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Bei Sonnenaufgang starteten die Demontage-Arbeiten auf der Zugspitze.

Er überragte das Gipfelkreuz

Spektakuläre Aktion: So kommt der tonnenschwere Kran von der Zugspitze ins Tal

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Jetzt ist es vollbracht: Die Baustelle auf der Zugspitze ist beendet. Als letzte Aktion wurde der tonnenschwere Kran ins Tal geflogen - mit einem besonderen Heli. 

Grainau/Garmisch-Partenkirchen – Die Rotorenblätter rattern, über dem Turm steht der rot-weiße Hubschrauber in der Luft. Es ist Mittwoch, kurz vor zehn Uhr. Die Sekunden der Wahrheit ticken. Der Heli steigt vorsichtig, hebt den Drehkranz des Krans an. 3,5 Tonnen hängen an seinem Tragseil. Das Maximum. Mehr kann die russische Militärmaschine, Typ Kamov, nicht transportieren. Erst recht nicht in dieser Höhe, auf knapp 3000 Metern.

„Eine heikle Geschichte“, sagt Thomas Volgger, zuständiger Betreuer der Firma Liebherr. Der Heli schwenkt langsam seine Schnauze, bleibt in seiner Balance, beschleunigt und fliegt davon. Über die Nordwand der Zugspitze und den Eibsee zur Forststraße oberhalb der Talstation. Dort setzt er den Drehkranz ab. Wie alle Einzelstücke von Deutschlands höchstgelegenen Kran.

Drei Jahre lang stand dieser dort. Drehte sich wie eine Fahne im Wind, erzählt Volgger. Für Sturmböen bis zu 250 Kilometern pro Stunde war der orangefarbene Koloss ausgerichtet. Er gehörte zur Baustelle der Seilbahn Zugspitze wie das Kreuz zum Gipfel. Das Wahrzeichen auf 2960 Metern überragte der Kran sogar um 13 Meter. „Wir geben mit Demut den höchsten Punkt wieder an das Gipfelkreuz zurück“, sagt Volgger und lacht.

Erst im zweiten Anlauf klappt‘s

Mit der Demontage ist das spektakuläre 50-Millionen-Projekt beendet. Ein großer Tag für alle, die an diesem Meilenstein in der Seilbahn-Geschichte beteiligt waren. Erst recht für Martin Hurm, Betriebsleiter Zugspitze. „Endlich samma fertig“, sagt er erleichtert. Dabei hatte das Wetter den eigentlichen Zeitplan noch durchkreuzt.

Die ersten Arbeiten sollten am Dienstagnachmittag über die Bühne gehen, der Ausleger schon abgebaut werden. Doch der Kran schwamm in der Nebelsuppe. Fernsicht? Gleich Null. Die Zugspitze wie von einer weißen Wand abgeschottet. Unter diesen Bedingungen konnte der Hubschrauber nicht starten. Bis 16.30 Uhr warteten die Teams von Bayerischer Zugspitzbahn (BZB) und Liebherr darauf, dass sich der Nebel lichtet. Doch nichts passierte. Die Aktion wurde – wider Willen – abgebrochen, der zweite Versuch auf Mittwochmorgen angesetzt.

Das Glück ist auf ihrer Seite. Bereits um kurz vor 7 Uhr in der Früh taucht der Hubschrauber über der Nordwand auf. Der Pilot lehnt mit dem Kopf in einer seitlichen Luke des Cockpits, einer Art Fischauge, und positioniert seinen Vogel. Nur einen kurzen Augenblick später nimmt dieser mit dem Tragseil eines der 1,9-Tonnen-Gewichte am hinteren Ende des 50 Meter langen Auslegers auf und schwirrt durch die warmen Farben des Sonnenaufgangs ab. 23 Mal muss der Pilot hoch und runter. Eine dieser Rotationen dauert knapp zehn Minuten. Nur zwei braucht er, um vom Abladeplatz auf knapp 3000 Meter zu fliegen.

Russischer Spezial-Heli ist nicht billig

Die Zeit drängt. Die 15-Grad-Marke pendelt wie ein Damoklesschwert über der Aktion. Wird die Temperatur überschritten, heißt es wieder Flug-Verbot. Die Luft sei dann zu dünn, erklärt Volgger. Die Zeit kostet auch, sagt BZB-Sprecherin Verena Lothes. Eine Spezial-Heli-Minute beläuft sich auf 197 Euro, eine Stunde also auf knapp 12 000 Euro. Und ganz nebenher soll die Aktion noch vor dem Besucheransturm so gut wie abgeschlossen sein.

Kran im Talflug: die Bilder von der Demontage auf der Zugspitze

Bis um kurz vor 10 Uhr läuft alles reibungslos. Dann gibt’s eine kleine Panne. Beim Lösen der Schrauben platzt der Schlauch für den hydraulischen Schraubenschlüssel. Ohne das Ersatzwerkzeug aus der BZB-Werkstatt in Grainau geht nichts mehr. Das wird aber erst mit der Gondel auf den Gipfel geliefert. Die Monteure müssen eine Zwangspause einlegen.

Sie sind wie der Pilot an diesem Tag die Helden der Höhe. Sie kraxeln gesichert im Eilschritt auf dem Kran herum und hängen die Schlaufen der Einzelteile ins Tragseil ein – Millimeterarbeit über dem Abgrund. Hurm betont: „Sie brauchen gnadenlose Schwindelfreiheit.“

Um 12.30 Uhr haben die Männer Feierabend. Der Koloss ist komplett verschwunden – und das Gipfelkreuz wieder der einzig wahre Höhepunkt auf der Zugspitze.

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