Tourismus-Ausschuss gibt Grünes Licht

Garmisch-Partenkirchen soll Urlaubsziel für Radfahrer werden

Garmisch-Partenkirchen - Der Kreisort ist Wintersport-Destination und im Sommer Wanderziel. Künftig sollen zudem verstärkt Radfahrer als Urlauber angelockt werden. Eine Idee, die nicht neu ist.

Wenn man so will, ist für Dr. Stephan Thiel am kommenden Mittwoch Zahltag. Dann erfährt der Grünen-Gemeinderat, was alles wert war. Die vielen, vielen Stunden (ehrenamtliche) Arbeit, die Sitzungen, das Brüten über Grafiken, all die Gespräche – kurzum die ganze Energie, die er in das Radwegekonzept für Garmisch-Partenkirchen gesteckt hat. Denn am Mittwoch entscheidet der Gemeinderat darüber, wie viel Geld in die Umsetzung fließt. Fünfstellige Beträge sollte die Gemeinde jedes Jahr über einen längeren Zeitraum investieren. Grundsätzlich gab es vom Hauptausschuss, wie berichtet, schon mal Grünes Licht. Am Donnerstag ging es auch im Tourismusausschuss um Thiel und sein Fahrrad-Projekt. Aber mit einem ganz anderen Ansatz: Im Fokus stand ein Bekenntnis dazu, Urlaubszielort für Radfahrer werden zu wollen. Das eigentliche Wegekonzept wurde nur am Rande angesprochen. „Dabei ist ja das Ziel das Ziel“, sagte Thiel. Während für die Radfahrer „der Weg das Ziel ist“.

Welches Potenzial im Zweirad-Tourismus steckt, erklärte Tanja Brunnhuber, Dozentin an der Fachhochschule Kempten, dem Gremium: Demnach finden sich allein in Deutschland 14 Millionen Mountainbiker. Immer mehr Frauen würden Spaß an dem Sport haben. Und: Ein Gast würde statistisch 75 Euro pro Tag im Ort ausgeben. „Meine Erfahrungswerte zeigen aber, dass die Zahl doppelt so hoch ist“, unterstrich Brunnhuber. Auf ihre Ausführungen, die einen stetig wachsenden Markt umschrieben, erklärte Tourismus-Direktor Peter Nagel, dass Garmisch-Partenkirchen davon schon vor zwölf Jahren profitieren wollte. „Das war damals aber schwierig.“ Zum einen galt es, Grundstücksfragen, zum anderen viele offene Dinge mit Forst und Naturschutz zu klären. Nichtsdestotrotz mache es aber noch immer „mehr als Sinn“, ein Angebot für Fahrradfahrer zu schaffen, „wenn man es richtig macht“. In Betracht könnten zum Beispiel Strecken am Hausberg kommen. Man dürfe Nagel zufolge aber nicht außer Acht lassen, dass sich inzwischen schon viel getan hat. So verfügen die österreichischen Nachbarn in der Zugspitzarena bereits über sieben Singletrails für Mountainbiker.

Ohne große Diskussion war sich der Tourismusausschuss einig, dass Garmisch-Partenkirchen den Trend nicht verschlafen sollte. Als Empfehlung an den Gemeinderat wurde einstimmig beschlossen, grundsätzlich eine Fahrraddestination werden zu wollen. Und zwar im und mit dem Landkreis. Dazu soll in folgenden Schritten vorgegangen werden: Die Zielgruppe festlegen, ein Konzept für die Infrastruktur ausarbeiten, Fördermöglichkeiten abstecken und die Idee letztlich umsetzen. Das Wichtigste dabei in den Augen von Expertin Brunnhuber: „Es muss einen geben, der den Hut aufhat, bei dem alle Fäden zusammenlaufen.“ Wer dieser eine sein könnte, ist laut Thiel noch nicht klar. Grundsätzlich sei es denkbar, dass eine zweite Radlgruppe installiert wird – praktisch das touristische Pendant zu der Arbeitsgruppe um Thiel, die sich seit eineinhalb Jahren für das gemeindliche Radwegekonzept eingesetzt hat.

Rubriklistenbild: © dpa

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