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90 Jahre Zahnradbahn: Mit dem Presslufthammer durch den Berg

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Von: Katharina Bromberger

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Ein Großereignis ist die Eröffnung der Zahnradbahn am Bahnhof Grainau. Am 8. Juli 1930 bringt sie die ersten Gäste zum Schneefernerhaus.
Ein Großereignis ist die Eröffnung der Zahnradbahn am Bahnhof Grainau. Am 8. Juli 1930 bringt sie die ersten Gäste zum Schneefernerhaus. © Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG

Am 8. Juli 1930 geht in Garmisch-Partenkirchen die Zahnradbahn auf den Schneeferner in Betrieb. Ein Großprojekt für 22 Millionen Reichsmark, bis zu 2500 Männer leisten dafür zwei Jahre lang Schwerstarbeit. 90 Jahre später würdigt die Bayerische Zugspitzbahn das Ereignis unter anderem mit einer Ausstellung.

Garmisch-Partenkirchen – Lok Nummer 11, Baujahr 1929. Sie schnauft sich als erste hinauf. Die Strecke, die vor ihr noch niemand gefahren ist. Die bis zu 2500 Männer oft bei Kälte, Sturm und Schnee gebaut haben. Für die zehn Männer ihr Leben verloren. Die Strecke und mit ihr die Bahn, die als Meilenstein und technische Meisterleistung in die Geschichte eingehen werden.

An diesem 8. Juli 1930 wird die Zahnradbahn Zugspitze gefeiert. Mit der Eröffnungsfahrt vom Tal bis zur Station Schneeferner. Geladene Gäste kommen mit einem Sonderzug der Reichsbahn aus München. Hunderte bestimmt, das zeigen Bilder.

Wie viele genau anreisten, ist bei der Bayerischen Zugspitzbahn nicht dokumentiert. Ein „richtiges Großereignis“ aber war es auf jeden Fall, sagt Verena Lothes, Sprecherin der BZB. Dort hat man sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Bau befasst, die Archive durchforstet. Denn „90 Jahre Zahnradbahn“ – das muss gewürdigt werden. Wenn auch nicht so, wie es das Unternehmen einmal geplant hat.

Tag der offenen Tür wegen Coronabeschränkungen nicht möglich

Einen Tag der offenen Tür wollte die BZB anbieten, einen Blick hinter die Kulissen für alle, die wissen wollen, wie eine der letzten vier betriebenen Zahnradbahnen in Deutschland funktioniert. Wie sie im Tal als quasi normale Bahn siebeneinhalb Kilometer dahinfährt und ab dem Eibsee 11,5 Kilometer bergauf bis zum Sonnalpin auf knapp 2600 Metern Höhe zurücklegt. Bei der Eröffnung vor 90 Jahren stiegen die Besucher noch am ehemaligen Hotel Schneefernerhaus aus. Seit 1985 führt ein Abzweig – der Rosi-Tunnel, benannt nach Rosi Mittermaier – ins Skigebiet am Zugspitzplatt. All das wollten die Mitarbeiter Besuchern vor Ort erklären. Corona verhindert das. Genau informiert werden Interessierte trotzdem.

Ausstellung mit gewaltigen historischen Bildern

Aktuell bereitet das Team eine Ausstellung auf der Zugspitze vor (siehe unten). Mit historischen Bildern, die die Leistung der Pioniere dokumentieren. Vor dem Baustart musste das Zugspitzmassiv exakt vermessen werden. Daraus ergaben sich massive Herausforderungen: Das untere Tunnelportal am Riffelriss und den Bahnhof am Schneefernerhaus trennen nur zwei Kilometer Luftlinie. Und 1010 Meter Höhenunterschied. Steiler als 25 Prozent durfte die Strecke nicht werden. Das hieß: mindestens vier Kilometer Tunnel, der in einer weiten Schleife durch den Berg führen musste. Ab und zu haben die Männer den Fels gesprengt, viele Meter kämpften sie sich mit dem Presslufthammer voran. Vier bis sechs Meter schafften sie pro Tag. So entstand in nur zwei Jahren Bauzeit und für 22 Millionen Reichsmark eines der „kühnsten Bahnprojekte im Alpenraum“, das einen „weiteren Wendepunkt in der regionalen Tourismusgeschichte“ markierte, heißt es seitens der BZB, die 1928 gegründet wurde.

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Nach wie vor sind vier Originalloks im Einsatz: Nummer 1 und 4 fürs Tal, Nummer 14 und 15 für den Berg. Sie bleiben unverzichtbar für Gütertransporte. Eine Tallok lässt sich seit Jahren am Rathausplatz in Garmisch-Partenkirchen bewundern, eine weitere vor dem Deutschen Museum in München. Dort steht auch, frisch restauriert, die Nummer 11. Jene Berglok, die die Premierenfahrt vor 90 Jahren meisterte.

90 Jahre Zahnradbahn - das Programm:

- Ausstellung: 90 Jahre nach der Jungfernfahrt, am 8. Juli, eröffnet im ersten Obergeschoß der Bergstation der Seilbahn Zugspitze eine Ausstellung mit historischen Bildern. Schaustücke wie ein Fahrtkartenknipser oder ein Zahnrad folgen. Auch die zehn Männer, die beim Bau ums Leben kamen, werden gewürdigt.
- Sonderzeitung: Zur Ausstellung bringt die BZB das „Extrablatt“ heraus. Vier Seiten im Zeitungsformat, kostenlos, über die Geschichte, technische Daten sowie Infos zur Zahnradbahn heute.
- Nostalgiefahrten: Bereits seit 2005 bietet die BZB Nostalgiefahrten in den Originalloks 14 und 15 an. Infos unter zugspitze.de

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