Wollen, dass es vorwärtsgeht: (v.l.) Tourismuschef Michael Gerber, Daniel Schimmer, Manfred Zimmermann, Martin Hilleprandt, Michaela Nelhiebel (Vertreter aus der Geschäftswelt), Wirtschaftsförderer Oliver Steinbach und Elisabeth Koch.
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Wollen, dass es vorwärtsgeht: (v.l.) Tourismuschef Michael Gerber, Daniel Schimmer, Manfred Zimmermann, Martin Hilleprandt, Michaela Nelhiebel (Vertreter aus der Geschäftswelt), Wirtschaftsförderer Oliver Steinbach und Elisabeth Koch.

Noch viele offene Fragen

Modellkommune für Öffnungsversuche: Zwei Bewerber aus dem Landkreis - Neue Teststation der Geschäftsleute

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Sie sind bereit: Die Kommunen im Blauen Land und Garmisch-Partenkirchen würden gerne Modellkommune werden. Beide Seiten erachten sich für absolut geeignet.

Landkreis – Elisabeth Koch versprüht nicht gerade Zuversicht am Donnerstagmittag. Die CSU-Bürgermeisterin macht beim Ortstermin am Richard-Strauss-Platz sehr wohl deutlich, dass sich Garmisch-Partenkirchen als Modellkommune für die Öffnungsversuche nach den Osterferien bewerben will. Aber: „Das könnte ein Rohrkrepierer werden“, moniert sie. Acht Kommunen in Bayern sollen auserwählt werden, je eine pro Regierungsbezirk, dazu eine zweite in Oberbayern.

„Aber es gibt bisher keine wirkliche Bewerbungsmatrix.“ Sie habe etwas gehört, 100 000 Einwohner seien Voraussetzung. Schriftlich aber liegt ihr das nicht vor. Wirtschaftsförderer Oliver Steinbach beackert das Thema seit zwei Tagen intensiv –und zuckt mit den Schultern. „Wir haben keine Unterlagen – nichts.“ Koch sieht’s als typisch für das Handeln der Regierung in der Corona-Zeit an: „Es wird irgendetwas in den Raum geschmissen, das nicht mit Informationen unterfüttert ist und in diesem Fall dazu führt, dass die Kommunen in einen Wettbewerb untereinander einsteigen.“

Bereit, unorthodoxe Maßnahmen zu ergreifen

Da liegt sich nicht falsch: Denn sogar im Landkreis tut sich ein zweiter Bewerber hervor: Die Gemeinden im Blauen Land mit dem Markt Murnau als Initiator haben ihr Interesse nicht nur signalisiert, sondern bereits ein Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eingereicht. „Wir sind bereit, auch unorthodoxe Maßnahmen zu ergreifen, soweit uns dazu der Entscheidungsspielraum eingeräumt wird“, kündigt Rolf Beuting (ÖDP) stellvertretend für die Bürgermeisterkollegen der acht Orte von Ohlstadt bis Spatzenhausen an. Auch infrastrukturell seien die Gemeinden zu vielem bereit: „Für neue Teststellen bieten wir gerne dazu geeignete kommunale Liegenschaften im Rahmen unserer Möglichkeiten und des Modellprojekts an“, schreibt der Murnauer Rathauschef.

Den Grund, warum der Freistaat genau die Region im nördlichen Landkreis auswählen soll, liefert Beuting gleich mit. Er nennt die „Gesundheitsregion plus“ als Pfund, argumentiert zudem mit der starken Überalterung in der Region. Bekanntlich leben zwischen Staffelsee und Karwendel rund 9000 Menschen über 80 Jahre.

Koch fordert Selbstverwaltungsrecht der Kommune zurück

An Überzeugungskraft fehlt es auch Koch nicht. „Wir sind eine echte Destination, der Tourismus hat eine überragende Bedeutung bei uns, und wir sind ein Oberzentrum“, betont sie. Doch gerade das Wetteifern geht ihr gegen den Strich. „Wie gehe ich mit dem geschätzten Kollegen Beuting um, wenn er es wird und wir nicht?“ Dinge, denen Koch aus dem Weg gehen möchte.

Klar ist allen Beteiligten an diesem Tag, dass etwas passieren muss. „Ich fordere, dass wir als Kommune unsere Selbstverwaltungsrechte zurückbekommen“, sagt Koch. Und spielt auf das Recht an, über Öffnungen selbst entscheiden zu können.

Aktiv sind nun die Geschäftsleute geworden. Ab der kommenden Woche wollen sie am Richard-Strauss-Platz das hölzerne Interimsgebäude der Touristinformation als Corona-Teststation nutzen, das der Markt und GaPa Tourismus zur Verfügung stellen. „Wir springen damit wirklich ins kalte Wasser und schauen, wie weit wir schwimmen“, betont Michaela Nelhiebel, die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Garmischer Zentrum. 1500 Schnelltests hat der Verein in einer ersten Aktion auf eigene Kosten bestellt und möchte sie „ab Anfang der Woche“ den Menschen im Ort kostenlos anbieten. Vorbild ist das Modell Tübingen. Die Stadt gilt derzeit als Ideal in Sachen testen und hält ihre Inzidenz seit Monaten auf einen niedrigen Level, das Öffnungen ermöglicht.

Werbegemeinschaft startet Test-Projekt

Genau danach sehnen sich die Geschäftsleute. „Wir müssen unsere Betriebe jetzt wieder schließen, weil es Cluster wie Kindergeburtstage oder Baustellen gibt, auf denen sich die Leute nicht an die Regeln halten“, schimpft Thomas Grasegger, Senior-Chef im Trachtenhaus. Nach dem dreimaligen Überschreiten der Inzidenz 100 ist der Einzelhandel ab heute gezwungen, wieder zu schließen.

Um Öffnungen zumindest in der Theorie schon näher zu kommen, startet die Werbegemeinschaft nun das Coronatest-Projekt. Acht Mitglieder des Vorstands haben sich schulen lassen und werden Interessierten das kleine Wattestäbchen in die Nase schieben. „Bleibt es bei den jetzigen Regelungen, dann darf ja spätestens nach den Osterferien zum Beispiel die Außengastronomie nur mit einem Negativtest besucht werden“, sagt Nelhiebel. Einen solchen Nachweis bekommen Kunden dann eben an der Teststation im Zentrum, wie auch bereits an fünf Apotheken im Landkreis. „Für die Leute gibt es dann eine Art Tagestestausweis.“

Wie genau die Öffnungszeiten aussehen werden, konnte Nelhiebel am Donnerstag noch nicht sagen. „Ich denke, so von 8.30 oder 9.30 Uhr bis maximal 17 Uhr.“ Ob sie einen großen Ansturm befürchtet – bei nur 1500 bestellten Tests? Nelhiebel zuckt die Schultern. „Ich weiß es nicht. Wenn die Leute bis zum Bischoffeck stehen, müssen wir uns etwas überlegen.“

Wichtig ist ihr, dass das Gesundheitsamt und die Gemeinde die Aktion voll unterstützen. „Wir kriegen jede Hilfe, die wir brauchen, vor allem für die Dokumentation.“ Dass die Gewerbetreibenden ein Risiko eingehen, ist der Vorsitzenden klar. „Wir wissen bis heute nicht, ob wir die Kosten für die Tests von den Kassen erstattet bekommen.“

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