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Mitglieder der Bergwacht Bayern suchen am Mittwoch auf der Alpspitze bei Garmisch-Partenkirchen nach einem von einer Lawine verschütteten Skifahrer. Die Bergwacht Bayern hatte zu einem Fototermin zum Thema Lawinenrettung geladen als der Ernstfall eintrat und die Retter zu einem echten Lawinenabgang mussten.

Helfer werden verschüttet

Dramatisches Ende einer Lawinen-Übung

Garmisch-Partenkirchen – Doppeltes Glück für einen Skifahrer im Osterfelder-Gebiet: Schon kurz nach einem schweren Sturz versorgen ihn Retter der Bergwacht. Diese schaufeln ihn auch in Windeseile aus dem Schnee, der ihn bei dem Einsatz unter sich begraben hat. Der Thüringer wird nun in der Unfallklinik Murnau versorgt.

Regungslos liegt der Mann am äußersten Rand der Piste, nahe am Fels. Was ihm auf der schmalen Passage im unteren Bereich des Osterfelderkopflifts, gut 100 Meter vor dem Durchbruch Richtung Hochalm, genau passiert ist, kann niemand sagen – auch seine beiden Begleiter nicht. Einig sind sich aber alle, dass der Skifahrer gestern Vormittag großes Glück hatte: Zwei Bergwachtmänner sind schon kurz nach dem Unfall im Skigebiet Garmisch-Classic zur Stelle und versorgen ihn. Der Urlauber aus Thüringen, der auf dem Bauch liegt, klagt über Rückenschmerzen. Daher gehen die Retter äußerst vorsichtig ans Werk. Als gegen 11.30 Uhr ein Schneerutsch, der sich von den Latschen in der steilen Felswand über ihnen gelöst hat, auf sie niedergeht, ist klar: Sie können den 66-Jährigen aus Worbis nicht einfach rausziehen. „Wegen des Verdachts auf Wirbelsäulen-Verletzungen haben wir ihn ausgeschaufelt“, erklärt Gerhard Mauermeier, der bald nach seinen Kameraden vor Ort ist.

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Der Farchanter ist wie gut 20 weitere Bergwachtmänner und 17 Vierbeiner der Lawinenhundestaffel Hochland derzeit bei einer Übung im Osterfeldergebiet. „Eine Woche sind wir am Kreuzeck und gehen dann ins Gelände“, erklärt Mauermeier, der als Ausbilder fungiert. „Dieser Termin ist sehr wichtig, um das Zusammenspiel mit dem Tier zu trainieren.“

Dabei achten er und seine Kameraden selbstredend auf die Lawinenwarnstufe, die gestern mit „2“ als mäßig eingestuft war. Seit 60 Jahren findet dieser Lehrgang mittlerweile statt, „dass wir dabei gleich einen Einsatz haben, ist eher ungewöhnlich“. Vor allem, dass die Retter quasi auf dem Weg zur Übung auf einen Verunglückten stoßen, sei noch nie vorgekommen, sagt Mauermeier, der seit 43 Jahren – „mit sehr viel Spaß“ – in der Hundestaffel aktiv ist. Das Gebiet auf circa 2000 Metern Höhe kennt er zudem aus seinem 20-jährigen Engagement bei der Lawinenkommission am Osterfelder „wie meine Westentasche“. Daher ist ihm auch bewusst, dass der Thüringer „an der ungünstigsten Stelle lag“. Die ausgesprochen schnelle Versorgung sei sein Glück gewesen.

Bilder: Übung wird für Bergretter zum Ernstfall

Ein weiterer Glücksfall ist Matthias Stauch zufolge, dass in kürzester Zeit eine Pistenraupe zur Verfügung steht. „An der Schaufel wird eine Kiste angebracht, in die er dann mit dem Akia in einem Vakuumbett gelegt wird“, erklärt der kaufmännische Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB). „Für den Verletzten ist das die sanfteste Transportmöglichkeit.“ Per Seilbahn gelangt der Mann ins Tal, wo ihn bereits ein Rettungswagen erwartet. Nach einer Erstuntersuchung im Klinikum Garmisch-Partenkirchen wird der 66-Jährige jetzt in der Unfallklinik Murnau versorgt. Um seine beiden Begleiter, mit denen der Thüringer Ski-Urlaub in der Marktgemeinde macht, kümmern sich derweil Kräfte des Kriseninterventionsteams der Bergwacht.

Tanja Brinkmann

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