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Garmisch-Partenkirchen: Zu wenig Personal fürs Impfzentrum

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Von: Christian Fellner

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So, gleich fertig: Kinderkrankenschwester Christiane Kröninger impft Wirtschaftsförderer Oliver Steinbach.
So, gleich fertig: Kinderkrankenschwester Christiane Kröninger impft Wirtschaftsförderer Oliver Steinbach. © Thomas Sehr

Über 50 000 Menschen warten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auf die dritte Corona-Impfdosis. Um dem Ansturm Herr zu werden, sind unter anderem mobile Aktionen in den Gemeinden in Planung.

Garmisch-Partenkirchen – Das Impfen ist die große Herausforderung dieser Tage. Die Politik drängt bisher ungeimpfte Menschen durch erneute Regelverschärfungen immer mehr. Die Freiwilligen stehen vor ihrer dritten Spritze, weil mittlerweile klar ist, dass es für einen optimalen Schutz diese weitere Dosis braucht. Nur, was der Staat nicht bedacht hat:

Wenn diese Flut an Injektionen verabreicht werden soll, dann ist eine gewisse Infrastruktur unabdingbar. Mit der Anordnung, die Impfzentren im Sommer auf 25 Prozent herunterzufahren, haben die politischen Entscheidungsträger den regional Verantwortlichen einen Bärendienst erwiesen. Denn: Nun fehlen Kapazitäten in den Zentren, fühlen sich die Hausärzte im Regen stehen gelassen (siehe Kasten), sind Frust und Ärger groß bei allen Beteiligten rund ums Impfen.

Marcel Hoffmann steht mittendrin im Dilemma. Er ist verantwortlich für das Impfzentrum des Landkreises in Garmisch-Partenkirchen. Sein Team und er dürfen nun Lösungen finden, wie der Berg abgebaut werden kann. Am besten so schnell wie möglich. Welcher Herausforderung das Team gegenübersteht, veranschaulicht Hoffmann durch Zahlen: „Wir haben ungefähr 57 000 Geimpfte im Landkreis, rund 7000 haben ihre Drittimpfung bisher erhalten.“ Das heißt im Umkehrschluss: Noch rund 50 000 Menschen warten auf die dritte Dosis. Und viele wollen sie haben: „Die Nachfrage ist extrem, egal ob über die Hotline in unserem Callcenter oder aber per E-Mail“, sagt der organisatorische Leiter. Doch: Das Impfzentrum kann derzeit nicht die Menge an Impfungen anbieten wie noch im Frühjahr.

Zieht zusammen mit vielen anderen Helfern im Impfzentrum die Spritzen auf: Kathrin Pölt (MFA).
Zieht zusammen mit vielen anderen Helfern im Impfzentrum die Spritzen auf: Kathrin Pölt (MFA). © Thomas Sehr

„Wir schaffen aktuell rund 1000 pro Woche.“ Bei 50 000 zu Impfenden im Landkreis kann man sich leicht ausrechnen, welche Aufgabe bevorsteht. „Selbst wenn wir 2000 pro Woche schaffen könnten, würde das nicht in ein paar Wochen zu machen sein.“ Und dann sollen sich ja auch noch diejenigen die Spritze setzen lassen, die bisher davon Abstand genommen hatten. Das wären rein rechnerisch auch an die 25 000 Bürger über zwölf Jahre in der Region. Aktuell ist das Verhältnis zirka 4:1 – in der Vorwoche kamen auf 180 Erst- und 140 Zweitimpfungen stolze 740 Booster-Spritzen. Ganz geht Hoffmanns Rechnung freilich nicht auf. Denn die bisher rund 57 000 Geimpften im Landkreis haben sich fast exakt 50:50 auf Impfzentrum und Hausärzte aufgeteilt. Letztere leisten aktuell auch den deutlich größeren Anteil an den Auffrischungsinjektionen: Zwei Drittel aller dritten Spritzen setzten bis dato – zu deren Frust – die niedergelassenen Mediziner.

Auf deren Hilfe sind Hoffmann und Co. dringend angewiesen. Denn der Ausbau der Kapazitäten in der Einrichtung am Alpspitz-Wellenbad geht nur zäh voran. „Wir tun alles, um das Impfen voranzubringen“, verspricht Hoffmann. „Aber alles ist abhängig vom Personal.“ Durch die Anordnung des Freistaats, das Zentrum herunterzufahren, sind viele Arbeitskräfte verloren gegangen. Neue zu finden – eine Herkulesaufgabe. „Wir haben keinen Lockdown mehr, viele sind wieder in ihrem Beruf oder haben sich etwas Neues gesucht.“ Noch dazu braucht es für das Impfzentrum medizinisch geschultes Personal. Das Bayerische Rote Kreuz habe zuletzt eine Abfrage unter möglichen Kräften gestartet. Das Resultat: „Von 200 kamen elf Rückmeldungen.“ Hoffmann will versuchen, auch andere Quellen anzuzapfen, aber: „Jeder sucht Personal, es geht ja nicht nur uns so.“

Impfzentrum öffnet mittlerweile auch wieder dienstags und donnerstags

Daher kann er aktuell nicht mehr Impfzeiten anbieten. Immerhin öffnet das Zentrum nun auch wieder dienstags und donnerstags am Vormittag. Ein Lichtblick. Die Frage der Ärzte nach dem Wochenende allerdings muss er noch mit Nein beantworten. „Mit dem vorhandenen Personal können wir das nicht leisten, wir müssen die Mitarbeiter ja auch schützen.“ Woche für Woche wird aktuell ausgelotet, welche Öffnungsmöglichkeiten sich auftun. „Dann ist vielleicht einmal spontan mehr möglich.“ Genaue Prognosen traut sich Hoffmann aber derzeit nicht zu.

Dass die Termine schon jetzt bis Ende Januar vergeben sind, ist ihm bewusst. Dass diese Tatsache für Ärger bei den Menschen sorgt ebenfalls. „Aber wir können nicht mehr tun.“ Eine Aktion werde der Landkreis im Dezember aber wieder ins Leben rufen: Mobile Impfaktionen in den Landkreis-Gemeinden. Die Tour wird aktuell vorbereitet, die Kommunen können sich beim Impfzentrum melden. Noch eine gute Nachricht hat Hoffmann am Ende: Eine Impfstoff-Knappheit gibt es aktuell nicht. „Wir haben sogar extra noch einmal nachbestellt und bekommen die Lieferungen auch.“ Ein wichtiger Schachzug. Denn seit ein paar Tagen ist die Empfehlung zur Drittimpfung für alle ab 18 Jahren offiziell – das erhöht den Druck weiter.

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