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Als Privileg hat es Peter Ries stets empfunden, seinen Heimatort mitzugestalten.

Die Zeit gehört jetzt der Familie

Tourismusdirektor Peter Ries: „Ich freu’ mich aufs Opa-Sein“

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Zu viele Vorschriften, zu wenig Vertrauen – die Rahmenbedingungen passen nicht mehr. Deshalb geht Tourismusdirektor Peter Ries in den Vorruhestand. Sollten seine früheren Kollegen Hilfe brauchen, steht er aber zur Verfügung. Ansonsten gehört seine Zeit jetzt vor allem der Familie.

Garmisch-Partenkirchen – Peter Ries liebt seine Heimat. In Garmisch-Partenkirchen ist er verwurzelt. Hier engagiert er sich in verschiedenen Ehrenämtern. Und er genießt in seiner Freizeit die einzigartige Natur. Dass er diese Leidenschaft in seinen Beruf einbringen konnte, empfand Ries stets als großes Privileg. „Es gibt nichts Schöneres, als in dem Ort, in dem man seinen Lebensmittelpunkt hat, etwas zu gestalten.“ Das hat er getan – seit dem 1. März 1987. Zum Ende des Jahres geht der zweifache Familienvater in den Vorruhestand. Am Freitag, an seinem letzten Arbeitstag, musste er sich von lieb gewonnenenKollegen verabschieden. Herzlich, wie es seine Art ist. Mit persönlichen Worten und Umarmungen.

Der 63-Jährige hat sich mit Leib und Seele seinem Metier verschrieben. Zunächst als Leiter des Verkehrsamts, das mittlerweile Tourist-Info heißt. Dann als Tourismusdirektor, gleichberechtigt mit Peter Nagel. „2005 haben wir diesen Posten zunächst kommissarisch übernommen“, erinnert sich Ries. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Das Vertrauen, das der damalige Bürgermeister Thomas Schmid (damals CSU, ab 2008 CSB) und der Gemeinderat in die neue Doppelspitze setzten, half. Die Eigengewächse des Marktes, so kann man sie nennen, auch wenn Ries nach seinem Studium erst einmal Chef des Verkehrsamts in Kochel geworden war, schwammen sich schnell frei. Und erstellten einen touristischen Sechs-Jahres-Plan, der schon zweimal fortgeschrieben wurde. Auch die Marke, zu der sich Garmisch-Partenkirchen entwickelte, geht auf ihr Konto – und das ihres Teams.

„Ich wäre durchaus länger geblieben“

„Mir hat die Arbeit Spaß gemacht“, unterstreicht Ries. „Ich wäre durchaus länger geblieben.“ Neun Bürgermeister erlebte er in den gut 30 Jahren in Garmisch-Partenkirchen mit – drei Erste und sechs Zweite. Viele Gemeinderäte. Dass mittlerweile kein Vertreter aus dem Tourismus im Kommunalparlament sitzt, bedauert er zutiefst. Nicht nur ein politischer Wandel vollzog sich seit 1987, auch ein technischer. „Als ich angefangen habe, gab’s noch kein Fax-Gerät, nur einen Fernmelder“, erzählt er. Das erste kommunale Reservierungssystem auf Provisionsbasis, das in Garmisch-Partenkirchen eingerichtet wurde, betreute er federführend mit. „Die Leute mitzunehmen, war eine große Herausforderung.“ Auch beim ersten Internet-Auftritt der damaligen Kurverwaltung brachte er sich ein. Zu Zeiten, in denen noch über den Sinn und Zweck des weltweiten Netzes diskutiert wurde.

Das ist Geschichte. Längst geht’s um die Wertschöpfung und vor allem die Lebensqualität im Ort. Allerdings unter Rahmenbedingungen, die dafür sorgten, dass sein Akku immer schneller leer wurde. Ein Akku, „der auch nicht unbegrenzt aufladbar ist“. Insbesondere die Verwaltungszwänge, zu denen Ries nicht allein die Anforderungen aus dem Rathaus, sondern auch ständig neue Richtlinien, unter anderem von Seiten der EU, zählt, „erschweren das kreative Arbeiten“. Angesichts laufend neuer Vorschriften „ist man ständig in einem Rechtfertigungsmodus. Das frisst einen auf.“ Dazu kommt sein Gefühl, dass die geleistete Arbeit vor Ort immer wieder in Frage gestellt und nicht anerkannt wird. „Die Wertschätzung fehlt inzwischen oft“, bedauert er. „Es schmerzt, wenn das Vertrauen, dass man nur für den Ort etwas erreichen will, nicht vorhanden ist.“ Alles zusammen führte dazu, dass er jetzt den Schlussstrich zog.

Bei Fragen steht Ries zur Verfügung

Aus der Welt ist Ries freilich nicht. „Sollten die Kollegen Fragen haben, können sie gerne auf mein Fachwissen zurückgreifen.“ Seine Ehrenämter – noch ist er Präsident des Partnerstädtevereins, engagiert sich im Fremdenverkehrsverein, in diversen Chören sowie im Lions-Club – zeigen, dass er seiner Leidenschaft für den Tourismus keinesfalls abschwört. Genau wie der neue Job, den er sich im Ruhestand vornimmt: Gästeführer. Bei den Touren durch den Ort nützt ihm sicher sein Faible für Geschichte.

Entscheidend für Ries: Der Druck ist weg. Der Zwang, sich zu rechtfertigen. Und dass er mehr Zeit hat. Die kann er zum Beispiel auf dem Wank verbringen, für den ihm die Mitglieder des Tourismusausschusses eine Jahreskarte geschenkt haben. Der Abschied im kleinen Kreis verlief herzlich und bescherte Ries lang anhaltenden Applaus.

Seine neu gewonnene Zeit will er aber vor allem für seine Familie nutzen. „Ich freu’ mich aufs Opa-Sein“, sagt er und lacht. Anfang Januar kam seine erste Enkeltochter zur Welt, das zweite Enkelkind folgt noch in diesem Jahr. Allein der Gedanke daran lässt Peter Ries strahlen.

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