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Viele Geschäfte in Burgrain stehen leer. Das bedauern (v. l.) Otto Oswald, Marianne Wiedemann, die beiden Gemeinderäte Harry Helfrich und Alexandra Roos-Teitscheid, Alois Schwarzmüller und Josef Krätz.

"Eine traurige Entwicklung"

Burgrain: Geschäfte schließen, Treffpunkte fehlen

Burgrain - Jetzt auch noch die Sparkasse. Sie schließt ihre Filiale in Burgrain – und trägt zum Sterben des Ortes bei. Viele Geschäfte haben ihm bereits den Rücken gekehrt. Gerade ältere Bürger leiden darunter. 

Früher gab es eine Apotheke, einen Lebensmittel- und einen Getränkemarkt. In einem Schreibwarenladen konnte man sich seine Zeitung holen und beim Metzger die Würschtl. Doch das alles gehört längst der Vergangenheit an, denn in Burgrain sterben seit vielen Jahren die Geschäfte. Der einst belebte Treffpunkt an der Kirchstraße liegt verwaist und verlassen da. Nun zieht auch noch die Sparkasse aus. „Eine traurige Entwicklung“, findet Alexandra Roos-Teitscheid.

Die Burgrainer Gemeinderätin ist in diesem Ortsteil von Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen. Sie schätzt das familiäre Miteinander im Ort, dass ihre Kinder einfach auf der Straße spielen können. Aber dass man für jeden Liter Milch inzwischen nach Farchant oder Garmisch-Partenkirchen fahren muss – das schätzt sie ganz und gar nicht.

„Hier bekommt man inzwischen nur noch seine Semmeln“

Auch Schauspielerin Marianne Wiedemann, die einen Kosmetiksalon in Burgrain betreibt und als eine der wenigen Gewerbetreibenden dem Ortsteil treu geblieben ist, beklagt die häufigen Autofahrten in die umliegenden Gemeinden. Gerade viele ihrer älteren Kundinnen wüssten nicht mehr, wie sie in Zukunft zurechtkommen sollen. „Hier bekommt man ja inzwischen nur noch seine Semmeln.“

Gut, dass es wenigstens noch die Bäckerei gibt. Josef Krätz betreibt seine Filiale seit den 1990er Jahren. Seit einiger Zeit bietet er auch einen Post-Service in seinem Laden an. Dort können die Burgrainer ihre Briefe aufgeben oder Pakete abholen. Auch Krätz spürt, dass „die Zeiten schwieriger geworden sind“, nachdem viele Kunden ihre Backwaren inzwischen ja in den großen Supermärkten einkauften. Er hat reagiert, hat die Öffnungszeiten eingeschränkt. Doch der Geschäftsmann verspricht: „Wir werden Burgrain die Treue halten.“

"Das soziale Leben stirbt immer mehr"

Eine gute Nachricht in dem Ort, dem neben der Bäckerei und Wiedemanns Kosmetiksalon nur noch eine Pizzeria und ein Friseur geblieben sind. Für alles andere müssen die Burgrainer ins Auto steigen. Und wer keines hat – das trifft vor allem die Älteren im Ort – für den wird es schwierig. Entweder geht er zu Fuß querfeldein nach Farchant, oder er wartet auf den Bus. Der allerdings fährt nur im Halbstunden-Takt und über Umwege. Wer Medikamente braucht, greift deshalb gern auf den kostenlosen Bringdienst zurück, den die Apotheke in Farchant ihren Kunden anbietet.

„Das ist ja ein toller Service, aber das soziale Leben stirbt immer mehr“, beklagt Otto Oswald. „Früher hat man sich beim Einkaufen getroffen, ein wenig geratscht und ausgetauscht. Heute gibt es im Ort keine Läden mehr und nur noch wenige gesellschaftliche Treffpunkte.“ Das Sportlerstüberl oder der Jugendtreff zählen dazu. „Aus der Not organisieren sich die Burgrainer selbst“, sagt Harry Helfrich.

Seit 13 Jahren wohnt der Schauspieler und Gemeinderat (SPD) in Burgrain, schätzt den Zusammenhalt und die Familienfreundlichkeit. Freilich fehle inzwischen ein Ortskern, auch der Spielplatz sei schon lange geschlossen. Aber immerhin gebe es noch einen Kindergarten, eine Grundschule und einen Sportplatz. Und eben das Jugendzentrum.

„Hier lässt es sich wunderbar leben, nur die Geschäfte fehlen“

Aber dass man in Zukunft noch nicht einmal Geld abheben kann, weil es keinen Geldautomaten mehr geben soll, das will Helfrich nicht so einfach hinnehmen. Auch Alois Schwarzmüller nicht, der sich gern an alte Zeiten erinnert. An Zeiten, in denen Jung und Alt sich im früheren „Rasthaus“ (wurde 2003 geschlossen) trafen, zusammensaßen, sich unterhielten. „Gut, dass es wenigstens noch die Pizzeria gibt“, sagt der Rentner. Das „San Marco“ von Claudio Bonafede ist neben dem Sportlerstüberl inzwischen die einzige Wirtschaft in Burgrain.

„Diejenigen, die jetzt noch hier sind, wollen bleiben“, meint Roos-Teitscheid. Es klingt erleichtert. Das Image eines „Glasscherben-Viertels“, das ihrem Ort anhängt, findet die gebürtige Burgrainerin ungerecht. „Hier lässt es sich wunderbar leben, nur die Geschäfte fehlen uns.“

Auch wenn das Geschäftesterben kein spezifisches Problem von Burgrain ist, so trifft es diesen Ort doch schwerer als manch anderen, weil schlichtweg die Alternativen fehlen. Und die Lösungen. Denn über eines sind sich die engagierten Burgrainer im Klaren: Solange die Mieten für die Ladenflächen nicht deutlich gesenkt werden, solange wird sich auch an ihrer Situation nichts ändern. „Am Finanziellen scheitert immer alles“, sagt Oswald, Vorsitzender des Fischereivereins, „das ist mehr als bedauerlich. Und die Leidtragenden sind wir alten Leut’."

Barbara Falkenberg

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