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Der Übervater, der von seinem Kind nichts mehr wissen will: Ex-Bürgermeister Thomas Schmid.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Das CSB wird 10 - Gründer Schmid hat Kontakt abgebrochen

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Das Christlich Soziale Bündnis wird zehn Jahre alt. Gegründet 2007 vom damaligen Bürgermeister Thomas Schmid als Partei für seinen Machterhalt, muss das CSB seit 2014 ohne seinen Übervater auskommen, der alle Verbindungen abgebrochen hat. Die Abnabelung ist gelungen – manchmal besser, manchmal schlechter.

Garmisch-Partenkirchen – Thomas Schmid, das CSB und Garmisch-Partenkirchen – das war mal so etwas Ähnliches wie eine Liebesgeschichte. Der Bürgermeister, die Gruppierung, die ihm sechs Jahre lang treu ergeben die Macht sicherte, und der Ort, aus dem er stammt, den er zwölf Jahre lang regierte, hegten heiße Gefühle. Diese Liebe ist erkaltet. Sie lässt gar mit eisig beschrieben, mit einer gefühlten Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt. Als Schmid bei der Kommunalwahl 2014 freiwillig auf die Stichwahl gegen Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) verzichtete, weil das Ergebnis des ersten Urnengangs nicht seinen Erwartungen entsprochen hatte, begann die Entfremdung. Schmid wechselte alsbald auf den Posten des Hauptgeschäftsführers der Bayerischer Bauindustrieverband. Er brach in Garmisch-Partenkirchen seine Zelte und verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach München. Seiner Frau soll der Markt schon lange zu eng gewesen sein, behaupten Menschen, die das Paar kennen.

Der Mann, der das CSB in einer schwierigen Zeit übernommen und es wieder ruhiges Fahrwasser geleitet hat: Florian Hilleprandt (M.). 

Aus den Augen aus dem Sinn. Seit 2014 hat sich Schmid bei keiner CSB-Versammlung mehr sehen lassen und auch den Kontakt zu langjährigen Weggefährten wie Florian Hilleprandt, der nach eigenen Worten für ihn „eine Vertrauensperson“ war, abgebrochen. „Ich habe seitdem nie mehr ein Wort von ihm gehört“, sagt Hilleprandt. Blicken lässt sich Schmid ab und an bei den beiden Sport-Großveranstaltungen Neujahrsspringen und alpiner Ski-Weltcup. Meist hält er sich dann im VIP-Bereich auf.

Vor zehn Jahren hatte Schmid das CSB gegründet, nachdem er bei der CSU-Aufstellungsversammlung zur Bürgermeisterwahl 2007 gegen Max Wank unterlegen war. Danach begann eine Schlammschlacht, wie sie das politische Garmisch-Partenkirchen zuvor noch nie erlebt hatte. Da er weder vom Amt, noch viel weniger von der Macht nicht lassen wollte, gründete Ex-Diplomat Schmid kurzerhand das CSB – den Bürgermeisterwahlverein und landete bei den Kommunalwahlen 2008 einen Triumph. Wank hatte keine Chance, Schmid blieb Bürgermeister mit einen starken, auf ihn eingeschworenen Fraktion im Rücken.

Keine Auskünfte von Schmid

Das Christlich Soziale Bündnis, eigentlich Fleisch vom Fleisch der CSU – sogar Christsoziale Gemeinderäte wechselten das Lager und wurden wie Schmidt aus der CSU ausgeschlossen – begeht am Freitag, 6. Oktober, mit einem Törggelenabend das zehnjährige Bestehen. „Das ist ein Grund zu feiern. Auch Schmid ist eingeladen“, sagt Hilleprandt, der jetzt die Fraktion im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat führt. Er glaubt allerdings nicht, „dass er kommt“. Das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt wollte Schmid Gelegenheit geben, seine Sicht der Dinge von damals bis heute zu erzählen. Doch jedwede Kontaktaufnahme per Telefon oder E-Mail scheiterte oder blieb unbeantwortet.

Sprachlosigkeit – eigentlich nicht Schmids Sache. Zwölf Jahre war er eher als Lautsprecher unterwegs und als Mann, der die Öffentlichkeit suchte. Doch diese Reaktion zeigt ebenfalls: Der Ex-Rathaus-Chef, der dank einer stattlichen Mehrheit durchregieren und deshalb zahlreiche Projekte (Schanze, Skigebiet) verwirklichen konnte, hat mit dem CSB gebrochen und das Kapitel Garmisch-Partenkirchen geschlossen.

