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Zugspitz Region: Garmisch-Partenkirchen möchte anscheinend wieder austreten

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Von: Peter Reinbold

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Denkt angeblich über einen Austritt aus der Zugspitz Region nach: Bürgermeisterin Elisabeth Koch.
Denkt angeblich über einen Austritt aus der Zugspitz Region nach: Bürgermeisterin Elisabeth Koch. © Thomas Sehr

Die Zugspitz Region GmbH ist seit ihrer Gründung ein fragiles Gebilde. Seit 2017 konnte die Gesellschaft, die sich die Förderung der regionalen Entwicklung des Landkreises Garmisch-Partenkirchen auf die Fahnen geschrieben hat, relativ unbehelligt arbeiten. Das dürfte sich nun ändern: Angeblich plant der Markt Garmisch-Partenkirchen zum zweiten Mal seinen Austritt.

Landkreis – Die Zugspitz Region GmbH hat schon viele Stürme erlebt. Vor allem als sie noch unter dem sperrigen Namen Kreisentwicklungsgesellschaft (KEG) firmierte. In ruhigeres Gewässer kam sie erst, als sie 2016 ihren derzeitigen Namen erhielt. Zuvor sah man sich häufig heftiger Kritik ausgesetzt – zumeist von den größeren der 22 Landkreis-Gemeinden, die gemeinsam mit der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen, der VR-Bank Werdenfels, dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen, der Lebenslust e.V., der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, der Handwerkskammer und des Unternehmervereins im Landkreis Garmisch-Partenkirchen e.V. die 29 Gesellschafter bilden. Den Aufsichtsrat leitet Landrat Anton Speer (Freie Wähler).

Sowohl Garmisch-Partenkirchen (2013) als auch Murnau (2015) hatten unter großem Getöse die KEG verlassen und waren erst 2015 und 2017 in den Schoß der Gemeinschaft zurückgekehrt. Es schien sich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass die beiden großen Landkreisorte sich nicht verschließen oder verweigern dürfen – trotz einiger Bedenken. Es blieb aber eher ein Zweckbündnis als eine Liebesheirat.

Mittlerweile scheint es ein Partner mit der immerwährenden Treue nicht mehr so ernst zu nehmen und über eine erneute Trennung nachzudenken. Der Markt Garmisch-Partenkirchen, so berichten Teilnehmer aus der jüngsten Gesellschafterversammlung, der sich die Teilnahme in dem exklusiven Kreis rund 100 000 Euro pro Jahr kosten lässt, denke über einen erneuten Austritt nach. Das habe Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) anklingen lassen. In der Folge soll es eine kontroverse Diskussion gegeben haben, in der sich herausstellte, dass Koch in einigen Punkt schlecht informiert gewesen sei.

Dr. Sigrid Meierhofer ist SPD-Kreisrätin.
Dr. Sigrid Meierhofer ist SPD-Kreisrätin. © Kornatz

Die Personen, die diese Information dem Tagblatt durchstachen, legen größten Wert darauf, ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. Weniger Bedenken hat Dr. Sigrid Meierhofer, bis Ende April 2020 Bürgermeisterin des Kreisorts und als SPD-Kreisrätin weiter politisch aktiv: „Ja“, sagt sie, „ich habe davon gehört. Mir ist das zugetragen worden.“ Sollte das jüngste Gerücht der Wahrheit entsprechen und der Austritt wirklich ein Thema sein, dann hält Meierhofer nichts davon. Ihre Meinung: Garmisch-Partenkirchen habe von der Zugspitz Region „sehr profitiert.

Klein-Klein bringt nichts mehr, wir müssen die Kompetenzen bündeln.“ Anders als Meierhofer antwortet Koch auf Tagblatt-Anfrage einsilbig. „Ich beteilige mich nicht an Gerüchten“, erklärt sie per E-Mail. Eine Aussage, die Raum für Spekulationen bietet. Ein Dementi klingt anders. Ebenso zugeknöpft äußert sich Speer. Über seinen Sprecher Wolfgang Rotzsche lässt er mitteilen, „dass nach unserem Kenntnisstand kein Schreiben eingegangen ist.

Gerüchte möchte Herr Landrat nicht kommentieren“. Zugspitz-Region-Geschäftsführer Sebastian Kramer merkt man im Gespräch, in dem er lieber über die Erfolge sprechen möchte, die seine Gesellschaft für die Gemeinden erreicht hat, deutlich an, dass das Thema ihm Unbehagen bereitet. Klare Worte: Fehlanzeige. Er windet sich. Zunächst spricht er von „Gedankenspielen“, was impliziert, dass die Gerüchte mehr sind, als die Politik zugeben will. Was ihm Hoffnung macht, dass es dabei bleibt und nicht in die Realität überführt wird: Vom Markt sei offiziell noch niemand an ihn herangetreten.

Im Alleingang kann Garmisch-Partenkirchens Rathausspitze den Austritt, der nur in einem Drei-Jahres-Rhythmus möglich ist, nicht vollziehen. Dazu ist ein Votum des Gemeinderats unverzichtbar. Bündnis 90/Die Grünen, die FDP und die SPD, mit den Gerüchten konfrontiert, wissen von nichts. Sie sind offenbar von jeglicher Information abgeschnitten. „Dazu kann ich nichts sagen, der Sachverhalt ist mir unbekannt“, erklärt SPD-Fraktionschefin Ulrike Bittner-Wolff.

Überrascht zeigen sich auch der Liberale Martin Sielmann, der darauf dringt, „dass Frau Koch ihren Schritt gründlich erläutert“, und Dr. Stephan Thiel, der die Öko-Partei im Gemeinderat führt. Er outet sich als Verfechter der Zugspitz Region. Er sei ein Mensch, der über Kooperationen arbeitet. „Wir brauchen regionale Märkte und keine Verweigerung.“

Sebastian Kramer ist GmbH-Geschäftsführer.
Sebastian Kramer ist GmbH-Geschäftsführer. © Kornatz

Ähnlicher Worte hatte sich bei der Gemeinderatsdebatte zum Wiedereintritt Anfang November 2014 Claus Gefrörer bedient, der auch heute noch für die CSU-Fraktion im Gremium sitzt. „Wenn wir im Wettbewerb der Regionen mithalten wollen, dann brauchen wir diese Plattform für die Region.“ Elisabeth Koch, zu der Zeit Fraktionssprecherin der Christsozialen, fand damals ein ganz pragmatisches Argument: Der Markt stemme über die Umlage etwa 30 Prozent des Kreis-Etats, der auch in die KEG, heute Zugspitz Region, fließe. Da sei es eine Verpflichtung für den Hauptort, sich an der Gesellschaft zu beteiligen. „Kritisch, nicht nibelungentreu.“

Kochs anscheinend kritische Grundhaltung scheint nun auf Ablehnung gepolt zu sein. Was den Sinneswandel befeuert haben mag, darüber kann nur spekuliert werden. Vermutet wird, Geld habe dabei keine unwesentliche Rolle gespielt und dass Felder, die von der Zugspitz Region GmbH beackert werden – man denke nur an Tourismus und Wirtschaftsförderung – auch zu den Kernkompetenzen des Marktes zählen. Man leistet sich eine großzügig alimentierte GaPa Tourismus GmbH und mit Oliver Steinbach einen Wirtschaftsförderer, der in Konkurrenz zu Sebastian Kramer steht.

Den Sinn und Nutzen für GaPa Tourismus hatte der damalige Direktor Peter Nagel schon 2013 beim Austritt angezweifelt. „Die KEG ist keine aktive Hilfe im Tourismus.“ Sein Urteil hörte sich beim Wiedereintritt 2014 kaum anders an. Zitat: „Aus touristischer Sicht macht es für uns nach wie vor wenig Sinn.“ Vielleicht sind es diese Argumente, die sich in den vergangenen Jahren bei Koch verfestigt und sie zu ihren Austrittsplänen veranlasst haben.

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