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Georg Reindl steht seit 60 Jahren auf der Bühne. 

Partenkirchner Bauerntheater zeigt „Sei doch net so dumm, Opa“

Zum 60.Bühnenjubiläum: Georg Reindl schlüpft in Paraderolle

Das Stück scheint ihm auf den Leib geschrieben. Der Großvater Zangerl in „Sei doch net so dumm, Opa“ ist Georg Reindls Paraderolle. Kein Wunder, dass er sich dieses Stück ausgesucht hat, um sein 60-jähriges Bühnenjubiläum beim Partenkirchner Bauerntheater zu feiern.

Garmisch-Partenkirchen Angefangen hat alles in der Schule. Der kleine Schorsch hatte eine fanatische Theaterspielerin zur Lehrerin und von ihr immer wieder eine Rolle bekommen: im Krippenspiel oder im „Zertanzten Schuh“. Das habe ihm riesigen Spaß gemacht, erinnert er sich noch heute. Und das, obwohl seine Debütanten-Zeit schon Jahrzehnte zurückliegt. Georg Reindl feiert am morgigen Samstag sein 60-jähriges Bühnenjubiläum beim Partenkirchner Bauerntheater (Beginn: 20 Uhr). Damit ist er schon der siebte Darsteller des Ensembles, der dieses Ereignis begehen konnte. Dafür hat er sich ein besonderes Stück ausgesucht: „Sei doch net so dumm, Opa“ von Ulla Kling. Selbstredend spielt der 79-Jährige die Hauptrolle des widerspenstigen Großvaters Zangerl, der sich partout nicht ins Altenheim abschieben lassen will.

In dem Stück geht es darum, dass der clevere Zangerl einen Umzug kategorisch ablehnt. Deshalb muss eine Haushälterin her, wie die Kinder einhellig meinen. Doch gestaltet es sich nicht gerade einfach, die passende Dame zu finden. Eine der Anwärterinnen ist Lilo, die weder putzen, kochen noch waschen kann. Dem Opa jedoch wäre sie wegen ihrer äußerlichen Qualitäten am liebsten. Doch dann taucht Irma Kragler auf, eine tatkräftige Frau in den besten Jahren, gegen deren Fürsorge Zangerl keine Chance hat. Weshalb es prompt zu Machtkämpfen kommt...

Reindl erhielt Goldene Bürgerplakette von Toni Neidlinger

Wenn Reindl mit seinem urwüchsigen Humor den Zangerl spielt, und damit seine 60 Jahre auf der Bauernbühne vollendet, muss er sich selber wundern: „Bis d’ schaug’st, war die Zeit rum“, sagt er. Aber sie geht natürlich weiter, denn ans Aufhören denkt er keineswegs, „Theater gehört bei mir einfach zum Leben dazu“. Diese große Liebe kann nichts erschüttern: „Alle halbe Jahr’ hab’ i früher mal ein Wochenende frei gehabt“, erinnert er sich noch an jene Zeiten, da er in einem Großteil der rund 15 Repertoire-Stücke mitgewirkt hat. Heute ist das längst weniger geworden, und er hat mehr Freizeit für seine zweite große Leidenschaft, das Bergwandern.

Beruflich wurde dem „Garwa“, wie er mit Hausnamen heißt, nie etwas geschenkt: 1952 fing er bei der Edeka-Gruppe an, lernte dort Großhandelskaufmann, arbeitete 38 Jahre hart in diesem Konzern, zunächst in Garmisch-Partenkirchen, dann in der Penzberger Zentrale. Als die Firma auch mit dem Obsthandel begann, musste er täglich sehr früh am Morgen zum Großmarkt nach München fahren. Mit 52 Jahren sattelte er nochmal um, arbeitete bis zum Ruhestand bei der gemeindlichen Wankbahn AG am Wank, am Eckbauer und an der Kreuzwanklbahn. Scheinbar allzeit vergnügt meisterte er alle Belastungen, ehe er in den Ruhestand ging und sich nur noch der Familie, seinem großen Garten und dem Haus widmen konnte. Zudem engagiert sich Reindl im Veteranenverein, dessen Vorsitzender er viele Jahre lang war – und natürlich im Theater.

Dort fand er nach einiger Zeit als jugendlicher Liebhaber bald zu seinem angeborenen Charakter als Bürgermeister oder alter Bauer. Glanzrollen, die er einzigartig spielt. Man denke nur an den „Föhn“, jenes Drama, in dem er an seinem 40. Jubiläum 1998 unvergesslich die tragische Figur des Bürgermeisters Emberger verkörperte. Dafür erhielt er vom seinerzeitigen Rathaus-Chef Toni Neidlinger (CSU) die Goldene Bürgerplakette.

Karten

für Georg Reindls Jubiläumsstück gibt’s „Sei doch net so dumm, Opa“ am Samstag, 26. Mai, um 20 Uhr im Gasthof Rassen (Ludwigstraße 45) gibt’s am Spieltag von 10 bis 12 und ab 19 Uhr an der Theaterkasse (Telefon 0 88 21/5 55 98). Reservierungen sind unter der Woche von 8 bis 10 sowie 17 bis 19 Uhr unter Telefon 0 88 21/5 96 85 möglich. Eine weitere Vorstellung steht am Samstag, 23. Juni, auf dem Plan.

Wolfgang Kaiser

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