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Hitzige Diskussionen über Sinn und Unsinn des Radfahr-Verbots zu bestimmten Zeiten in der Garmischer Fußgängerzone führen Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (l.), Vertreter des Ordnungsamts und der Polizei mit Befürwortern und Gegnern.

Orttermin in der Garmischer Fussgängerzone

Radfahrer zeigen Bürgermeisterin den Vogel

Das Radfahrverbot in der Garmischer Fußgängerzone spaltet die Bevölkerung in Gegner und Befürworter der neuen Regel. Bei einem Ortstermin stellte sich Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer den Fragen und hörte sich die Meinungen an. Die Fronten bleiben verhärtet.

Garmisch-Partenkirchen– „Steigen Sie bitte ab! Hier ist eine Fußgängerzone, es gibt ein Radfahrverbot.“ Immer wieder werden am frühen Montagnachmittag Bürger auf die neue Regelung aufmerksam gemacht. Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) hatte sich zusammen mit Wolfgang Berger und Angelika Schott vom Ordnungsamt, unterstützt von Polizeidirektor Thomas Kirchleitner und Polizeihauptkommissar Klaus Schmidt, am Richard-Strauss-Platz postiert, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Zuvor war sie von der Klammstraße aus durch die Fußgängerzone spaziert. „Fünf Radler habe ich gebeten, abzusteigen. Drei haben das ignoriert und mir sogar den Vogel gezeigt“, berichtet sie.

Die Aufregung der heftig diskutierenden Erwachsenen kann der 15 Monate alte Henri, mit der Mama unterwegs, überhaupt nicht verstehen. Kein Wunder: Mit Helm und Schnuller ausgerüstet, darf er auf seinem Laufrad anstandslos durch die Garmischer Fußgängerzone flitzen. Mädchen und Buben bis zehn Jahre ist es weiterhin erlaubt, zwischen Marienplatz und Richard-Strauss-Platz zu radeln. Alle anderen müssen schieben. Verbotsschilder weisen darauf hin, dass nur zwischen abends 20 Uhr und morgens 10 Uhr das Areal per Rad durchquert werden darf.

Dr. Meierhofer und Co. sind schnell umringt von Bürgern – und die Meinungen prallen aufeinander. „Das Gespräch hätte ich mir vor dem Verbot gewünscht“, sagt Thomas Bochmann, und viele nicken zustimmend. „Könnte man nicht weiterhin erlauben, in Schrittgeschwindigkeit durch die Fußgängerzone zu radeln?“, werfen andere in die Debatte ein. Die Bürgermeisterin, selbst bekennende Radfahrerin, weiß, dass die, die sich immer rücksichtsvoll verhielten, jetzt auch betroffen sind. Trotzdem: Die Beschwerden auf ihrem Schreibtisch häuften sich, es musste noch vor der Haupturlaubszeit gehandelt werden. „Wer Schrittgeschwindigkeit fährt, kann doch auch laufen“, argumentiert Meierhofer.

Das findet Zustimmung bei den Fußgängern: „Danke, dass wir uns jetzt sicherer fühlen dürfen“, sagt Karin Rese, die auch für ihre Nachbarin, die auf den Rollator angewiesen ist, spricht. Das Wiesbadener Ehepaar Groth, seit 15 Jahren Urlauber in Garmisch-Partenkirchen, bestätigt, dass im Gegensatz zu früheren Jahren inzwischen sehr aggressiv in der Fußgängerzone gefahren wird. „Wenn ich jetzt schnell einmal etwas besorgen muss, bin ich angeschmiert“, entlädt eine Radlerin ihren Unmut. Eine Steilvorlage für Meierhofer: „Genau das ist es: Fürs Schnellfahren ist die Fußgängerzone nicht da“, verweist sie auf andere Orte wie Murnau, wo ebenfalls Radfahren verboten ist.

Auch der Vorschlag, einen rot markierten Radweg quer durch zu ziehen, wird abgeschmettert. „Der Platz für einen Radl-Gegenverkehr ist einfach nicht gegeben“, erklärt Polizeidirektor Kirchleitner. Er verspricht aber, verstärkt auch Pkw, die in der Fußgängerzone nichts zu suchen haben, kontrollieren zu lassen.

Das Radfahrverbot hält Gemeinderätin Ursula Höger (SPD) grundsätzlich für den falschen Weg: „Moderne Städtekonzepte sehen immer einen Konsens vor, denn um jeden, der das Auto stehen lässt, müssen die Kommunen dankbar sein.“ In diese Bresche springen viele der Umstehenden. „Wir haben ja keine Alternative, denn die Zimmermannsgasse ist ja auch nur eingeschränkt befahrbar“, so der Tenor. „Der Radweg durchs Ortszentrum wird gebaut und hat Priorität“, verspricht die Bürgermeisterin.

Bereits am kommenden Montag steht das Thema auf der Tagesordnung im Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats. Die Kommunalpolitiker wollen die Ingenieurleistungen für die Radwegeverbindung zwischen Richard-Strauss- und Mohrenplatz vergeben.

Margot Schäfer

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