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Schuttberge bestimmen das Bild am Lahnewiesgraben. Die Arbeiten sollen aber bis Jahresende beendet sein. 

Das passiert am Lahnewiesgraben

Burgrains Hochwasser-Prophylaxe

Garmisch-Partenkirchen - 1999 und 2005 – es waren Horrorjahre für Burgrain. Bereiche des Garmisch-Partenkirchner Ortsteils wurden überschwemmt. Das soll nicht mehr passieren: Seit September laufen die Arbeiten für den Hochwasserschutz.

Seine Bilder sind Zeugen der Zeit. Sie zeigen, wie der Garmisch-Partenkirchner Ortsteil Burgrain 1999 und 2005 vom Hochwasser heimgesucht wurde, wie sich der Golfplatz in eine Seenlandschaft verwandelte und zahlreiche Keller vollliefen. Alois Schwarzmüller hielt diese Szenen mit der Kamera fest. Das macht er heute noch, er dokumentiert alles für die Nachwelt. Sein aktuelles Fotomodell ist ähnlich unattraktiv wie damals die Überflutungen: Berge aus Schotter und Erde, Bagger, Steinbrocken. „Ich beobachte die Baustelle ständig“, sagt der Burgrainer. Seit Anfang September laufen am Lahnewiesgraben die Arbeiten für den Hochwasserschutz.

Darauf mussten die Burgrainer lange warten. „Man hat sich oft unterhalten“, erinnert sich Schwarzmüller. „Seit 1999 gab es viele Vorschläge.“ Entweder seien die am Naturschutz oder am Geld gescheitert. Vor drei Jahren bei einer Rathaussitzung mit Betroffenen und dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) legte Schwarzmüller sein Beweismaterial vor. „Die waren beeindruckt von den Bildern.“ Im negativen Sinne. Das Ausmaß des Hochwassers überstieg die Vorstellung. Es wurde klar: Eine Schutzmaßnahme ist unumgänglich.

Das Problem macht Christoph Erhardt vom WWA-Sachgebiet Wasserbau und Gewässerentwicklung deutlich: Im Mündungsbereich des Lahnewiesgrabens ist die bestehende Bebauung des Ortsteils nicht ausreichend vor möglichen Wassermassen sicher. Bei höherem Pegel der Loisach kommt es Erhardt zufolge „bei gleichzeitigem Auftreten eines Ereignisses am Lahnewiesgraben aufgrund des Rückstaus in die Loisach zu Überflutungen“. Um den Abfluss abzuleiten, wird die Mündung nun flussabwärts verlegt und umgestaltet. Außerdem errichtet das WWA entlang des neuen Gewässerabschnitts einen Deich, der an den bereits bestehenden am linken Ufer anschließt. „Er kann auch als Rad- und Fußweg genutzt werden“, heißt es vonseiten der Behörde. Der Deich soll bei einem neuen Hochwasser verhindern, dass die Loisach Richtung Siedlungsraum fließt. „Durch die Verlegung verschiebt sich die Stauwurzel, die aufgrund des Rückstaus entsteht, um circa 60 Meter flussabwärts“, teilt Erhardt mit. Damit noch nicht genug: Um die Situation noch besser in den Griff zu bekommen, wird auch die Anbindung des Schwaiggrabens verlegt – und zwar um 20 Meter. Die Folge: Der Wasserspiegel senkt sich um etwa 40 Zentimeter.

Sportplatz wird verlegt

Um die Pläne zu realisieren, müssen Kinder auf den Sportplatz verzichten. Die Fläche geht für die Schutzvorkehrung drauf. Doch wie SPD-Gemeinderat Harald Helfrich, selbst Burgrainer, erklärt, bekommt der Ortsteil einen adäquaten Ersatz. „Nur einen Tick kleiner und ein bisschen versetzt.“

Bis Ende des Jahres soll das Projekt beendet sein, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. So aufwendig die Arbeiten, so hoch der Preis. Insgesamt verschlingt der Hochwasserschutz 650 000 Euro, die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen trägt davon 245 000 Euro. Und wie es oft bei Baustellen passiert, steigerten sich die Kosten unvorhergesehen, weil die Entsorgung von belastetem Bodenmaterial 150 000 Euro verschlang.

Nicht die einzige Schwierigkeit, mit dem das WWA konfrontiert wurde. Denn eigentlich hatte es geplant, die Rohre des Schwaiggrabens kurz vor der Mündung in den Lahnewiesgraben zu vergrößern. Dabei wollte die Behörde den Bürgern einen lange geforderten Gefallen tun. Denn dahinter steckte die Absicht, die Situation dort zu entschärfen. Doch die Grundstückseigentümer stellten sich quer und verweigerten Erhardt zufolge plötzlich sämtliche bauliche Veränderungen auf ihrem Grund.

Schwarzmüller weiß davon nichts. Der Burgrainer hofft nun einfach darauf, dass der Hochwasserschutz, wie er nun gebaut wird, funktioniert. „Ich bin kein Wasserbauer“, sagt er. Vielmehr war er eines der Opfer der Überflutungen.

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