihm auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Kein leichtes Unterfangen. Die Kommissarin ist sogar gezwungen, sich am Auerberg, an der Grenze zwischen Oberbayern und Schwaben umzuschauen. Fündig wird sie. Es ist aber kein passendes Haus, das sie entdeckt, sondern ein Toter. Der Besitzer eines Autohauses für Nobelkarossen, der sich wie sie für den allein stehenden Bauernhof interessiert, fällt zu Boden. Mit Hilfe einer Drohne wurde er erschossen. Und schon steckt Irmi mittendrin in den Ermittlungen – ausnahmsweise nicht an der Seite der überschäumenden Kathi Reindl, mit der sie seit elf Jahren bei der Kripo in Garmisch-Partenkirchen zusammenarbeitet. Stattdessen begibt sie sich mit dem brummigen Gerhard Weinzirl, einem echten Allgäuer, auf Spurensuche.

Nicola Förg spielt mit den Gegensätzen zwischen Oberbayern und Allgäuern

In ihrem zwölften Alpen-Krimi „Böse Häuser“, der am Montag, 1. März, erscheint, bringt Nicola Förg die Protagonisten ihrer beiden erfolgreichen Krimi-Reihen zusammen. Ein Crossover sozusagen. „Viele Weinzirl-Fans haben nachgefragt, wann wieder etwas erscheint“, sagt die Autorin, die mit Pferden und anderen Tieren auf einem Hof in Prem (Landkreis Weilheim-Schongau) lebt. Nachdem sie aber nicht jedes Jahr zwei Bücher schreiben kann, hat sie mit Erlaubnis der Verlage ihre beliebten Ermittler – „für mich ist es ein Geschenk, dass die Serien über einen so langen Zeitraum so gut laufen“ – erstmals in einem Fall verbunden. Ein Unterfangen, das durchaus seine Tücken hatte. „Die beiden mussten erst einmal eine Kommunikationsebene finden und sich aneinander gewöhnen“, erzählt Förg. Passend dazu spielt sie stark mit den Gegensätzen zwischen Oberbayern und Allgäuern. Damit kennt sie sich bestens aus, schließlich ist sie in Oberstaufen und Kempten aufgewachsen und hat nach dem Studium in München lange in Bad Bayersoien gelebt. Die Besonderheiten zeigt Förg feinsinnig auf, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. „Allgäuer sind vorsichtige Alemannen, zurückgenommener, wo der Oberbayer eher mal vorprescht“, sagt sie. „Und der Werdenfelserin Irmi geht es wie vielen Oberbayern: Der Gedanke, weiter westwärts zu wohnen, womöglich im Regierungsbezirk Schwaben, ist fast schon anrüchig.“ Geht aber nicht anders, wenn sie ein passendes Haus finden will.

Die Autorin legt mehrere falsche Fährten

Auch in ihrem zwölften Alpen-Krimi greift Förg Themen auf, die ihr am Herzen liegen. Der Flächenverbrauch und der Ausverkauf der Heimat zählen dazu. „Ich finde es eine schlimme Entwicklung, dass sich Städter in einer Region einkaufen, weil sie die Fabelpreise zahlen können, mit der Geschichte und dem, was die Gegend ausmacht, aber nichts am Hut haben.“ So einer ist auch Max Bach, der den Hof verkaufen will, auf dem der Mord passiert. Schnell finden die Kommissare heraus, dass er nicht ist, was er vorgibt. Recherchen in seiner Vergangenheit im Berlin der Nachwendezeit zeigen, dass es etliche Leute gibt, die er gegen sich aufgebracht hat. Das trifft genauso auf den Autohaus-Besitzer und den Makler zu. Wer also sollte mit dem Schuss tatsächlich getroffen werden? Es sind wieder einmal viele Fährten, die Nicola Förg auslegt, um ihre Leser im letzten Moment aber mit einer völlig anderen Wendung zu überraschen.

Darüber spricht die Schriftstellerin normalerweise gerne mit ihren Fans. Die öffentliche Vorstellung des Buchs fällt jedoch coronabedingt ins Wasser. Zum zweiten Mal schon passiert ihr das, auch „Flüsternde Wälder“ im vergangenen Jahr erschien mitten im Lockdown. „Höchst frustrierend“ findet Förg diese Situation. Somit kann sie auch nicht richtig mit dem Buch abschließen, das sie bereits Monate vor dem Erscheinen beim Verlag abgegeben hat. „Ich arbeite ja schon am nächsten Krimi“, sagt sie. Die erneute Auseinandersetzung mit dem Fall, der jetzt in den Buchhandel kommt, fällt derweil wegen der Pandemie flach. Und damit verpasst Förg, wie sie ihre „Bösen Häuser“ in die Öffentlichkeit entlässt.

Der neue Alpen-Krimi

„Böse Häuser“ (320 Seiten im Pendo-Verlag, ISBN: 978-3866124974 ) von Nicola Förg ist ab 1. März für 16 Euro im Buchhandel erhältlich.

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