Ein Mann steht vor einen Bild aus Blüten.
+
Sichtbar wird die Partnerschaft zwischen Genzano di Roma und Garmisch-Partenkirchen 2013 durch das Blumenbild, das nach einem Gemälde des Ende-Freunds Fritz Hörauf entsteht.

Zwei Brücken nach Italien

Michael Ende und Richard Strauss machen‘s möglich: Kultureller Austausch mit Genzano di Roma und Pesaro

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
    schließen

Musik verbindet – das wollen die Rossini-Stadt Pesaro und Garmisch-Partenkirchen, die Wahlheimat von Richard Strauss, vorleben. Deshalb soll der Gemeinderat eine Absichtserklärung für diese Partnerschaft abgeben. Dass schon eine kulturelle Kooperation mit Italien besteht, ist dabei fast in Vergessenheit geraten.

  • Kulturelle Partnerschaft mit Genzano di Roma wurde vier Jahre lang aktiv gelebt.
  • Neuer Bürgermeister der italienischen Partnergemeinde hat wieder Interesse am Austausch mit garmisch-Partenkirchen.
  • Das eine tun, aber das andere nicht lassen: Bürgermeisterin Koch strebt Kooperation mit Rossini-Stadt an.

Garmisch-Partenkirchen – Drei Partnerstädte hat Garmisch-Partenkirchen – mit Aspen/USA, Chamonix in Frankreich und dem finnischen Lahti verbindet den Markt vor allem der Wintersport. Dass sich der Austausch auch auf kultureller Ebene anbietet, man dafür sogar von EU-Fördertröpfen profitieren kann, hat die Gemeinde durch Michael Ende realisiert. Der Schriftsteller, der 1929 in Garmisch-Partenkirchen geboren wurde, schlug 2011 die Brücke nach Italien. Mit seiner Wahlheimat Genzano di Roma, wo er 20 Jahre lebte, besiegelte der damalige Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) 2013 eine kulturelle Zusammenarbeit. Anlass war auch der 40. Jahrestag der Veröffentlichung von „Momo“. Das heute noch aktuelle Werk über das Mädchen, das es mit den Zeitdieben aufnimmt, hatte Ende in den Albaner Bergen, etwa 30 Kilometer von Rom entfernt, verfasst.

Welch bedeutenden Autor sie in ihrem Ort beherbergen, ahnten die Bürger von Genzano lange nicht. In den 1970er Jahren, als der mittlerweile verstorbene Schriftsteller die Villa Liocorno (Einhorn) bezog, lebten mehrere Deutsche dort. Daran erinnerte Kämmerer Bruno Romagnoli 2013 bei der Unterzeichnung der Kooperation. Er lernte Ende sowie seinen Freund und Lektor Roman Hocke, der den Kontakt zwischen Genzano und Garmisch-Partenkirchen hergestellt hatte, damals kennen. „Michael Ende war sogar mein Trauzeuge“, erzählte Romagnoli. Erst später, als dieser mit „Momo“ und der „Unendlichen Geschichte“ weltweit Erfolge feierte, wurde den Italienern Endes Bedeutung klar. Solange Bürgermeister Flavio Gabbarini am Ruder war, gab es deshalb verschiedene Initiativen zu seinen Ehren – darunter die grenzübergreifende.

Besiegeln die Kooperation: (v.r.) die Bürgermeister Flavio Gabbarini und Thomas Schmid mit Genzanos Kämmerer Bruno Romagnoli 2013 bei der Unterzeichnung der kulturellen Partnerschaft

Vier Jahre lang wurde diese Partnerschaft gelebt – im Rahmen des Kultursommers in Garmisch-Partenkirchen, wo sie durch einen von italienischen Künstlern auf dem Michael-Ende-Platz gefertigten Blumenteppich sichtbar wurde. Aber auch in Genzano, wo der Schriftsteller etwa beim Blumen-Festival Infiorata eine Rolle spielte. Dann geriet sie in Vergessenheit.

Partnerschaft mit Genzano di Roma soll beim Michael-Ende-Fest 2022 wieder aufleben

„Nach Gabbarinis Abwahl wurde diese Kooperation nicht weiter gepflegt“, bedauert Georg Büttel, Vorsitzender der Phantastischen Gesellschaft, die sich dem Autor und seinem Werk verschrieben hat. Die frisch gekürten Vertreter der M5S – „Movimento 5 Stelle“, eine EU-skeptische und populistische Partei in Italien – „hatten kein Interesse an dem Austausch“, bestätigt Rathaussprecherin Sandra Debus. Als der Kontakt zu Genzano wieder hergestellt werden sollte, habe Schmids Nachfolgerin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) das Ganze nicht weiter verfolgt, weiß Debus von Hocke. Möglicherweise auch, weil der Kultursommer nach der Insolvenz von Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia, nicht mehr stattfand.

„Nun regiert die PD (Partito Democratico) wieder und eine positive Zusammenarbeit wäre denkbar und vorstellbar“, betont Debus. Im Rahmen des Michael-Ende-Festes, welches coranabedingt von Seiten der Phantastischen Gesellschaft von heuer auf 2022 verschoben wurde, stand eine erneute Annäherung auf dem Programm.

Daran liegt auch Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU), die sich aktuell für den Kulturaustausch zwischen Pesaro, der Geburtsstadt des berühmten Komponisten Gioachino Rossini, und Garmisch-Partenkirchen, der Wahlheimat von Richard Strauss, stark macht. Eine entsprechende Absichtserklärung soll der Gemeinderat abgegeben, um sich für den neu aufgesetzten deutsch-italienischen Kulturförderpreis des deutschen Bundespräsidenten und des italienischen Staatspräsidenten bewerben zu können. Die Aussichten, diesen zu erhalten, seien gut, bestätigt Koch. Das eine tun, heißt ihr zufolge aber nicht, das andere lassen. Die Förderung Endes ist ebenfalls ein Anliegen, das Koch verfolgt. Deshalb strebt sie auch eine Wiederbelebung der Beziehungen zu Genzano di Roma an. Das umfassende Werk des Schriftstellers, das die Bürgermeisterin visionär nennt, verbindet schließlich auch Länder. Dass ein solcher Austausch EU-Fördermittel bringt, ist Koch bewusst.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare