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Beleuchten das Thema Armut: Siegfried Appler mit Anette Wagner (l.) und Nadja Braun von der Caritas.

Die Schere geht immer weiter auseinander

Armut im vermeintlich reichen Landkreis nimmt zu

Garmisch-Partenkirchen - Das Problem wird immer deutlicher: Im Landkreis gibt es nicht nur Wohlstand. Im Gegenteil: Die Armut nimmt zu - Tendenz steigend.  

Die Tafel im Landkreis, die seit einigen Jahren in Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, Oberammergau und Murnau Menschen mit schmalem Geldbeutel mit dem Lebensnotwendigsten versorgt, macht das Problem sichtbar: Die Region Garmisch-Partenkirchen ist nicht nur wohlhabend – es gibt auch Armut, Tendenz zunehmend. Ein aktuelles Thema also, zu dem die Kreis-FDP mit ihrem Ersten Vorsitzenden Siegfried Appler Parteifreunde und Interessierte in den Partenkirchner Gasthof Zum Schatten einlud. Auf breites Interesse stieß der Abend nicht, aber die wenigen Gekommenen, zu denen die Seniorenbeauftragte der Marktgemeinde Ursel Kössel (CSB) gehörte, diskutierten eifrig. 

In Anette Wagner und Nadja Braun vom Caritas-Verband hatte sich Appler kompetente Referentinnen geholt, die an der Basis, unter anderem bei der Schuldnerberatung und in der Prävention, tätig sind. Sie gingen zunächst auf die Ursachen von Armut ein. Hier spielen bekanntlich Schulbildung, Lebensumstände, Erkrankungen, unzureichende Altersvorsorge, die gesellschaftliche Rolle der Frau und lange Arbeitslosigkeit eine große Rolle. „Im Landkreis ist die Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent 2014 auf 4,4 Prozent 2015 gestiegen, während sie in Gesamtbayern von 4,3 auf 4,1 gesunken ist“, nannte Wagner Fakten. Aktuell sind es doppelt so viele Haushalte wie im bayerischen Durchschnitt, die unter der Einkommensgrenze von 1100 Euro netto liegen. Trotz sozialstaatlicher Maßnahmen geht die Schere zwischen Arm und Reich gerade in der Region immer weiter auseinander. Hier gibt es viele gering bezahlte Jobs in der Gastronomie, der Tourismusbranche und im Dienstleistungsgewerbe. 

Niedrigen Gehältern und zu wenig Jobangeboten stehen hohe Mieten und die zu geringe Zahl an Sozialwohnungen gegenüber. „Natürlich geht es bei unserem Armutsverständnis nicht ums bloße Überleben, aber wer arm ist, hat keine Teilhabe an der Gesellschaft“, erklärte Braun. „Hier ist die Politik in der Pflicht, aber es passiert zu wenig“, bekam Appler Zustimmung von den Diskussionsteilnehmern. 

Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen wie Caritas, Diakonie, BRK, SkF und andere sind es, die bei Sozialleistungsanträgen, Schulden und anderen Krisensituationen beraten, sich kümmern sowie mit zahlreichen Angeboten, unterstützt von Kirchen und Stiftungen, im Kleinen helfen. Deren Mitarbeiter wie Braun und Wagner sowie viele Ehrenamtliche spüren dabei eine gewisse Ohnmacht. Hier forderte Horst Kumke (FDP) auf, auch einmal andere, effektivere Wege bei der Hilfe zu gehen. „Statt ein Projekt, wie das Untersuchen der häuslichen Geräte, zu initiieren, könnten Fachleute sozial Schwache dahingehend beraten, wie man durch Energieanbieterwechsel Kosten sparen kann, damit der Strom eben nicht abgeschaltet wird.“ Den Vorschlag wollen die Caritas-Mitarbeiterinnen gern weitergeben. Applers Fazit: „Bessere Teilhabe an der Gesellschaft für die sozial Schwachen, für die Armen im Landkreis – das ist ein politischer Aufruf.“ Dafür, versprach er, werde sich seine Partei stark machen.

Margot Schäfer

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