Nach seinem unheimlich schwachen Abgang 2014 ließ „Übervater“ Schmid eine Fraktion und seine Partei, beide seine Kinder, im luftleeren Raum zurück. Hilleprandt, der den Parteivorsitz übernahm, und ihn im April 2016 an seinen Vize Andreas Wieland abgab, sowie seine zunächst sechs Mitstreiter im Gemeinderat waren ihres Vordenkers verlustig gegangenen und mussten erst einmal mit ihrer neuen Rolle in der Opposition zurechtkommen. „Das haben wir geschafft“, meint Hilleprandt (71). „Wir sind mittlerweile eine ganz normale Partei. Und wir haben eine Daseinsberechtigung, weil wir unsere Kontrollfunktion wahrnehmen und konstruktiv arbeiten.“ Felder, die es noch zu beackern gilt: das Skistadion, das Kongresshaus und GaPa-Tourismus. Die Arbeit, das streitet der Steuerberater gar nicht ab, gestaltet sich allerdings schwieriger als zum Schmids Zeiten. „Die absolute Mehrheit, die wir zusammen mit den Freien Wählern hatten, war schon sehr komfortabel. Aber wir haben uns behauptet.“

Wer geht für das CSB als Bürgermeisterkandidat ins Rennen?

Zweimal Zukunft, einmal Vergangenheit: (v.l.) Alexandra Roos-Teitscheid hat das CSB verlassen, Andreas Wieland und Claudia Zolk führen es.

Krisen blieben allerdings nicht aus. Der Zwist der Alpha-Weibchen Alexandra Roos-Teitscheid, Fraktionsvorsitzende zur Beginn der Sitzungsperiode, und der ehemaligen Zweiten Bürgermeisterin Daniela Bittner, belasteten die Partei massiv. Als Roos-Teitscheid die Fraktion verließ, verlor das CSB ein Polittalent, das nicht wenige als Hoffnungsträger und Bürgermeisterkandidatin für die Kommunalwahl 2020 sahen.

Die Rolle muss jetzt offenbar Claudia Zolk ausfüllen, da Wieland eine Kandidatur für das höchste politische Amt, das Garmisch-Partenkirchen zu vergeben hat, bei seiner 2016 Wahl ausschloss. Das lasse sich mit seinem Beruf nicht vereinbaren, teilte er damals mit. Daran scheint sich nichts geändert zu haben. Wieland, Diplom- Kaufmann, der gemeinsam mit seinem Vater eine Steuerkanzlei betreibt, taucht kaum in der Öffentlichkeit auf. Sein Problem: Er besitzt kein Gemeinderatsmandat, ist vom Informationsfluss abgeschnitten. Offenbar läuft alles auf Zolk (44) als starke Frau zu, da Wirtschaftsexperte Hilleprandt mit dem Ende der Periode im März 2020 anschließend nur zu „beratend“ für das CSB zur Verfügung stehen will. „Allerdings werde ich bis zum Schluss engagiert dabei sein.“ Er bereitet schon jetzt für Zolk, derzeit Stellvertretende Vorsitzende und Vize-Fraktionschefin, das Feld. Er nennt sie „fachlich stark“, sie bringe „Schwung rein“. Die Hochgelobte hingegen stapelt tief. Der Vorstand treffe sich regelmäßig, um ein Wahlprogramm auf die Beine zu stellen. „Über Personen haben wir noch nicht gesprochen.“ Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, als CSB-Bürgermeisterkandidatin anzutreten, antwortet sie ausweichend: „Das lasse ich mir offen.“ Klingt nach weder bestätigen noch dementieren. Klarer wird sie bei der Zahl der Gemeinderatssitze, die man bei der Wahl 2020 anstrebt. „Unser Ziel sind sechs.“

Für Garmisch-Partenkirchner Bürger ist das CSB weiter eine attraktive Gruppierung – auch ohne Schmid. Die Mitgliederzahl hat sich bei rund 190 eingependelt – nach 240 zur Hoch-Zeit. Damit zählt das Christlich Soziale Bündnis eher zu den großen politischen Parteien in der Marktgemeinde. Die SPD und die FDP sind deutlich kleiner. Die CSU liegt bei ungefähr 300.

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