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Klima.Faktor.Mensch: (v.l.) Prof. Dr. Harald Kunstmann (Campus Alpin des KIT), Dr. Inga Beck (Umweltforschungsstation Schneefernerhaus), Florian Diepold-Erl (Klimaschutzmanager des Landkreises), Martin Kainz (AELF Weilheim), Dr. Andreas Otto (LfU Bayern) und Landrat Anton Speer betrachten die Ausstellung im Foyer des Landratsamtes.

Die Ampel steht auf Dunkelrot

Experten-Prognose: Zugspitz-Gletscher bis 2030 verschwunden

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Die Botschaft hat gesessen: Beim Klimatag des Landkreises wurde deutlich, dass die derzeitigen Schutzvorkehrungen in puncto Klimawandel nicht reichen. Jetzt sollen die Kommunen tätig werden, weil der Bund seine Ziele nicht erreicht.

Garmisch-Partenkirchen – Mehr heiße Tage, mehr Dürren im Flachland, mehr Niederschläge in den Bergen, verursacht durch einen stetigen Anstieg des Kohlendioxidausstoßes, so lautete die düstere Prognose von Dr. Andreas Otto vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. In seinen Grußworten zum diesjährigen Klimatag des Landkreises wurde deutlich: Der Klimawandel ist messbar und auch in der hiesigen Region bereits vielerorts nachweisbar. Unkalkulierbare Wetterereignisse werden sich in Zukunft häufen, die Winter werden milder, die Sommer nasser – und Bergregionen und somit der Landkreis sind am direktesten betroffen.

Während die Temperaturen im Mittel weltweit um 0,07 Grad im Jahr steigen, ist diese Zahl mit 0,3 Grad im Landkreis deutlich höher. „Der Klimawandel ist keine Glaubensfrage mehr, sondern eine nachweisbare Tatsache“, erklärte auch Prof. Dr. Harald Kunstmann, stellvertretender Institutsleiter der Klimaforschungsstation Campus Alpin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und einer der hochkarätigen Fachreferenten, die im Landratsamt in der Marktgemeinde die neuesten Forschungsergebnisse vorstellten. Es könne zwar immer noch einen harten Winter geben, aber insgesamt sei der Trend eindeutig.

Seit mehr als 60 Jahren messen, untersuchen und bewerten über zehn Forschungseinrichtungen am Schneefernerhaus auf knapp 3000 Metern Höhe, in den 1930er Jahren als Hotel erbaut und heute Forschungsstation mit 16 Schlafräumen und 50 Betten, verschiedenste Wetterdaten. Dr. Inga Beck ist hier im Einsatz, kommt täglich mit einer hauseigenen Forschungs-Seilbahn, für die sie extra einen Gondelführerschein erwerben musste, zu ihrem Arbeitsplatz. Sie gehört zum Betriebsteam des Schneefernerhauses und berichtete über den aktuellen Zustand der drei Zugspitz-Gletscher, die von 300 Hektar im 19. Jahrhundert auf derzeit 39 Hektar zusammengeschmolzen sind. „Wenn es so weitergeht, werden sie bis zum Jahr 2030 wohl ganz verschwunden sein“, prognostizierte sie. Auch der Permafrost, eine gefrorene Gesteinsschicht unter der Erdoberfläche, die wie Kitt die verschiedenen Bodenschichten zusammenhält, werde in absehbarer Zeit auftauen und die Gefahr von Felsabgängen drastisch erhöhen.

Alle Klimasachverständigen, unter ihnen auch Martin Kainz, Forstdirektor im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim, waren sich einig: Die Zeichen stehen auf Dunkelrot. Die derzeitigen Schutzmaßnahmen reichen längst nicht aus, um den allgemeinen Trend umzukehren.

Und weil die Bundesregierung ihre Klimaziele bei Weitem nicht erreicht hat, soll nun das, was auf Bundesebene nicht gelingt, auf kommunaler in Angriff genommen und besser gemacht werden. Deshalb wurden heuer erstmalig nicht nur die Mitglieder des Kreistages zu dem Klimatag in die Marktgemeinde eingeladen, sondern auch die Chefs der Rathäuser. Damit die einzelnen Kommunen auf freiwilliger Basis Maßnahmen zum Klimaschutz selbstständig definieren und dann auch umsetzen.

Die Botschaft ist offensichtlich angekommen, denn unter den etwa 50 Zuhörern der interessanten Vorträge saßen auch etliche Bürgermeister. Künftig will man aktuelle Forschungsergebnisse zugänglicher machen und Daten aus der Region den politischen Entscheidungsträgern, aber auch den Schulen in Form von Plakaten zur Verfügung stellen. Diese sollen zudem die Möglichkeit zu Exkursionen erhalten.

„Garmisch-Partenkirchen möchte bis zum Jahr 2035 von fossilen Energieträgern unabhängig zu sein. Damit setzt sich die Gemeinde ein mutiges und ehrgeiziges Ziel und spielt eine Vorreiterrolle“, sagte Kunstmann am Ende dieser interessanten, aber auch nachdenklich stimmenden Veranstaltung.

Die Wanderausstellung

Klima.Faktor.Mensch des Landesamts für Umwelt Bayern (LfU) ist noch bis zum Mittwoch, 20. Dezember, für Schulklassen ab der sechsten Jahrgangsstufe sowie für alle interessierten Bürger im Foyer des Landratsamtes zu besichtigen.

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