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Neue Wirkungsstätte des Ex-Kultursommer-Veranstalters: das Festspielhaus in Füssen. 

Vom Kultursommer zum Königstraum

Zwipf-Zaharia ist neuer Intendant des Festspielhauses Füssen

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Den Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen gibt’s nicht mehr. Der Grund: die Insolvenz von Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia. Während viele Beteiligte noch auf ihr Geld warten, hat er ein neues Engagement gefunden: Intendant des Festspielhauses Füssen.

Garmisch-Partenkirchen – Königliche Unterhaltung – damit wirbt das Festspielhaus in Füssen auf seiner Homepage. Verantwortlich für das Programm ist kein Unbekannter – und das gilt fürs Allgäu genau wie für das Werdenfelser Land. Florian Zwipf-Zaharia heißt der neue Intendant der Spielstätte am Forggensee. Damit kehrt der frühere Veranstalter des Kultursommers in Garmisch-Partenkirchen, der mit seiner Cultus Production GmbH insolvent gegangen ist, zu seinen Wurzeln zurück. Und damit hat er sehr schnell nach dem überraschenden Ende der Reihe wieder ein Engagement gefunden. Etwas, das nicht von allen Beteiligten des Kultursommers vergönnt war. Viele von ihnen warten noch immer auf ihr Geld.

Florian Zwipf-Zaharia ist neuer Intendant des Festspielhauses Füssen. 

Den künftigen Aufgabenbereich des 59-Jährigen kommentiert Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) nicht. Was sie allerdings beschäftigt, ist die Abwicklung der Insolvenz. Nicht aus Sicht der Gemeinde, die dadurch keinen Schaden erlitten habe, sondern mit Blick auf die Kultursommer-Mitarbeiter, deren Leistungen 2016 insolvenzbedingt bislang gar nicht oder nur teilweise vergütet worden waren. „Ich kann mir nur wünschen, dass das Ganze friedvoll zu Ende gebracht wird.“

Die Cultus Production wird nun abgewickelt, teilt Silvia Ender, Sprecherin der Sorg Insolvenzverwaltung mit Sitz Ulm, auf Tagblatt-Nachfrage mit. „Das heißt, das bestehende Vermögen der GmbH wurde in Geld umgesetzt, um die Ansprüche der Gläubiger zu befriedigen.“ Inwieweit das gelingt, vermag sie nicht abzuschätzen. Die Forderungen von Künstlern und Kartenbesitzern seien mittlerweile eruiert, mehr kann Ender derzeit nicht sagen. Von Zwipf-Zaharia habe man sich im besten Einvernehmen getrennt: „Er ist ja schon in ein neues Projekt involviert.“

Zur Vergangenheit und den 14 Jahren als Kultursommer-Veranstalter äußert sich auch Zwipf-Zaharia nicht. Nur soviel lässt sich der Füssener entlocken: „Schade, wie das jetzt zu Ende gegangen ist.“ Sein Blick richtet sich nun nach vorn, darauf dem gebeutelten Festspielhaus neues kulturelles Leben einzuhauchen. Als Angestellter und nicht mehr als Selbstständiger, der er bei seinem Garmisch-Partenkirchner Engagement noch war.

Der Betrieb der Spielstätte war nach einer Insolvenz der Betreibergesellschaft, übrigens der dritten Pleite seit 2003, im September 2016 eingestellt worden. Unter der Regie von Jan D. Leuze und Manfred Rietzler von der „Ludwigs Grundbesitz GmbH & Co. KG“ soll das Theater nun in ruhige Fahrwasser gebracht werden.

Eine Herausforderung, der sich Zwipf-Zaharia mit viel Elan stellt. „Es waren sehr schöne Jahre hier in Füssen“, sagt er im Hinblick auf die Rückkehr an seine frühere Wirkungsstätte. „Die Vergangenheit zählt aber nicht. Wir freuen uns auf das, was die kommenden Jahre uns alles bringen werden.“

1999 bis Ende 2001 fungierte er als Theaterdirektor in dem Festspielhaus direkt gegenüber von Deutschlands wohl bekanntester Sehenswürdigkeit, dem Schloss Neuschwanstein. Damals firmierte es noch unter dem Namen „Musical Theater Neuschwanstein“. Zwipf-Zaharia war maßgeblich an der Betreuung der Bautätigkeiten und des Aufbaus des Theaterbetriebs, der zunächst allein auf das Musical „Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies“ ausgerichtet war, beteiligt. Später rückte er in den Vorstand auf.

Er musste jedoch gehen, als das Ludwig-Musical Anfang 2002 von einer AG in eine GmbH umfunktioniert wurde, verbunden mit einer Umorganisation der Führungsspitze, berichtet die Allgäuer Zeitung. Nun soll Zwipf-Zaharia im Auftrag der neuen Besitzer ein Kultur-Programm im Festspielhaus Füssen erstellen und – wie es bei seiner Einstellung hieß – „aus diesem fantastischen Theaterbau einen Ort des kreativen Schaffens und der schönen Künste machen“.

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