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Der Entwurf für die neue Zugspitz-Bergstation auf 2962 Metern Meereshöhe.

“Fels ist kein Beton“

Zugspitz-Seilbahn: Geologe erklärt die Tücken des Großprojektes

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Ein Geologe hat für den Bau der neuen Zugspitz-Seilbahn den Fels an Deutschlands höchstem Gipfel untersucht. Im Interview spricht er über die Schwierigkeiten bei dem Großprojekt. Eine davon ist der Klimawandel.

Garmisch-Partenkirchen – Im Fels auf dem Gipfel der Zugspitze herrscht Permafrost. Wegen der Klimaerwärmung ist aber ungewiss, ob das so bleibt. Das hat auch Auswirkungen auf die Stabilität des Berges – und damit auf die Planungen der neuen Zugspitzbahn. 

Der Mann, der dafür sorgt, dass die Mammut-Seilbahn nicht auf wackligen Beinen steht, heißt Rufus Bertle. Der 40-jährige Geologe aus Vorarlberg hat für den Bau des 50 Millionen Euro teuren Projekts Deutschlands höchsten Berg genau abgeklopft.

Herr Bertle, was genau macht ein Geologe beim Bau einer Seilbahn?

An einer Seilbahnanlage entstehen sehr große Kräfte, die in den Untergrund abgeleitet werden müssen. Fels ist kein Beton, sondern hat Klüfte und Störungen. Darum hat unser Büro analysiert, wie viel Gestein wo abgetragen werden muss, damit die Fundamente der Bergstation und die einzige Seilbahnstütze nicht abgleiten. Vor gut 5500 Jahren gab es an der Nordwand der Zugspitze übrigens einen riesigen Bergsturz, der auch zur Entstehung des Eibsees geführt hat. Genau da, wo die Seilbahn verläuft.

Bei der Arbeit: Geologe Rufus Bertle in der Felswand.

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus, damit bei der neuen Bahn nichts ins Rutschen kommt?

Mit einem Geologenkompass vermessen wir die räumliche Lage und Neigung des Gesteins. So machen wir Gesteinspakete ausfindig, die bei Belastung in die Nordwand abgleiten könnten.

Muss ein Geologe ein guter Bergsteiger sein?

Man sollte gut geländegängig sein. Es kommt durchaus vor, dass man am Kletterseil hängend arbeitet. Natürlich gehören auch das Abklopfen mit dem Hammer und die anschließende Gesteinsanalyse im Labor dazu. Vor allem gilt es aber, aus der zeitlichen Entwicklung des Untergrunds seine technischen Eigenschaften abzuleiten. Aus den gesammelten Daten errechnen wir, wie die auftretenden Kräfte in den Untergrund eingeleitet werden müssen.

Wie groß sind diese Kräfte?

Die beiden Fahrbahnen, die die Nordseite heraufkommen und die Bergstation lasten mit ungefähr 4000 Tonnen am Gipfel. Diese Kraft muss von der Nord- auf die Südseite umgelenkt werden. Auf den Fundamenten der einzigen Seilbahnstütze lasten im Normalbetrieb um die 500 Tonnen.

Ist die Zugspitze schwieriges Terrain?

Sie ist anspruchsvoll. Die 1500 Meter hohe Nordwand ist stark der Witterung ausgesetzt. Die Baustelle ist für Mensch und Material schwer zu erreichen. Und der Untergrund unter der Bergstation auf 2962 Metern ist permanent gefroren. Das mussten wir angesichts der Klimaerwärmung berücksichtigen.

Wird sich der Fels am Gipfel durch die Klimaerwärmung ändern?

Schmilzt der Permafrostboden ab, ändert sich natürlich die geologische Stabilität. Momentan sind zwar keine Anzeichen zu sehen, dass der Permafrostboden in den kommenden 50 Jahren ganzjährig auftaut. Die ersten Meter Gestein tauen im Sommer an – wie in der sibirischen Tundra ist das aber auch auf der Zugspitze normal. Auch die Daten der Messbohrung am Gipfel deuten noch nicht auf eine Erwärmung hin. Aber wir mussten alle Szenarien abdecken. Die Planungen sind auf 100 Jahre ausgelegt.

Haben Sie manchmal Angst, dass Sie mit Ihren Berechnungen danebenliegen könnten?

Nein, keine Angst (lacht). Wir haben uns das gut überlegt. Und wir haben uns für den Neubau angeschaut, wie die alte Bahn 50 Jahre lang funktioniert hat. Das hat sich bewährt.

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