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Ein schwerer Schatz, gut gehütet: Der Garmisch-Partenkirchner Standesamtsleiter Hermann Gerg (l.) und der Vorsitzende des Fachverbandes der bayerischen Standesbeamten, Klaus Holub, mit einem Registerband von anno dazumal.

Umstellung in Standesämtern

Vorbei ist's mit der guten, alten Zeit der Bücher

  • Matthias Holzapfel
    vonMatthias Holzapfel
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Garmisch-Partenkirchen - Die schweren Bücher hüten allerlei Geheimnisse: zu Geburten, Hochzeiten und Sterbefällen. Früher notierten die Standesbeamten in den Bänden sogar noch die Ursache für einen Tod. Jetzt geht die Zeit der Personenregister auf Papier Zeit zu Ende.

Der Schatz funkelt nicht. Er ist auch nicht vergraben. Aber er ist schwer, riecht nach echtem Leder und altem Papier – und wird gut gehütet in massiven Stahlschränken, versperrt und vor Feuer geschützt. Ein Schatz, der viel über Menschen verraten könnte, ganz gleich ob einfache Leut’ oder berühmte Persönlichkeiten. Auch Hermann Gerg könnte viel verraten. Er ist als Leiter des Garmisch-Partenkirchner Standesamtes der Hüter dieses Schatzes: dickleibige Bücher mit Einbänden in edlem Rot, Grün oder cremefarben. Er darf natürlich nichts erzählen. Zum Beispiel über den berühmten Komponisten Richard Strauss.

„Er ist ja in Garmisch-Partenkirchen gestorben. Da gibt es einen Eintrag“, sagt er nur. Der Rest ist Datenschutz. Für jeden Bereich des Lebens in Garmisch-Partenkirchen, die Geburt, die Eheschließung und den Tod, hat das Standesamt Register angelegt. Jedes Jahr für jeden Bereich ein Band. Seit 1876. Doch vorbei ist die romantische Zeit der Bücher, nun hat die Zukunft begonnen. Seit Anfang April werden im Kreisort die Daten im Computer erfasst und in Bayreuth gespeichert. Bis 30. Juni soll die Umstellung in allen bayerischen Rathäusern beendet sein.

Mit dieser Zukunft werden sich von 22. bis 24. April auch an die 500 Standesbeamte aus dem Freistaat befassen: In der Marktgemeinde findet die Landesfachtagung „Personenstandswesen“ statt.

Früher führten Standesbeamte die Register handschriftlich. Mancher hatte auch eine Schreibkraft. Wohl aus gutem Grund. „Der Bürgermeister war Standesbeamter. Wenn der zum Beispiel im Hauptberuf Landwirt war, dann war’s mit der Lesbarkeit der Schrift nicht so weit her“, schildert Klaus Holub aus München, der Vorsitzende des Fachverbands der bayerischen Standesbeamten, mit einem Schmunzeln. „Da sind wir heute noch ab und zu am Rätseln, was der Schreiber gemeint hat.“ Später klopften die Standesbeamten die Daten mit der Schreibmaschine auf Papiere – oder sie tippten Vorname und Name, Geburtsdatum und -ort in den Computer und druckten die Formulare aus, um sie am Jahresende wieder zu einem Buch zu binden.

Beweiskraft habe nur Papier mit Unterschrift besessen, erklärt Holub. Jetzt signieren die Beamten, wenn sie eine Karte in der Größe einer Kreditkarte durch ein Lesegerät am Computer ziehen.

Für die Menschen in Bayern hat das elektronische Zentralregister viele Vorteile. Sie können, wenn diese Daten erfasst sind, in jedem Rathaus des Freistaates eine Geburtsurkunde erhalten oder sich zur Eheschließung anmelden. Die Daten seien in Bayreuth sicher, sagt Holup. Wie ein vergrabener Schatz.

Matthias Holzapfel

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