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Besprechen den Einsatz (v.l.) Alexander Huhn, Claudia Kebinger, Susan Hiekisch und Stefan Schackmann.

Ein richtiger Knochenjob

Caritas Altenpflege: AOK-Direktor hilft mit

Garmisch-Partenkirchen - AOK-Direktor Stefan Schackmann begleitet Ambulanten Pflegedienst bei Hausbesuchen – Beruf immer mehr gefragt

Manchmal braucht es gar nicht viel. Schon ein kleinerer Unfall oder eine Erkrankung können dafür sorgen, dass ältere Menschen nicht mehr auf die Beine kommen und gesundheitlich und geistig stark abbauen. Wenn sie ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können, werden sie zu einem Pflegefall. Angehörige sind auf diese Herausforderung oft nicht vorbereitet. Für die Ambulante Pflege der Caritas in Garmisch-Partenkirchen gehört dieses Bild zum täglichen Brot. Um die 300 Patienten versorgen die zirka 34 Mitarbeiter während ihrer Touren im Landkreis. Sie waschen ihre Patienten, geben ihnen Medikamente, wechseln die Windeln oder kleiden sie an.

Stefan Schackmann, Direktor der AOK in Garmisch-Partenkirchen, kennt das. Auch in seiner Familie gibt es einen Pflegefall. Dass diese Arbeit, die vorwiegend von Frauen getan wird, ein richtiger Knochenjob ist, hat er nun am eigenen Leib erfahren. Sechs Stunden lang begleitete er die stellvertretende Pflegedienstleiterin Claudia Kebinger auf einer Tour und half ihr bei der Versorgung ihrer Patienten.

„Dieser Arbeit gebührt die größte Anerkennung“, sagt Schackmann nach getaner Arbeit im Caritas-Haupthaus. Er trägt nicht wie gewohnt Anzug und Krawatte, sondern ein rotes Hemd mit Caritas-Emblem. Bei der Nachbesprechung mit der Pflegedienstleiterin Susan Hiekisch und Caritas-Geschäftsführer Alexander Huhn greift er erst mal zu einer Breze. „Ich muss mich stärken“, sagt er lachend. „Wir hatten stark pflegebedürftige Menschen auf der Tour“, betont Kebinger. „Das kann schon recht anstrengend sein.“ Der Ambulante Dienst muss nicht nur die ganze körperliche Arbeit leisten. Bei den Hausbesuchen sind meistens auch organisatorisches Talent und Flexibilität gefragt. „Manchmal gehen die Tabletten der Patienten aus“, sagt Kebinger. „Wenn der Hausarzt dann nicht zu erreichen ist, wird es schwierig.“

Diese „krisenhaften Situationen“ , wie sie Huhn nennt, sind für die ausgebildeten Kräfte keine Seltenheit. Oft kommt es vor, dass ältere Menschen aus dem Krankenhaus entlassen werden und Zuhause ihren Alltag nicht mehr bewältigen können. „Denen geht es dann in der Klinik meist noch gut, weil sie da ja genügend Unterstützung haben“, sagt Hiekisch. „Dabei stellt sich dann erst heraus, dass eine höhere Pflegestufe beantragt werden muss.“ Hier fungieren die Pfleger als Krisenmanager. Das kann psychisch einiges abverlangen. „Es kommt stark darauf an, wie sehr sich die Verwandten um den Patienten kümmern können“, betont Hiekisch. „Je mehr wir miteinander im Gespräch sind und sie sich einbringen, desto besser.“

Auch wenn manche Abläufe in der Praxis verbessert werden können, findet der AOK-Direktor das Angebot für ältere und hilfsbedürftige Menschen in Deutschland sehr gut. „Da sieht es in anderen Ländern um einiges schlechter aus.“ In vielen Situationen – wenn zum Beispiel eine höhere Pflegestufe erst einmal in die Wege geleitet oder ein Ambulanter Dienst organisiert werden muss – kann Unterstützung beantragt werden. In der Kurzzeitpflege werden Patienten übergangsweise stationär in einer Einrichtung von Fachkräften umsorgt. „Das schafft Erleichterung“, sagt Schackmann. Ein geschulter Berater der AOK ist vor Ort und bei Fragen behilflich. „Dieses Angebot sollten mehr Familien in Anspruch nehmen.“

Dass Angehörige Unterstützung brauchen, um sich um ihre gebrechlichen Eltern oder Großeltern zu kümmern, soll man nicht verurteilen, findet Huhn. „Die Zeiten haben sich geändert. Die Berufstätigkeit der Menschen hat zugenommen. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter.“ Demenz ist in der Gesellschaft immer mehr Thema. Dieses Problem hat auch die Politik erkannt. Mit den 2016 verabschiedeten Pflegestärkungsgesetzen erhalten kranke und alte Menschen zukünftig mehr Leistungen. „Das ist sinnvoll“, findet Kebinger. Vielleicht interessieren sich dann auch wieder mehr junge Menschen für ihren Beruf. „Denn trotz aller Anstrengung ist meine Arbeit sehr schön.“ Und auch in der Zukunft stark gefragt.

Magdalena Kratzer

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