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Friedliche Demonstration: Gut 200 Menschen ziehen vom Rathaus über den Bahnhof zum Richard-Strauss-Platz und demonstrieren gegen den weltweiten Terror.

Weitere Kundgebungen möglich

Anti-Terror-Demo: Friedensmarsch wird Namen gerecht

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Garmisch-Partenkirchen - Ein Zeichen gegen den Terror wollte Ilknur Cabir setzen und hat damit gut 200 Menschen angesprochen. Gemeinsam zogen sie am Sonntag durch Garmisch-Partenkirchen. 

Ilknur Cabir strahlt. Übers ganze Gesicht. Sie ist absolut zufrieden mit der Resonanz auf ihren Friedensmarsch. Auch wenn nicht die erwarteten 500 bis 600 Teilnehmer vom Garmisch-Partenkirchner Rathaus über den Bahnhof zum Richard-Strauss-Platz marschiert sind, um gegen den Terror in der Türkei und in der ganzen Welt zu demonstrieren. Gut 200 waren’s, die am Sonntagmittag überwiegend mit türkischen, einige auch mit deutschen Flaggen ausgestattet dem Aufruf der 31-Jährigen gefolgt waren. Und die kämpften zwar stimmgewaltig, aber völlig friedlich für ihr Anliegen. Die Befürchtungen, die im Vorfeld ihrer Veranstaltung laut geworden waren, erwiesen sich somit als unbegründet. Auch wenn die Teilnehmer, unter denen zahlreiche Kinder waren, lautstark „Verflucht sei die PKK“ skandierten. Das, weitere Kritik an der kurdischen Arbeiterpartei und „stärkt das Vaterland“ erfolgten auf türkisch. Rufe für den Frieden und gegen den Terror hallten in deutscher Sprache durch die Straßen.

Der störungsfreie Ablauf, ein Glück – darüber sind sich Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und Andreas Guske, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern, einig. „Ich bin sehr froh, dass es so entspannt gelaufen ist“, sagt Meierhofer. Für sie und auch die übrigen Beteiligten war dieser Friedensmarsch ein Novum. Keiner wusste, womit zu rechnen ist. Keiner ahnte, ob nicht doch PKK-Anhänger auftauchen und wie am Ostersonntag in Aschaffenburg für Krawall sorgen. Unter diesen Vorzeichen erschien die Polizei auch mit einem gewaltigen Aufgebot vor Ort. Neben Beamten der hiesigen Inspektion marschierte auch ein Großaufgebot der Bereitschaftspolizei am Rathausplatz auf. Sobald klar war, wie der Friedensmarsch ablaufen würde, zog sich das Gros aber ziemlich schnell zurück – zu den Fahrzeugen, die im Pausenhof des Werdenfels-Gymnasiums abgestellt waren.

Cabirs Aufruf, gemeinsam ein Zeichen gegen den Terror zu setzen, hatten überwiegend Menschen mit türkischen Wurzeln gehört. Nach den katastrophalen Anschlägen war Gülabi Erkoc wichtig, „nicht nur mit Paris und Brüssel Solidarität zu zeigen, sondern auch mit der Türkei“. Nein zur Gewalt, die weltweit immer mehr zunimmt, sagt auch Ali Yüksel, der sich eine deutsche Flagge umgehängt hatte. „Dieses Leiden muss aufhören.“ Für „weltweiten Frieden“ und gegen den bestialischen Mord an Unschuldigen sprach sich Mine Uygur ebenfalls aus. Nicht die Politik ist es, deretwegen sie auf die Straße gegangen ist, sondern die verheerenden Attentate weltweit veranlassten sie dazu. Für alle Opfer legte Cabir bei der Schlusskundgebung am Richard-Strauss-Platz eine Schweigeminute ein. Ein schönes Zeichen.

Gesten wie diese überzeugten auch Alois Schwarzmüller, der den Zug begleitete. Was ihn allerdings störte, war, dass sehr viel auf türkisch kommuniziert wurde. „Und das kann ich zu wenig“, betonte der Burgrainer. Schade, fand er dieses Verständigungsproblem, das ihm auch zu denken gebe. Möglicherweise war es auch diese Sprachbarriere, die Menschen, die das Geschehen am Straßenrand und von ihren Balkonen verfolgten, davon abhielt, sich dem Zug anzuschließen. Nachdem Cabir, ermutigt von ihrer ersten Demonstration, an eine Fortsetzung denkt, kann sie daran noch arbeiten. Wann ihr zweiter Friedensmarsch ansteht, weiß die Garmisch-Partenkirchnerin noch nicht. „Das Ganze war sehr zeitaufwändig, und ich musste mir viele Beleidigungen anhören, aber ich kann mir vorstellen, so etwas wieder zu machen.“

"Friedensmarsch für die Türkei und die ganze Welt": Die Bilder

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