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Selbstversuch: Vize-Landrat Dr. Michael Rapp testet, wie er sich ohne Augenlicht zurechtfindet.

Wo anfangen und wo aufhören?

Ein Landkreis ohne Barrieren

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Garmisch-Partenkirchen - Bayern soll bis 2023 barrierefrei werden. Um dieses Ziel zu umzusetzen, plant der Planungsverband Region Oberland eine Veranstaltungsreihe.

Damit behinderte Menschen sorglos leben und sich auch im öffentlichen Raum frei bewegen können, sollen in der Zukunft alle Gebäude, Wege und Plätze barrierefrei werden. Und zwar nicht nur für Gehbehinderte, sondern auch für Seh- und Hörgeschädigte. Ein ehrgeiziges Ziel, für das sich die Initiative „Bayern barrierefrei 2023“, von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ins Leben gerufen, einsetzt. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die Beauftragten für Menschen mit Behinderung des Planungsverbands Region Oberland zusammen getan und haben eine landkreisübergreifende Veranstaltungsreihe im Visier. Im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen fand nun eine Fachtagung dazu statt.

Etwa 50 Entscheidungsträger aus den Kommunen – dem Planungsverband gehören die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau an – waren gekommen, um sich über Barrierefreiheit im öffentlichen Raum auszutauschen. Diese bietet nicht nur Senioren mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen Erleichterungen und eine bessere Orientierung, sondern bringt für alle Bürger, aber auch für Gäste Vorteile.

Mit barrierefreiem Bauen setzte sich Christine Degenhart auseinander. Dabei warf sie die Frage in den Raum, wie Länder und Gemeinden Straßen und Häuser bauen und gestalten sollen, dass sie auch von behinderten Menschen genutzt werden können. Entscheidend sei, die Wege kontrastreich, mit verschiedenen Materialien anzulegen, verdeutlichte die Beraterin der Bayerischen Architektenkammer. „So können auch Sehbehinderte Veränderungen mit ihrem Tastsinn wahrnehmen.“ Schwellenlose Plätze, durchgehende Leitlinien an Straßen, das Verharzen und Einebnen von Kopfsteinpflastern, rollstuhlgerechte Treppen, Entwässerungsrinnen zur Orientierung oder markierte Treppenstufen nannte sie als einige Zielvorgaben.

Wo anfangen und wo aufhören? Diese Frage beschäftigte so manch einen anwesenden Bürgermeister oder Bauamtsleiter. Natürlich will ein jeder der Vorgabe – „der demografische Wandel und der Weg in eine inklusive Gesellschaft bedingen, dass Gebäude für alle barrierefrei sind“ – gerecht werden. Aber vieles ist technisch nicht leicht umsetzbar und vor allem: Es kostet Zeit und Geld. Gerade im ländlichen Raum müssen wohl Kompromisse eingegangen werden. Das weiß auch Degenhart.

„In Zukunft sollte bei allen Bauvorhaben darauf geachtet werden, dass sie barrierefrei sind“, forderte Daniela Bittner, Senioren- und Behindertenbeauftragte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Schade findet sie, dass der Neubau des Landratsamts zwar rollstuhl-, aber eben nicht behindertengerecht sei. „Schauen sie sich diese holzverkleidete Wand an, die Türen sind nahtlos ohne jede Tasthilfen integriert. Wie soll ein Sehbehinderter diese finden?“ Um die Problematik zu veranschaulichen, verteilte sie Brillen, mit denen die Teilnehmer nur noch über eine Sehkraft von zwei oder zehn Prozent verfügten.

Welche Maßnahmen in welchem Zeitraum eine Kommune letztendlich umsetzen möchte, das müsse sie selbst entscheiden, am besten, so der Rat der Fachfrauen, sollten die Bürger in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Für Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) sind diese Dinge kein Neuland. In seinem Ort wurde der Bahnhof barrierefrei um- und ausgebaut, und die Durchgangsstraße durch das Dorf hat man mit einem Vorrangstreifen für Fahrradfahrer erweitert. Auch für die geplante Sanierung des Schwimmbades will er die Barrierefreiheit berücksichtigen. „Hinterher nachzubessern, wird immer teurer.“

Auch in Garmisch-Partenkirchen ist vieles angedacht, so haben die Verantwortlichen das Thema auf dem Schirm: Im kommenden Jahr sollen alle Lichtanlagen an den sechs großen Verkehrskreuzungen behindertengerecht umgebaut werden, eine Ampel-Anlage wird ganz neu errichtet. Dazu gehören Martin Dondel vom Staatlichen Bauamt Weilheim zufolge „abgesenkte Bordsteinkanten, Aufmerksamkeitsfelder im Boden, Pieps- und Vibrationstöne und taktile Elemente“.

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