Sein einstimmiges „Ja“ gab der Kreisausschuss in Garmisch-Partenkirchen für die Sanierung und einen Teilneubau der Zugspitz-Realschule. Nur um die Finanzierung ranken sich noch Fragen.
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Ortsbesichtigung: Kreisbausmeister Alkmar Zenger (r.) klärt die Kreispolitiker auf.

Grünes Licht im Kreisausschuss

Hybridlösung für 20,4 Millionen Euro: Nur der Mittelteil der Realschule wird abgerissen

  • Christian Fellner
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Sein einstimmiges „Ja“ gab der Kreisausschuss in Garmisch-Partenkirchen für die Sanierung und einen Teilneubau der Zugspitz-Realschule. Nur um die Finanzierung ranken sich noch Fragen.

Garmisch-Partenkirchen – Fast 40 Jahre hat die Zugspitz-Realschule auf dem Buckel. Auch wenn man es dem Gebäude am Gamsangerweg auf den ersten Blick vielleicht nicht ansieht, es nagt der Zahn der Zeit an vielen Ecken. Schon lange wird in den Kreisgremienüber die Zukunft der Schule gesprochen, Sanierung und Neubau lagen in der Luft. Nun scheint eine Lösung in greifbare Nähe gerückt zu sein. Hatten die Kreisräte zum Ende der alten Wahlperiode noch die Bremse gezogen, so soll es nun mit Volldampf weitergehen. Die Sitzung des Kreisausschusses, die in der Turnhalle der Schule stattfand, lässt sich auf folgenden Nenner zusammenfassen: Es gab ein klares politisches „Ja“ zu einer Hybridlösung, die einen Teilneubau sowie die Sanierung der bestehenden Klassenzimmer-Trakte ab Sommer 2021 beinhaltet. Skepsis herrschte vor allem bei der CSU, wie die geschätzten Kosten von rund 20,4 Millionen Euro zu stemmen seien. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) versprach, bis zum nächsten Ausschuss einen Finanzierungsplan vorzulegen.

Der Fahrplan wirkt daher nun ein wenig kurios: Am 23. Juli soll der Kreistag das Projekt absegnen, „denn wenn wir es jetzt nicht machen, wird das nichts mehr“, merkte Speer auf die Kommentare aus der CSU-Ecke an. Erst Ende September wird dann final über die Finanzierung gesprochen. Ein Weg, den die Mitglieder des Schul- wie auch des Kreisausschusses aber einstimmig absegneten.

Was ist nun also geplant am Gamsangerweg? Um sich ein Bild von der Situation zu machen, luden der Landrat und Kreisbaumeister Alkmar Zenger die Mitglieder der Ausschüsse, die gemeinsam tagten, zu einer Begehung der Realschule ein. Zenger machte nochmals auf die Schwachpunkte aufmerksam. Die hölzernen Fluchtbalkone sind morsch, das Dach ist undicht, in die Tiefgarage dringt Wasser ein, die Fenster sind energetisch ungenügend. Im Gebäude ist Barrierefreiheit im Grunde ein Fremdwort, die Konstruktion mit verschiedenen Zwischenebenen erfordere sehr viele Treppen. Die Raumaufteilung muss überarbeitet werden, obendrein sind die Klassenzimmer sehr unterschiedlich groß. „Wenn wir die Turnhalle und den Mehrzweckraum als Klassenzimmer nicht nützen könnten, hätten wir Klassen jetzt sogar dritteln müssen“, klärte Konrektor Markus Lieb die Gäste auf. „In manche Zimmer passen durch Corona jetzt acht Schüler, in andere 18.“ Das mache es schwierig, die Klassen vor jedem neuen Schuljahr zu verteilen.

Dass Handlungsbedarf besteht, darin waren sich auch alle Kreispolitiker einig. Unterschiedliche Meinungen herrschten zur Zukunft des Blockheizkraftwerkes, das im Keller der Schule untergebracht ist. Auslagern und stattdessen Fernwärme beziehen oder behalten? Zu einer Entscheidung konnten sich die Gremien nicht durchringen, wollen beim nächsten Kreistag Einsicht in bestehende Verträge nehmen.

Planskizze für die Renorvierung der Zugspitz-Realschule

Die sogenannte Hybridlösung hingegen kam gut an. Diese besagt, dass die beiden Klassenzimmer-Trakte im Norden und Süden, die von oben wie Flügel eines Vogels wirken, bis auf die Stahlbetonkonstruktion entkernt und saniert werden, der zentrale Bereich dazwischen hingegen einem Ersatzbau weicht. Ein schöner Nebeneffekt dieser Variante, den Georg Buchwieser (Grüne) pries, ist die Einsparung von mehr als vier Millionen Euro. Zenger verwies auch auf die ökologische Bilanz, da der Kohlendioxid-Ausstoß bei der Baumaßnahme gegenüber einem Neubau um 66 Prozent niedriger liege. Zudem gewinne die Schule zwei große Klassenzimmer, die Barrierefreiheit werde bis auf wenige Ausnahmen optimiert.

Vorteile, die die Kreispolitiker anerkennend registrierten. Um das Thema Finanzen kamen die Amtsvertreter aber nicht herum. Farchants Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU) erkundigte sich nach der Förderung. Kreiskämmerer Andreas Nebel sprach von rund 35 Prozent an Zuschüssen durch das bayerische Finanzausgleichsgesetz (FAG) für Hochbauten, die allerdings nur fließen, sollte der Freistaat den Bau als wirtschaftlich einstufen, was bei einem Neubau laut ersten Rückmeldungen fragwürdig gewesen wäre.

Das zumindest war eine frohe Kunde. Dennoch stellte Thomas Schwarzenberger (CSU) die direkte Frage an Speer: „Herr Landrat, wie können wir das finanzieren?“ Der Krüner Rathauschef verwies auf die Corona-Problematik, die am Kreis nicht vorübergehe, und befürchtete, dass der Landkreis die Realschule letztlich in den nächsten Jahren über die Kreisumlage finanzieren werde. „Dann müssen wir zum Bürger gehen und Gebühren erhöhen. Uns stehen harte Jahren bevor, wie soll das gehen?“

Elisabeth Koch (CSU) gab ihrem Parteikollegen recht, warnte vor einem Persilschein, den der Ausschuss und später der Kreistag dem Landkreis gewähre. Speer versicherte, das Projekt nicht allein über die Umlage zu regeln. „Es gibt andere Wege.“ Kredite zum Beispiel, die aktuell günstiger denn je zu haben sind. Die CSU-Vertreter zogen sich vor der Abstimmung nochmals zur Beratung zurück, letztlich aber votierten sie für den kombinierten Um- und Neubau – unter der Maßgabe, dass ein vernünftiger Finanzierungsplan vorgelegt wird.

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