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Der Umbau des Patton Hotels zur Seniorenresidenz dürfte bald beginnen. Deshalb müssen 102 Asylbewerber bis zum Jahresende in andere Unterkünfte verteilt werden. Weitere 74 Flüchtlinge dürfen noch bleiben.

Dr. Sigrid Meierhofer fordert gerechte Verteilung der Flüchtlinge

102 Asylbewerber müssen aus Patton Hotel ausziehen

Garmisch-Partenkirchen - Über die Hälfte der Flüchtlinge im Landkreis lebt in Garmisch-Partenkirchen – gerechte Verteilung sieht anders aus. Diese fordert Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Aktuell noch vehementer als sonst. Denn 102 Asylbewerber müssen aus dem Patton Hotel ausziehen.

Wenn’s reicht, dann reicht’s. Dann kann auch eine Dr. Sigrid Meierhofer mal grantig werden. In solchen Fällen bleibt sie zwar sachlich, wird aber in ihrer Wortwahl überaus deutlich, in ihrem Ton unterkühlt. Diese Mischung dürften ihre Kollegen in der Bürgermeisterdienstbesprechung vor einigen Wochen erlebt haben. In dieser machte sie klar: Jetzt sind die anderen dran. „Ich dränge darauf, dass der Landkreis seiner Pflicht nachkommt.“ Sie fordert endlich eine „gerechte Lösung“. Meierhofer (SPD) redet von der Verteilung der Asylbewerber. Im Oktober waren in Garmisch-Partenkirchen 598 Flüchtlinge untergebracht – mehr als die Hälfte aller 1122 Migranten im Landkreis. Ein Ungleichgewicht, das Meierhofer schon lange missfällt. Jetzt nutzt sie einen konkreten Anlass, um ihren Standpunkt noch einmal klar zu machen: In den nächsten Wochen müssen 102 Asylbewerber eine neue Unterkunft finden. „Und die wird nicht in Garmisch-Partenkirchen sein“, sagt Meierhofer. So sicher ist dies jedoch keineswegs.

Derzeit wohnen die Asylbewerber – überwiegend alleinstehende Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren aus Afghanistan, Nigeria, Pakistan und dem Iran – im ehemaligen General Patton Hotel an der Osterfelderstraße in Garmisch-Partenkirchen. Dort aber können sie nicht bleiben. Denn zum Jahresende läuft der Vertrag zwischen der Regierung von Oberbayern und Ibrahim Kavun aus.

Unternehmer ersteigerte Komplex 2014 für 1,72 Millionen Euro

Der Bauunternehmer will aus dem Komplex, in dem früher Militärangehörige der US-Streitkräfte ihren Urlaub verbrachten, eine Seniorenresidenz machen. Das ist lange bekannt, dafür ersteigerte Kavun das 6115 Quadratmeter große Areal für 1,72 Millionen Euro. Die Vertragskündigung dürfte also keinen der Beteiligten überraschen.

Sofort nach dem Kauf im Juli 2014 –im September zogen die ersten Asylbewerber ein – erkundigte sich Meierhofer: Wie lange steht das Patton Hotel zur Verfügung? Kavun Antwort: für etwa drei Jahre. Daraus wurden nun zweieinhalb. Doch kam die Kündigung nicht von heute auf morgen.

Vor einigen Monaten schon hatte Meierhofer gehört, „dass etwas im Busch ist“ und Verhandlungen laufen. In diese ist sie nicht involviert, das ist Sache der Regierung von Oberbayern beziehungsweise vor Ort des Landratsamtes. Die Behörde weiß nach eigener Auskunft seit Anfang Oktober, dass der Vertrag nicht verlängert wird.

74 Flüchtlinge können bis mindestens Ende 2017 im Patton Hotel bleiben 

Dies betrifft nicht alle Bewohner. 176 Menschen leben im Patton Hotel, 102 davon sind Asylbewerber – sie müssen ausziehen. Für ihre Unterbringung ist das Landratsamt zuständig. Die übrigen 74 verfügen über ein Bleiberecht. Für sie muss der Markt Wohnungen finden. Aber erst in gut einem Jahr. Denn Kavun baut den Komplex in mehreren Schritten um.

Mit seinen Plänen befasste sich der Bauausschuss. Um Dachneigungen, Wandhöhen und Grundrisse sollten die Mitglieder in ihrer Sitzung diskutieren. Doch mindestens genauso beschäftigten sie die Folgen des Umbaus. Man war sich einig: Die Gemeinde braucht Zeit, um Wohnraum für sozial Bedürftige zu schaffen. Der Vertrag für die anerkannten Flüchtlinge müsse bis 31. Dezember 2017 laufen, betonte CSU-Gemeinderat Alois Maderspacher. Er forderte Meierhofer daher auf, sie möge sich mit Kavun in Verbindung setzen.

Vor wenigen Tagen telefonierte sie mit dem Bauunternehmer. Dieser hat ihr versichert: Bis mindestens Ende 2017 haben die Flüchtlinge mit Bleiberecht ihren Platz im Patton Hotel. „Das gibt er mir auch schriftlich.“

Asylbewerber werden im ganzen Landkreis verteilt

Den 102 Asylbewerbern hilft das nicht weiter. Ihre Lösung präsentiert das Landratsamt: Sie werden im Landkreis untergebracht – dort, wo Platz ist. „Einige bleiben bestimmt in Garmisch-Partenkirchen“, sagt Behördensprecher Stephan Scharf. Sicher jene, die im Ort einer Beschäftigung nachgehen.

Um diese wenigen geht es Meierhofer nicht. Ihr geht es um das große Ganze. Um Gerechtigkeit. „Und darauf poche ich.“

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