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Verhältnismäßig wenige Frauen sind in den Gremien vertreten. (Zahlen inklusive der Bürgermeister)

Selbstbewusstsein ist gefragt

Zu wenig Frauenpower: Männer dominieren die Kommunalpolitik

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Männer bestimmen die Kommunalpolitik im Landkreis. In den meisten Gemeinderäte ist das weibliche Geschlecht eher in geringer Zahl vertreten. Drei Orte aber werden von Frauen regiert. Die Bürgermeisterinnen setzen auf ein Erfolgsrezept.

Landkreis – Gisela Kieweg nennt’s eine nette Geschichte. Eine, die Bände spricht. Bad Bayersoiens Bürgermeisterin nahm vor geraumer Zeit einen Termin in München wahr. Fast gleichzeitig mit einem Mann betrat sie den Raum, als die Empfangsdame zu dem ihr unbekannten Herren sagte: „Ach, haben Sie gleich Ihre Sekretärin dabei.“ Heute lacht die Rathauschefin über die Situation, wenngleich sie diese als bedenklich empfindet. „Es sagt doch einiges aus, wenn sogar Frauen automatisch denken, dass Männern die wichtigen Posten vorbehalten sind.“

Nach wie vor ist das weibliche Geschlecht in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert. Im Freistaat sind es nur neun Prozent, die das Bürgermeisterinnenamt ausüben. „Wir sprengen die Quote in Bayern“, sagt Dr. Sigrid Meierhofer süffisant. Mit Kieweg und Aloisia Gastl (Spatzenhausen) gehört die Garmisch-Partenkirchner Gemeindechefin zu den glorreichen Drei im Landkreis. Die Quote: 13,64 Prozent. Ein bisschen höher liegt die des Kreistags. 61 Mitglieder, inklusive Landrat, sitzen im Gremium, darunter neun Frauen (14,75 Prozent). Zu wenig, findet Kieweg. „Ein Irrsinn.“ Unwesentlich besser sieht’s mit der weiblichen Note in den Gemeinderäten aus. Samt Bürgermeistern knackt man mit 19,27 Prozent nicht einmal die 20er-Marke. Schlusslicht ist Wallgau mit null Frauen – zwei haben während der Legislaturperiode ihr Mandat niedergelegt –, Spitzenreiter Murnau (32 Prozent).

Unterschiedliche Meinungen zu Paritätsgesetz

Das Bürgermeisterinnen-Trio hat sich getraut, es mit der Testosteron-Dominanz aufzunehmen. Oft kein einfaches Unterfangen. „Wir haben’s fünfmal so schwer wie Männer“, meint Kieweg. Man werde kritischer beäugt. Das sieht Meierhofer ähnlich: „Als Frau muss man immer die Qualifikation und Kompetenz unter Beweis stellen.“

Das Rollenverständnis scheint bei manchen Männern noch ein sehr konservatives zu sein. Das stellen sie immer fest. Ihre Waffe: Wissen, Wissen und nochmal Wissen. Wenn Frauen darüber verfügen, „das fürchten die Männer“, glaubt Meierhofer.

Lange Zeit war sie überzeugt davon, dass es kein Paritätsgesetz benötige, damit mehr Frauen politische Ämter bekommen. Heute vertritt sie diese Haltung nicht mehr. Weil das andere Geschlecht so lange wie möglich im Amt bleibt. Ihr Meinungsumschwung kommt nicht von ungefähr: Sie verweist auf ihre Partei, die SPD. Seit die Roten paritätisch ihre Listen aufstellen, funktioniert’s. Irgendwelche Quoten erfüllen zu müssen, daran finden ihre Kolleginnen dagegen wenig Gefallen. Ein 50:50-Verhältnis beispielsweise bewertet Gastl als „Schmarrn“. Kieweg outet sich in dieser Sache ebenfalls als Gegner von „vorgeschriebenen Geschichten“. Geht’s nach ihr, müssen sich die Frauen einfach selbst mal trauen, kommunalpolitisch aktiv zu werden. Doch angesichts der Zahlen im Landkreis gleicht die Hemmschwelle eher noch einer Mauer. Kieweg versucht bereits, Frauen für die Arbeit im Soier Gemeinderat zu begeistern. Die Resonanz: zurückhaltend. Für Gastl, die mit ihrer Stellvertreterin Angelika Geißlinger sogar eine weibliche Doppelspitze bildet, ein klarer Fall: „Dann dürfen sie auch nicht jammern.“

Die drei Gemeindechefinnen können nur Mut machen. Sie lieben ihren Job. Ihr Geschlecht würden sie dabei nie als Manko ansehen. Vielmehr sind sie überzeugt, dass sie Vorzüge vorweisen, zum Beispiel ausgleichender ans Werk gehen. Eines aber muss man mitbringen, findet Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin: Selbstbewusstsein. „Sonst bist verratzt.“

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