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Bald Vergangenheit? Wenn der Kreistag zustimmt, wird die Schule am Gamsangerweg abgerissen und neu gebaut.  

Kreisausschuss empfiehlt die große Lösung

Zugspitz-Realschule: Mehrheit präferiert Neubau - Kreistag spricht letztes Wort

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Die perfekte Lösung für die Zugspitz-Realschule in Garmisch-Partenkirchen gibt es nicht. Alle Optionen – von Sanierung über Neubau bis hin zu einer Mischvariante – sind mit Nachteilen behaftet. Eine Entscheidung braucht’s trotzdem. 

Landkreis– Jeder bekommt einen Einzeltisch, mit Abstand zum Nachbarn. Auf der einen Seite nehmen die Mitglieder des Schulausschusses Platz, auf der anderen die des Kreisausschusses. Keine Hufeisen-Form wie im Sitzungssaal im Landratsamt. Stattdessen sind die Politiker in der Aula des Werdenfels-Gymnasiums Garmisch-Partenkirchen positioniert wie bei einer Abschlussprüfung. „Die Sitzung“, sagt Landrat Anton Speer, „ist ein Novum.“ Nicht nur wegen des Ortswechsels, sondern auch wegen der Umstände. Wegen Corona. Eigentlich sollten sich derzeit nicht so viele Menschen in einem Raum treffen. Aber Speer erklärt: Die Regierung von Oberbayern und Landtagspräsidentin Ilse Aigner hätten dringend dazu geraten, den Haushalt für 2020 auf den Weg zu bringen. Um das zu tun, muss aber die Zukunft der Zugspitz-Realschule geregelt sein. Deshalb fassen beide Gremien nach intensiver Diskussion einen Grundsatzbeschluss – für den Neubau.

Dabei riecht es in der Sitzung lange Zeit nach einer anderen Entscheidung. Martin Aichner vom beauftragten Architekturbüro stellt die Ergebnisse der vergleichende Untersuchung von Generalsanierung und Neubau vor. An Problemen scheitert es im Bestandsgebäude nicht. Ein Großteil der Bauteile, sagt der Experte, „hat das Ende der Lebenszeit erreicht“. Zum Beispiel die Fluchtbalkone. Deren Substanz – nicht zu erhalten. Die gute Nachricht dabei: Ein Rettungsweg könnte auch im Innenbereich geschaffen werden. Die Tiefgarage weist ebenfalls Mängel auf. Sie ist undicht, eine Sanierung unvermeidlich, aber machbar. Hinzu kommen räumliche Schwierigkeiten oder die fehlende Barrierefreiheit. Aichner erklärt genau, was möglich ist und was nicht. Sein Fazit: „Es gibt Pros für die Sanierung, aber auch Punkte, bei denen einen Neubau besser dasteht.“

Architekt empfiehlt weder Sanierung noch Neubau

Statt einer der beiden Optionen zu empfehlen, präsentiert der Fachmann weitere Varianten (siehe unten). Bei allen ist die Tiefgarage bereits eingepreist. Im Gespräch mit der Schulleitung einigte man sich im Vorfeld auf eine Mischversion von Neubau und Sanierung (Variante 3). „Man kann mit einer Klatsche die meisten Fliegen fangen“, urteilt Kreisbaumeister Alkmar Zenger.

Lesen Sie auch: Zugspitz-Realschule: Planung für Sanierung soll zügig starten - oder kommt doch ein Neubau?

Die Entscheidung muss wohlüberlegt sein. Deshalb ziehen sich die Ausschussmitglieder zur finalen Beratung zurück. Danach vertritt die CSU eine klare Position: für den Neubau (Variante 2). Dr. Michael Rapp liefert die Beweggründe. Die Kompromisslösung kommt dem Landkreis Aichner zufolge nur circa 15 Prozent billiger. Erstens, sagt Rapp in Bezug auf Option drei,, „glauben wir nicht, die Spanne zu halten“. Sparen sei wichtig, aber in diesem Fall mache es keinen Sinn. Im Haushaltsentwurf sind für eine Generalsanierung samt Ausweichcontainer insgesamt 20,75 Millionen eingeplant gewesen.

Zweitens bevorzugt die CSU ein Raumprogramm, dass flexibler gestaltet werden kann. Vor allem in Bezug auf steigende Schülerzahlen und die Platzprobleme in der Realschule Blaues Land in Murnau.

Entschluss kann zu zeitlichen Verzögerungen führen

Der Argumentation schließen sich auch Andreas Grasegger (BP), Hans Baur und Nikolaus Onnich (beide FWL) an. Nur Christl Freier (Bündnis 90/Grüne) mag ihren Ohren kaum trauen. „Das finde ich sehr enttäuschend“, betont sie. Der Ressourcenschutz zählt für sie. Und der sei bei der Mischversion am besten gegeben. Die Kosten, sagt die Oberammergauerin, „laufen uns auch bei einem Neubau davon“.

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Selbst Zenger gibt zu Bedenken, dass diese Entscheidung Konsequenzen mit sich bringen könnte. Schließlich bewarben sich Planungsbüros mit Referenzen für eine Sanierung. „Wenn wir jetzt auf einen Neubau losgehen“, erklärt er, „müssen wir das mit der Regierung von Oberbayern besprechen.“ Seine Befürchtung: Im schlimmsten Fall ist das Vergabeverfahren unter den Vorzeichen der großen Lösung noch einmal neu auzurollen. „Das wird uns zeitlich zurückwerfen.“

Schreckt die Neubau-Befürworter aber nicht ab. Die Mehrheit votiert für die große Lösung. Das letzte Wort spricht aber der Kreistag. Schulleiterin Regina Spitzer kann auch mit dem Neubau gut leben. „Freilich“, sagt sie – und lächelt.

Die Varianten im Überblick: 

Variante 1:

Sanierung mit vollständigem Erhalt der Bausubstanz. Nachteile: bestehende funktionale und räumliche Mängel bleiben, nicht vollständige Barrierefreiheit; Vorteile: ressourcenschonende Maßnahme. Die Baukosten bei einem reduziertem Eingriff sind circa 66 Prozent billiger als bei einem Neubau.

Variante 2:

Vollständiger Abbruch und Neubau mit reduziertem Raumprogramm (einschließlich der Tiefgarage). Neubau soll in nachhaltiger Holzbauweise entstehen. Vorteile: Kleinere Fläche als Bestand, aber funktionale und räumliche Verbesserung, vollständige Barrierefreiheit; Nachteile: 100 Prozent der Baukosten und höherer Ressourcenverbrauch.

Variante 3:

Teilabbruch und -neubau in den Bereichen, in denen eine Barrierefreiheit nicht hergestellt werden kann, sowie Bestandserhalt und Sanierung des nördlichen und südlichen Flügels. Ziel: weitestgehende Barrierefreiheit und Minimierung des Ressourcenverbrauchs. Eine Teilaufstockung zur Optimierung des Raumprogramms (größere Räume möglich) und Holzbauweise sollen geprüft werden. Die Kosten liegen bei etwa 83 Prozent der Neubauvariante.

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