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Auf dem Bahnhofsareal soll das Team-Resort entstehen.

Noch keine Einigung

Zu wenig bezahlbarer Wohnraum, zu wenig Fachkräfte: Darum hadern die Hoteliers trotzdem mit dem Team-Resort

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Bezahlbarer Wohnraum – ein Problem in Garmisch-Partenkirchen. Gerade für die Hotellerie. Franz Hummel will mit seinem Team-Resort am Bahnhof Abhilfe schaffen. 

Garmisch-Partenkirchen – Da beißt sich die Katze in den Schwanz – dieses Bild beschreibt perfekt die Situation der Hotellerie in Garmisch-Partenkirchen. Momentan scheint diese ausweglos. „Unser größtes Problem ist der Fachkräftemangel“, sagt Daniel Schimmer. Der Manager des Garmischer Hofs fungiert seit wenigen Monaten als Ortsobmann des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG). Ein Posten, den zuvor jahrelang Kreisvorsitzende Jutta Griess in Personalunion geschultert hatte. Schimmer hat sich umgehört unter seinen Kollegen, er weiß, womit sie kämpfen müssen. Die ohnehin schwierige Suche nach geeignetem Personal wird gerade in der Marktgemeinde noch komplizierter, da bezahlbarer Wohnraum absolut rar gesät ist. In dem Team-Ressort, das Investor Franz Hummel auf dem Bahnhofsareal errichten will, sehen er und Griess nur bedingt eine Lösung.

„Herr Hummel hat uns seine Pläne vorgestellt“, bestätigt die Senior-Chefin des Rheinischen Hofs. Die Möglichkeiten für Hoteliers und Gastronomen: kaufen oder mieten. „Und zwar immer eine Etage – auf zehn Jahre.“ Für Griess „nicht umsetzbar, da bräuchte ich fast eine Hausverwaltung“. Insbesondere Auszubildende und Teilzeitkräfte könnten sich die Mieten, die sie umlegen müsste, nicht leisten. Auch wenn diese nicht dem marktüblichen Preis entsprechen.

Miete über Löhne verrechnen

„Sie liegen sogar 20 bis 25 Prozent unter dem Schnitt“, betont Andreas Schamberger. Allerdings muss auch Hummels Firma auf die Kosten schauen – „erheblich“ nennt der Prokurist der Unternehmensgruppe die Steigerungen allein in den vergangenen beiden Jahren. „Trotzdem haben wir die Kalkulation ganz eng gehalten, können aber auch nur mit Wasser kochen.“ Er denkt die Kaufoption passt am besten für die Hotellerie – vier bis sechs Einheiten stehen dafür im Raum. Die Miete könnten die Betriebe über die Löhne verrechnen, regt er an. Zudem „ist es möglich, dass sie die Hoteliers zusammenschließen, das müssten sie natürlich selber organisieren.“

Dass diese mit den vorgegebenen Konditionen hadern, ist Schamberger bewusst. Auf Vermittlung von Thorsten Unseld, Kaufmännischer Leiter von GaPa-Tourismus, „wurde das Thema jetzt neu aufgenommen“. Noch liegen ihm aber keine Rückmeldungen vor. Auf die wartet auch Unseld, der die aktuellen Angebote eingeholt und weitergeleitet hat. „Ich kann nur jeden ermutigen, sich das Ganze noch mal detailliert anzuschauen und auf lange Sicht zu prüfen.“ Um qualifizierte Mitarbeiter zu finden und damit die vorhandene Qualität zu sichern, müssten die Rahmenbedingungen stimmen. „Ich halte von dem Team-Resort sehr viel“, sagt Unseld.

Die Nachbarn in Österreich machen’s vor. Da werden immer mehr Mitarbeiterhäuser gebaut. Schaut man ein Jobangebot in einem der Vier-Sterne-Superior-Häuser in der Tiroler Zugspitzarena an, gehören kostenlose Unterkunft und Verpflegung sowie Wellness- und Fitnessmöglichkeiten zum Standard. Konditionen, die die Garmisch-Partenkirchner meist nicht bieten können. „In Österreich gibt es ganz andere Förderungen“, sagt Griess.

Kranzbach-Inhaber zeigt, wie es geht

Dem widerspricht Dr. Jakob Edinger, der beide Seiten kennt. Dem Tourismusexperten gehören „Das Kranzbach“ in Krün und „Der Steirerhof“ im österreichischen Bad Waltersdorf. Den Unterschied zwischen den beiden Ländern machen die Steuern aus. „Da ist Deutschland wesentlich schlechter gestellt“ – und zwar beim Kauf oder Bau eines Mitarbeiterhauses und beim Betrieb. Trotzdem investiert er auch in diesen Bereich. „Die Personalfrage ist für mich die Schlüsselstelle in den nächsten Jahren, deshalb schaffe ich beste Voraussetzungen.“ Qualifizierte Mitarbeiter sind umworben – weltweit. Nachdem vor Ort nicht genügend Fachkräfte zu finden sind, müsse man denen, die teilweise von sehr weit her kommen, mit preisgünstigen Quartieren helfen. Edinger macht’s vor. Direkt an seinem Hotel und in Klais bringt er jeweils 30 Mitarbeiter unter. Für 40 weitere baut er gerade das frühere Hotel Jägerhof in Mittenwald um. Dort lässt er sie zum AOK-Satz – der schlägt für Auszubildende in Einzelunterkünften 196,35 Euro und für andere 231 Euro pro Monat vor – oder weniger wohnen. „Was darüber hinausgeht, zahlen wir“, erklärt Edinger. Aus seiner Sicht bringt’s nämlich nichts, in ein Hotel zu investieren, wenn man dann keine Arbeitskräfte findet.

Dieses Dilemma ist Griess bewusst. „Ich hoffe, dass wir noch zu einer Lösung kommen. Das wäre wichtig.“ In gut einer Woche findet der nächste Jour fix mit ihren Kollegen und GaPa-Tourismus statt, von dem sie sich neue Erkenntnisse verspricht.

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